Gefaehrten der Finsternis
zwei meiner Männer begleiten und Euch gute Waffen geben lassen.«
»Jawohl, Herr.« Der Bote nickte und erhob sich. »Danke, Herr.« Und er wandte sich zum Gehen.
»Dankt mir nicht«, widersprach ihm Vandriyan. »Da ist nichts zu danken. Ich tue nur meine Pflicht und das nicht einmal besonders gut.«
Es wirkte, als habe Feliran noch etwas auf dem Herzen. Doch er fand nicht den Mut, es auszusprechen. Er stammelte nur halblaut einen Abschiedsgruß und verließ das Zelt.
DREIZEHN
I CH KANN DAS einfach nicht glauben! Scrubb, von dir hätte ich wirklich keine solche Dummheit erwartet.« Der Herr der Finsternis,Gylion Herz aus Eis,Sohn von Algus dem Zauberer, schäumte vor Wut. Nicht, dass Scrubb davon besonders berührt gewesen wäre. Er war mittlerweile an die häufigen Wutausbrüche seines Freundes gewöhnt und ließ sie für gewöhnlich stoisch über sich ergehen. Häufig waren sie zudem völlig unmotiviert, genau wie dieses Mal. Scrubb schnaufte, schaukelte gelangweilt in seiner Hängematte, zog an seiner Wasserpfeife und stieß violette Rauchwölkchen in die Luft. »Ich sehe wirklich nicht, wo hier das Problem liegt.«
»Du siehst nicht, wo hier das Problem liegt?«, fuhr ihn Gylion zornig an. »Dafür sehe ich das umso klarer. Du hast Mist gebaut, weil du plötzlich und unerwartet deine weiche Seite entdeckt hast. Und jetzt hast du noch die Frechheit, mir ins Gesicht zu sagen, dass du nicht siehst, wo das Problem liegt?«
»Nein, ich sehe es wirklich nicht«, wiederholte Scrubb und blieb immer noch völlig gelassen. »Ich glaube nicht, dass das ganze Heer wegen eines einzigen Deserteurs vor die Hunde geht. Außerdem hätte ich ihn locker wieder einfangen können, wenn ich gewollt hätte.«
»Und warum hast du es dann nicht getan?«, schrie ihn Gylion an, der mit seiner Geduld eindeutig am Ende war.
»Das habe ich dir doch schon erklärt«, sagte Scrubb und seufzte. »Dieser Junge hatte gute Gründe für seine Fahnenflucht, und letzten Endes ändert es doch nichts, ob er noch bei uns ist oder nicht.«
»Und ob das was ändert!« Gylion tobte. »Das war nicht irgendein kleiner Fußsoldat! Sondern der Bruder von König Lucidious! Und du weißt selbst, wie gefährlich der ist.«
Scrubb lachte verächtlich auf. »Was, dieses Jüngelchen soll gefährlich sein?«
Gylion schnaubte wütend. »Oh ja, und sogar höchst gefährlich. Du kennst dich wohl in der Geschichte von Mirnar nicht aus, oder?«
»Du weißt doch genau, dass mich die jämmerlichen Zwistigkeiten der Sterblichen nicht interessieren.« Scrubb schüttelte den Kopf. »Die sind nicht wichtig.«
»Oh doch, das sind sie«, entgegnete Gylion. »Wenn du dich auch nur ein bisschen mit der Geschichte von Mirnar beschäftigt hättest, dann wüsstest du, wie einflussreich dieser feige Wurm sein kann.«
»Also, dann klär mich doch bitte auf«, meinte Scrubb seufzend, »vielleicht weiß ich ja dann, was die ganze Aufregung soll.«
Gylion ließ sich im Schneidersitz nieder und atmete einmal tief durch. »Gut, hör zu: Damals, als mein Vater umgebracht wurde, war Telvian von Mirnar König der Sterblichen. Nachdem mein Vater durch die Hand des erbärmlichen Kerls, der sich jetzt Sire Myrachon nennen lässt, den Tod gefunden hatte, befand sich Telvian in einer verzwickten Situation, schließlich war er durch ein Abkommen an meinen Vater gebunden. Er erkannte, dass er gegen die Ewigen allein nichts ausrichten konnte, daher beschloss er, dass er zumindest ehrenvoll sterben wollte, und forderte seinen Erzrivalen Hauptmann Vandriyan, den Letzten der Ersten, zu einem Zweikampf Mann gegen Mann. Die beiden waren schon einmal aneinandergeraten und damals war Telvian nur knapp mit
dem Leben davon gekommen. Wie vorauszusehen war, war ihm Vandriyan auch dieses Mal überlegen.Telvian wurde besiegt, aber der Hauptmann tötete ihn nicht, wie man vielleicht hätte annehmen können. Stattdessen schlug er ihm einen Pakt vor, ein ehrenvolles Abkommen.
Telvian hatte keine Söhne, aber einen Neffen, einen wohlgeratenen und klugen jungen Mann namens Aldan.Vandriyan schlug nun Telvian vor, dass er zu Gunsten seines Neffen abdanken sollte. Die Ewigen würden dann mit Aldan einen neuen Bund schließen. Und so geschah es auch: Aldan schwor den Ewigen Treue und versprach, ihnen in Zeiten der Not hilfreich zur Seite zu stehen. Das Bündnis wurde aufgesetzt und von beiden Seiten mit Blut unterzeichnet. Daraufhin schenkten die Ewigen Aldan Unsterblichkeit, doch nur unter der Bedingung,
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