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Grabstein - Mùbei: Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962 (German Edition)

Grabstein - Mùbei: Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962 (German Edition)

Titel: Grabstein - Mùbei: Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962 (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Yang Jisheng
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Zentralkomitees. Zhou Enlai war wegen seines Widerstands gegen Mao kritisiert worden, Chen Yun wurde damals ebenfalls nicht mehr eingesetzt, so dass viele Aufgaben auf das Sekretariat übergingen. 1958 war das Sekretariat des Zentralkomitees das Machtzentrum. In Bezug auf die Drei Banner hat Deng Xiaoping Mao Zedong aktiv unterstützt. Viele Entscheidungen während des Großen Sprungs kamen aus dem Sekretariat, das Deng Xiaoping leitete. Dennoch, als die Probleme des Großen Sprungs nach vorn sichtbar wurden, war Deng Xiaoping in der Lage, relativ realistisch mit ihnen umzugehen, aber er hielt weiter an seiner Unterstützung der Drei Banner fest. In den Veröffentlichungen seit der Öffnungs- und Reformpolitik wird Deng Xiaopings Rolle in der Zeit des Großen Sprungs mit aller Macht ausgespart.
    Zwischen der ersten Vollversammlung der achten Tagung des Zentralkomitees im September 1956 bis zur zweiten Vollversammlung der achten Tagung des Zentralkomitees im Mai 1958 haben die Leitgedanken der KPCh eine große Wandlung durchgemacht. Diese Wendung in die falsche Richtung hat zweifellos Mao Zedong an erster Stelle bewirkt. Aber innerhalb der KPCh fehlte nicht nur eine Korrektivinstanz für das wichtigste Führungspersonal, es gab sogar Instanzen, die die Erkenntnisse des Führungspersonals immer weiter in die falsche Richtung trieben. Damals war Mao Zedong in der Tat wie in einem mentalen Fieber. Das Führungspersonal, das der Wirtschaft vorstand, hat in der praktischen Arbeit die Mängel in Mao Zedongs Ideen entdeckt und sie in der Praxis auch korrigiert (im Widerstand gegen die Politik der Überstürzung). Aber sobald Mao Zedong seinen Kopf durchsetzte, haben sie alle ihre Korrekturen in den Wind geschrieben und Maos Fehler ins Extrem getrieben. Die fehlerhaften Leitgedanken des Jahres 1958 waren nicht nur Fehler des obersten Führers und des Führungskollektivs, es waren Fehler des Systems.

Kapitel 6
    Die Volkskommunen – Basisorganisation eines totalitären Systems
    Die Volkskommunen haben sich aus dem kollektivierten System der chinesischen Landwirtschaft heraus entwickelt. Von offizieller Seite wurde die Kollektivierung der chinesischen Landwirtschaft durchgehend als Kooperierung bezeichnet, was dazu führte, dass die Begriffe von den Menschen durcheinandergebracht wurden. In Wahrheit waren Kooperierung und Kollektivierung grundverschiedene Dinge. Ersteres bedeutete eine grundsätzliche Zusammenarbeit zum Nutzen des Einzelnen, Letzteres beutete den Einzelnen aus. Ersteres bestand im gegenseitigen Vorteil auf der Basis von Privateigentum, Letzteres ersetzte das System des Privateigentums durch das System des Kollektiveigentums.
    Die Kollektivierung lehnte das System des Privateigentums ab, lehnte die individuellen Interessen ab und bildete die wirtschaftliche Basis für das totalitäre System. Ohne die Kollektivierung der Landwirtschaft hätte es den chinesischen Totalitarismus nicht gegeben. Da die Kollektivierung der Landwirtschaft gleichbedeutend war mit der grausamen Ausbeutung der Bauern, war ihre Umsetzung notwendigerweise ebenfalls grausam und von Zwangsmaßnahmen bestimmt. Die Volkskommunen waren eine Entwicklung des Systems der Kollektivierung, sie bestanden in einer weiteren Ablehnung der individuellen Interessen, sie bildeten die Basisorganisation für das totalitäre System und natürlich waren sie auch die organisatorische Basis für die große Hungersnot.

Mao Zedong gibt den Startschuss für eine Kollektivierungswelle in der Landwirtschaft
    Nachdem China die Bodenreform durchgeführt hatte, haben sich die Leute, die es sich leisten konnten, schweres Ackergerät gekauft, andere haben Pferd und Wagen angeschafft oder Pächter angestellt. Relativ schwache Bauernhäuser haben begonnen, ihren Boden zu verkaufen oder zu verpachten. Deshalb hat ein Teil der Bauern ihr Land verloren und ein anderer Teil der Bauern hat Land hinzugewonnen. 1950 hat Gao Gang, der Verantwortliche für das Nordost-Büro, den Vorschlag gemacht, die Bauern von der Individual- zur Kollektivwirtschaft zu bringen. Liu Shaoqi war der Auffassung, ohne Maschinen könnten sich kollektive Höfe nicht halten. Mao Zedong hat den Vorschlag von Gao Gang sehr gelobt und war mit der Ansicht Liu Shaoqis nicht zufrieden. [408]  
    Daraus dass es reiche und arme Höfe gab, kann man nicht folgern, dass sich eine Polarisierung ergeben hätte. Forscher sind der Auffassung, dass die Klassen in den ländlichen Gebieten nach der Bodenreform eine

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