Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
Vom Netzwerk:
verputzten Wand aufgereiht, und obenauf kleinere Brandyfässer. Ganz oben lag eine graugestreifte Katze ausgestreckt. An zwei Enden befanden sich gemauerte sauber ausgefegte Kamine. Drei oder vier Kellnerinnen mit weißen Schürzen eilten zwischen den Tischen und Bänken einher, die auf den blanken Holzbohlen des Fußbodens standen. Die Decke war aus schweren Balken gezimmert. Der Wirt, ein Mann mit rundem Gesicht und Dreifachkinn und einer weißen Schürze, die sich mächtig um seinen dicken Bauch spannte, trabte händeringend heran und musterte die Aiel nur ein ganz klein wenig besorgt. In Caemlyn hatte man begriffen, daß sie keineswegs alles in Reichweite plündern und brandschatzen wollten. Dabei war es ihm ziemlich schwergefallen, die Aiel davon zu überzeugen, daß Caemlyn kein erobertes Gebiet sei und sie nicht ihr übliches Fünftel mitnehmen durften. Das hieß natürlich nicht, daß die Wirte daran gewöhnt waren, gleich zwei Dutzend Aiel auf einmal in ihrem Schankraum begrüßen zu dürfen.
    Der Wirt richtete seine Aufmerksamkeit auf Rand und Bashere. Hauptsächlich auf Bashere. Beide waren ihrer Kleidung nach gewiß Männer von Bedeutung, aber Bashere war um vieles älter und deshalb vermutlich der wichtigere. »Willkommen, die Lords, meine Lords. Was kann ich Euch anbieten? Ich habe Weine aus Murandy und Andor, Brandy aus...«
    Rand beachtete den Mann gar nicht. Was nicht das gleiche war wie in hundert anderen Schankräumen, waren die Gäste. Zu dieser Stunde hätte er vielleicht ein oder zwei Männer erwartet, aber es waren keine da. Statt dessen saßen an den Tischen einfach gekleidete junge Frauen, überwiegend noch Mädchen, die sich auf ihren Plätzen umdrehten, die Teetassen in den Händen, um die Neuankömmlinge anzugaffen. Mehr als eine schnappte Baels Größe wegen nach Luft. Allerdings musterten nicht alle von ihnen die Aiel, und es war gerade dieses knappe Dutzend Mädchen, das ihn angaffte, was Rand die Augen aufreißen ließ. Er kannte sie. Nicht alle kannte er gut, doch immerhin kannte er sie. Besonders eine von ihnen erregte seine Aufmerksamkeit.
    »Bode?« fragte er ungläubig. Das Mädchen mit den großen Augen, das ihn anstarrte - seit wann war sie eigentlich alt genug, um das Haar zum Zopf zu flechten? - war Bodewhin Cauthon, Mats Schwester. Und dort saß die mollige Hilde Barran neben der mageren Jerilin al'Caar und der hübschen Marisa Ahan, die, wie immer, wenn sie überrascht war, die Hände auf die Wangen gelegt hatte, und daneben Emry Lewin mit dem großen Busen und Elise Marwin und Darea Candwin und... Sie waren alle aus Emondsfeld oder der Umgebung. Sein Blick huschte über die übrigen Tische, und ihm wurde klar, daß auch die anderen Mädchen von den Zwei Flüssen stammen mußten. Jedenfalls die meisten. Er sah auch ein typisches Domanigesicht und ein oder zwei mehr, die von weiter her kommen mochten. Doch alle diese Kleider hätte man auch an jedem beliebigen Tag auf dem Anger von Emondsfeld sehen können. »Was beim Licht, macht ihr denn hier?«
    »Wir sind auf dem Weg nach Tar Valon«, brachte Bode trotz ihrer Verblüffung heraus. Das einzige an ihr, das an Mat erinnerte, war ein spitzbübischer Ausdruck um die Augen. Ihr Erstaunen über sein Erscheinen verschwand dann aber schnell und wurde durch ein erfreutes, breites Lächeln ersetzt. »Um Aes Sedai zu werden, wie Egwene und Nynaeve.«
    »Dasselbe könnten wir dich fragen«, warf die gertenschlanke Larine Ayellin ein und legte sich den dicken Zopf mit geübter Ungezwungenheit über die Schulter. Sie war die älteste unter den Mädchen aus Emondsfeld - gut drei Jahre jünger als er, aber außer Bode die einzige, die ihr Haar bereits zum Zopf geflochten trug -, aber sie war schon immer recht eingebildet gewesen. Und sie war dazu noch hübsch genug, um von den Jungen ständig darin bestärkt zu werden. »Lord Perrin hat kaum zwei Worte von dir erzählt, außer, du seist auf Abenteuer ausgezogen. Und du trügst jetzt ganz feine Kleidung, was offensichtlich keine Übertreibung war.«
    »Geht es Mat gut?« fragte Bode mit einem Mal besorgt. »Ist er bei dir? Mutter macht sich solche Sorgen um ihn. Er hat gewöhnlich nicht einmal daran gedacht, frische Strümpfe anzuziehen, wenn ihn niemand daran erinnerte.«
    »Nein«, sagte Rand bedächtig, »er ist nicht hier, aber es geht ihm gut.«
    »Wir hätten nicht erwartet, dich hier zu treffen«, piepste Janacy Torfinn mit ihrer hellen Stimme. Sie konnte kaum älter als vierzehn

Weitere Kostenlose Bücher