Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Herren des Wetens

Herren des Wetens

Titel: Herren des Wetens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Eddings
Vom Netzwerk:
schmiegen. Als der Diener den Brief des arendischen Königs brachte – vornehm auf einem Silbertablett –, löste Garion fast widerwillig den Blick von seiner zierlichen Frau. Er brach das verschnörkelte Wachssiegel und öffnete das knisternde Pergament.
    »Wer hat geschrieben, Garion?« fragte Ce'Nedra. Sie bürstete weiterhin das Haar und betrachtete ihr Spiegelbild mit verträumter Zufriedenheit.
    »Korodullin«, antwortete er und fing zu lesen an.

    An Seine Majestät König Belgarion von Riva, Kaiser des
    Westens. Seid gegrüßt!
    Wir hoffen von ganzem Herzen, daß Ihr und Eure
    Königin Euch bester Gesundheit und Zufriedenheit er-
    freut. Mit Freuden würden Wir Unserer Feder gestatten
    zu beschreiben, welche Hochachtung und Zuneigung
    Unsere Königin und Wir für Euch und Ihre Majestät
    empfinden, doch in Arendien hat sich eine Krise erge-
    ben, und da sie unmittelbar durch die Handlungen eini-
    ger Eurer Freunde verursacht wurde, entschlossen Wir
    Uns, Eure Hilfe zu erbitten.
    Zu Unserem großen Leid erlag Unser teurer Freund
    Baron von Vo Ebor den schrecklichen Wunden, welche
    er sich auf dem Schlachtfeld von Thull Mardu zuzog.
    Sein Dahinscheiden im Frühjahr hat Uns größeren
    Kummer bereitet, als Wir in Worten auszudrücken ver-
    mögen. Er war ein guter und getreuer Ritter. Sein Titel-
    erbe, da er und die Baronin Nerina bedauerlicherweise
    kinderlos blieben, ist ein entfernter Neffe, ein gewisser Sir Embrig, ein etwas ungestümer Ritter, so sehr am Titel und den Ländereien interessiert, fürchten Wir, daß er die Gefühle der zutiefst trauernden Baronin nicht achtet. Mit einer Unritterlichkeit, die sich für einen seiner edlen Geburt nicht geziemt, machte er sich sogleich nach Vo Ebor
    auf, um sein Erbe anzutreten. Mit sich brachte er ver-
    schiedene Ritter seiner Bekanntschaft, seine Busenfreun-
    de und Saufkumpane. Kaum waren sie in Vo Ebor ange-
    langt, gaben sie sich ungeziemenden Gelagen hin, und
    als sie wohl alle betrunken waren, verlieh einer dieser
    gefühllosen Ritter seiner Bewunderung für die soeben
    erst verwitwetete Nerina Ausdruck. Ohne zu überlegen
    oder an den unersetzlichen Verlust zu denken, den die
    Lady erlitten hatte, versprach Sir Embrig seinem Sauf-
    kumpan sogleich ihre Hand. Nun bestehen in Arendien
    gewisse Gesetze, die Sir Embrig dieses Recht geben,
    doch würde kein wahrer Ritter einer Anverwandten in
    so großer Trauer seinen Willen so ungesittet aufzwin-
    gen.
    Diese Neuigkeit wurde alsbald Sir Mandorallen zuge-
    tragen, dem mächtigen Baron von Vo Mandor, und die-
    ser große und wahrlich ritterliche Mann schwang sich
    sogleich auf sein Pferd. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, was sich in Vo Ebor zutrug, da Euch Sir Mandoral-
    lens Mut und Geschicklichkeit im Umgang mit Waffen
    ebenso bekannt ist, wie seine Verehrung für die Baronin
    Nerina. Sir Embrig und seine Kumpane versuchten sich
    ihm in ihrer Unüberlegtheit in den Weg zu stellen, und
    wie ich hörte, kam es zu einigen tödlichen und einer
    größeren Zahl ernster Verwundungen. Euer Freund
    brachte die Baronin in seine Burg in Vo Mandor, um für
    ihren Schutz sorgen zu können. Sir Embrig, der sich –
    bedauerlicherweise vielleicht – von seinen Verletzungen
    erholen wird, hat Krieg zwischen Ebor und Mandor er-
    klärt und zu diesem Zweck verschiedene Edle um sich
    geschart. Andere eilen zu Sir Mandorallens Banner, und
    so befindet sich Südwestarendien am Rande eines größe-
    ren Krieges. Uns wurde berichtet, daß Lelldorin von
    Wildantor, schon immer ein verwegener Gesell, eine
    Truppe asturischer Bogenschützen zusammengestellt
    hat und damit bereits gen Süden marschiert, um seinem
    alten Waffengefährten beizustehen.
    So sieht die Lage aus. Ihr müßt verstehen, daß Wir
    Uns als Träger der arendischen Krone nur ungern ein-
    mischen würden, da Wir dann richten müßten und das
    Gesetz Uns zwänge, zugunsten von Sir Embrig zu ent-
    scheiden.
    Wir bitten Euch, König Belgarion, Euch nach Arendi-
    en zu begeben und Euren Einfluß auf Eure früheren Ge-
    fährten und teuren Freunde geltend zu machen, um sie
    vom Rand des Abgrundes zurückzuholen, an dem sie
    sich nun befinden. Nur Euer Einschreiten, fürchten Wir,
    kann das drohende Unheil noch abwenden.

    Voll Hoffnung und Freundschaft
    Korodullin

    Garion starrte hilflos auf den Brief. »Warum ich?« klagte er, ohne zu überlegen.
    »Was schreibt er denn?« erkundigte sich Ce'Nedra. Sie legte die Bürste zur Seite und griff nach einem

Weitere Kostenlose Bücher