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Hexer-Edition 09: Dagon - Gott aus der Tiefe

Hexer-Edition 09: Dagon - Gott aus der Tiefe

Titel: Hexer-Edition 09: Dagon - Gott aus der Tiefe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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aus dem Wasser, und weit über seinem Kopf konnte Lawrence die – jetzt allerdings geschlossenen – Luken einer gleich fünffachen Reihe von Geschützen erkennen, die das Schiff zu einer schwimmenden Festung machen mussten. Nirgends an Bord dieses schwimmenden Riesen war auch nur das mindeste Licht zu sehen und trotz der prall geblähten Segel und der bis zum Zerreißen gespannten Taue war es noch immer unheimlich still.
    Lawrence hob seinen Feldstecher und blickte mit klopfendem Herzen zu dem Riesenschiff auf. Das Gerät funktionierte jetzt wieder einwandfrei; Lawrence sah jede noch so winzige Einzelheit des Schiffes, als läge es auf Armeslänge vor ihm: der hölzerne Rumpf, der ihn auf skurrile Weise an eine chinesische Dschunke erinnerte und dessen Planken so sorgsam bearbeitet waren, dass es fast aussah, als wäre er aus einem einzigen Stück gearbeitet; die gigantischen Masten, die so dick sein mussten, dass drei Männer sie nicht umfassen konnten; die Decksaufbauten, die aus seiner ungünstigen Position heraus betrachtet seltsam geduckt und klein erschienen und zum Heck hin in einem gewaltigen Turm ausliefen, und schließlich den Namenszug, der in übermannsgroßen goldenen Lettern am Bug prangte: DAGON.
    Lawrence setzte sein Glas ab und runzelte die Stirn. Dieser Namenszug berührte etwas in ihm, tief in seiner Seele, und er tat es auf sehr unangenehme Art und Weise. Aber er wusste nicht, was es war.
    Langsam glitt die King George näher an den schwimmenden Giganten heran und das unangenehme Gefühl in Lawrence nahm an Intensität zu. Er versuchte sich einzureden, dass er keinen Grund hatte, Angst zu haben. Die King George war ein Zwerg gegen die DAGON, aber das Schiff war trotz seiner imposanten Erscheinung nicht viel mehr als ein schwimmender Anachronismus, der zwei- oder auch dreihundert Jahre zu spät kam, während die King George das Nonplusultra der englischen Seemacht darstellte. Sie war eine verbesserte – und größere – Ausführung der berühmt-berüchtigten Kanonenboote, auf deren Macht ein Großteil der britischen Seeüberlegenheit beruhte, und sie war gut bewaffnet, es selbst mit diesem Giganten aufzunehmen, wenn es sein musste. Sicher, gegen die DAGON wirkte sie klein und verloren – aber schließlich war auch ein Piranha nicht sonderlich groß.
    Trotzdem wurde das nagende Gefühl von Furcht in Lawrence immer stärker, je weiter sie sich dem Riesenschiff näherten.
    Die King George wurde langsamer und drehte längsseits und schließlich war aus dem Dröhnen der Dieselmotoren ein leises Tuckern geworden, als das Schiff – ein Hecht neben einem Wal – längs der DAGON auf den Wellen schaukelte.
    Lawrence hob die Flüstertüte an die Lippen. »Kapitän der DAGON!«, rief er. »Hier spricht Kapitän Lawrence von der HMS King George. Sie befinden sich in britischen Hoheitsgewässern. Drehen Sie bei und identifizieren Sie sich.«
    Das Instrument verzerrte seine Stimme so sehr, dass er sie selbst kaum wiedererkannte, und es schien Lawrence, als schlucke der Nebel noch einen großen Teil ihres Klanges, bis nur noch düstere, unheimliche Töne übrig blieben, die kaum mehr Ähnlichkeit mit einer menschlichen Stimme hatten.
    Er schob den Eindruck auf seine Nervosität und wiederholte seine Durchsage; drei-, vier-, fünf-, schließlich sechsmal, ohne dass auch nur die geringste Reaktion erfolgte. Die DAGON folgte weiter unbeirrbar ihrem Kurs und die King George lief neben ihr her wie ein Jagdhund neben einem Elefanten.
    Lawrence ließ seine Flüstertüte sinken und hob die rechte Hand. Die Matrosen hinter ihm hatten nur auf dieses Zeichen gewartet. Für gute zwei Minuten schien sich das Deck der King George in einen wimmelnden Ameisenhaufen zu verwandeln, während sich das halbe Dutzend großer Zwillingsgeschütze auf den riesigen Leib der DAGON ausrichtete. Dann kehrte wieder Ruhe ein.
    Kapitän Lawrence hob sein Instrument erneut. »DAGON!«, rief er, so laut er konnte. »Dies ist die letzte Warnung. Nehmen Sie Fahrt weg, oder ich lasse das Feuer eröffnen.«
    Wieder verging fast eine Minute, dann erschien hinter der Reling des Riesenschiffes, etwa auf der Höhe der King George, eine Gestalt. Sie war zu weit entfernt und zu hoch über Lawrence, als dass er Einzelheiten erkennen konnte, aber er hatte das sichere Gefühl, dass der Mann direkt auf ihn herabsah; nicht etwa auf das Schiff oder die drohend ausgerichteten Kanonen, sondern auf ihn.
    Aber das war auch alles, was geschah. Die DAGON jagte

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