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Hexer-Edition 11: Der achtarmige Tod

Hexer-Edition 11: Der achtarmige Tod

Titel: Hexer-Edition 11: Der achtarmige Tod Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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hatte zuteil werden lassen, denn sein Blick klärte sich wieder und als er weitersprach, klang seine Stimme hörbar kräftiger.
    »Was ist geschehen, Yo Mai?«, fragte Shannon leise.
    Der Majunde sah mich an, als er antwortete: »Die fremden Götter«, sagte er. »Sie sind gekommen, Robert Craven. Mein … mein Volk suchte Zuflucht in den Heiligen Höhlen, aber sie waren schon da.«
    »Wer – sie?«, drängte Shannon. Ich warf ihm einen beschwörenden Blick zu, sah aber ein, dass Shannon Recht hatte. Wir mussten wissen, was geschehen war, wollten wir nicht Gefahr laufen, von den gleichen Wesen überwältigt zu werden wie Yo Mais Stamm.
    »Die Dämonen«, stöhnte Yo Mai. »Sie … sie kamen mit der Nacht. Unser Gott hat gezürnt, aber sie waren stärker.«
    »Wer?«, drängte Shannon.
    Yo Mai begann zu stöhnen. Ich sah, wie sich sein Blick wieder verschleierte, und diesmal war es etwas, das selbst stärker als Shannons Macht war.
    »Lass ihn«, sagte ich leise. »Er stirbt.«
    »Die Dämonen«, wimmerte Yo Mai. »Sie kommen aus dem Meer, weißer Mann. Sie haben das Volk Krakataus geholt und sie werden euer Volk holen.«
    »Was willst du damit sagen?«, fauchte Shannon.
    Noch einmal klärte sich Yo Mais Blick, aber ich spürte, dass es diesmal das unwiderruflich letzte Aufbegehren war. Seine Hand krallte sich so tief in meinen Arm, dass ich vor Schmerz die Zähne zusammenbiss.
    »Das Meer«, flüsterte er. »Der Tod kommt aus dem Meer, weißer Mann. Er hat unseren Gott besiegt und er wird auch den euren besiegen. Er wird kommen, sobald sich die Nacht hebt. Ihr werdet sterben. Ihr alle werdet sterben, so wie mein Volk ge -«
    Er sprach nicht weiter. Seine Augen brachen und plötzlich erschlaffte sein Griff. Er war tot.
    Sekundenlang blieb ich reglos sitzen, dann beugte ich mich vor, schloss behutsam seine Augen und sah zu Shannon auf.
    »Du weißt, was er gemeint hat«, sagte ich.
    Shannon schüttelte den Kopf, aber ich spürte, dass er log. Ich hätte es auch ohne meine magische Fähigkeit, Lüge von Wahrheit zu unterscheiden, gespürt.
    »Die Stadt«, sagte ich. »Sie werden die Stadt überfallen.«
    Shannon starrte mich an, schwieg einen Moment und sagte: »Das ist nur eine Vermutung.«
    »Vermutung?« Ich traute meinen Ohren kaum. »Was soll das, Shannon? Du hast dieses Ungeheuer gesehen! Du hast Tergards Garnison gesehen! Hast du schon vergessen, was dort geschehen ist? Das war die gleiche Bestie! Sie ist an Land gekrochen, um Tergards Männer zu holen, sie ist gekommen, um die Majundes zu überfallen, und sie wird wiederkommen, um die Stadt anzugreifen!«
    »Das ist nur eine Vermutung«, widersprach Shannon erneut. »Die Worte eines Sterbenden, der vielleicht nicht mehr klar bei Verstand war, durch nichts bestätigt! Was denkst du, sollen wir jetzt tun?« Zornig deutete er aufs Meer. »Vielleicht dem Vieh nachschwimmen und es ersäufen?«
    »Nein«, antwortete ich wütend. »Die Stadt warnen.«
    »Warnen?« Shannon ächzte. »Bist du verrückt? Harmfeld wartet doch nur darauf, dass wir uns zeigen. Und wir haben keine Zeit. Dagon wird nicht warten, bis wir wiederkommen. Wenn er das Siegel erbricht und damit die Thul Saduun in die Gegenwart holt, ist mehr verloren als eine Stadt, Robert!«
    Es waren diese Worte, die die Entscheidung brachten. Worte, aus denen die gleiche Kälte und Gefühllosigkeit sprach, zu der er mich gezwungen hatte.
    Ich stand auf.
    »Ich gehe zurück«, sagte ich. »Harmfeld und sein Schiff sind mir herzlich egal. Der Irrtum wird sich irgendwie aufklären.«
    »Sie werden dich am höchsten Mast der Zuidermaar aufhängen!«, ächzte Shannon. »Robert, ich flehe dich an – das hier ist vielleicht unsere letzte Chance, Dagon aufzuhalten! Verspiele sie nicht.«
    »Ich gehe«, beharrte ich. »Wenn du glaubst, dass es so schlimm ist, dann geh allein zu Dagon. Wahrscheinlich wäre ich dir sowieso nur eine Last.«
    Shannon ballte zornig die Faust, aber ich schnitt ihm mit einer entschlossenen Bewegung das Wort ab und sagte noch einmal: »Ich gehe, Shannon, ob es dir passt oder nicht.«
    Shannon schürzte wütend die Lippen. »Meinetwegen«, fauchte er. »Aber wenn du denkst, ich würde wieder im letzten Moment auftauchen, um dich herauszupauken, dann täuschst du dich.« Er stand auf, riss mit einer zornigen Bewegung das Schwert hoch und rammte es in die Scheide zurück. Plötzlich verschwand der wütende Ausdruck von seinen Zügen, aber ich spürte, dass selbst das nicht echt, sondern pure

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