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In deiner Hand

In deiner Hand

Titel: In deiner Hand Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joey Tintenfee Lewis
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anders als im Club, was vermutlich einfach an der weniger dramatischen Situation lag. Dennoch fühlte es sich unglaublich an, unglaublich gut!
Ich blieb trotzdem vorsichtig, rechnete jedes Mal wenn unsere Zungen sich in ihrem viel zu heißen Tanz berührten mit einer Bilderflut in meinem Kopf. Doch nichts dergleichen geschah. Wir trennten uns ziemlich atemlos voneinander. Ich sah ihn völlig verwirrt an und schüttelte fast ungläubig den Kopf. Meine Erinnerungen existierten alle noch, was mich eigentlich erleichtern sollte aber umso mehr Fragen aufwarf. Vielleicht zählte er auf meine Hormone? Auf einen Augenblick der Unachtsamkeit? Er küsste mich erneut, kurz und sanft, mehr wie das Kitzeln einer Feder auf meinem Mund, denn ein richtiger Kuss. Brian begann auf eine Art zu lächeln, die meine Knie in Wackelpudding verwandelten. Unwillkürlich stützte ich mich an der Anrichte ab. Er grinste, drehte sich um und ließ mich mit meinem wild klopfenden Herzen und den wirren Gedanken allein. Ich sah ihm nach, wie er den Raum verließ. Musterte seine Figur und wie er sich beim Gehen bewegte, ebenso das leichte Schwingen seiner Arme und die Drehung seines Kopfes, als er im Türrahmen stehen blieb und kurz zu mir sah. Unwillkürlich griff ich mir an die Brust und presste die Lippen aufeinander. Je länger ich ihn ansah, desto deutlicher wurde der Umstand, dass er mehr als nur eine Nummer zu groß für mich war. Selbst wenn ich mein Alter nicht miteinbezog, stand doch immer noch seine zweifelhafte Person im Raum. Wer war er? Wo kam er her? Und wenn er doch so gerne sterben wollte, wieso drängte er mich dann in diese Situation? Wieso küsste er mich, wenn er doch meinen Tod wollte, nur um selber gehen zu können? Brian Farmer verkörperte ein Geheimnis, von dem ich nicht sicher war, dass ich es lösen wollte. Und wenn, war es überhaupt wichtig für mich? Wäre ich nicht sogar besser dran, wenn er sich tatsächlich vom Eifelturm aufspießen ließ?
Wollte ich denn wirklich in diesen alten Sack verliebt sein, jetzt, wo doch mein ganzes Leben so dermaßen beschissen auf der Kippe stand? Er war zweifelsohne gefährlich. Niemals würde ich diesen kurzen Augenblick vergessen, in dem ich seine Bitte, mich zu wandeln, ablehnte. Der unheilvolle, tödliche Blick seiner Augen erschütterte mich noch immer bis ins Mark. Für den Bruchteil dieses Moments war ich Zeugin einer Urgewalt geworden, die im Inneren dieses Mannes schlummerte und ich wusste mit absoluter Sicherheit, dass ich nicht in der Nähe sein wollte, wenn sie aus ihm hervorbrach. Dennoch …

Aus dem Wohnzimmer kam ein leiser Schrei und ein wütendes Schnauben. Glas splitterte. Wie von der Tarantel gestochen stürmte ich nach drüben und versuchte Herr der Lage zu werden. Annie stand mit erhobenen Armen im Wohnzimmer, drauf und dran Mums kostbaren Kristallschwan nach Brian zu werfen, der in gebückter Haltung keinen Meter vor ihr kniete und sie wütend anstarrte. Zum Glück behielt er seine Beißer hinter den Lippen.
„Was zum Teufel ist hier los?“ Ich hechtete über die Couch, riss Annie den Schwan aus der Hand und stellte ihn behutsam zurück auf das Bücherregal neben dem Fernseher.
„Sie“, zischte Brian aufgebracht und knirschte mit den Zähnen. Angewidert schüttelte sich Annie. Das Geräusch, das er dabei von sich gab war aber auch abartig!
„Er soll damit aufhören!“, keifte sie und griff nach einem Buch. „Der benimmt sich ja wie ein Tier!“
„Beruhigt euch wieder“, versuchte ich den Streit zu schlichten und stellte mich zwischen die Beiden.
„Fass mich bloß nicht an, du Verrückte“, schnauzte Annie sofort und stolperte vor mir zurück, wobei sie fast den Fernseher vom Schrank riss.
„Verrückte?“, kam es von Brian und mir wie aus einem Mund. Er knurrte, diesmal wirklich wie ein Tier. Ich hingegen sah Annie nur sprachlos an. Meine ausgestreckten Arme fielen schlapp an meine Seite. „Verrückte?“, wiederholte ich und las in Annies Augen genau das. Sie nickte mit gerunzelter Stirn.
„Du bist gestern wie eine Furie auf diesen armen Kerl los. Du hast gesagt, du wirst ihn töten. Dabei hat er gar nichts gemacht.“ Sie schüttelte beinahe fassungslos den Kopf. „Du bist krank, Verry, du gehörst in eine Therapie oder besser noch, direkt in die Klapse.“
„Diesen … diesen armen Kerl?“, stammelte ich und ignorierte die Sache mit der Klapse. Anstelle dessen ließ ich die Szene im Club Revue passieren.
„Annie!“, rief ich daraufhin aus aus,

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