In deiner Hand
Knochen zu brechen, oder mir. Ich sah ihn von der Seite an und spürte ein wenig Erleichterung in mir aufsteigen. Meine Finger entspannten sich, ich ließ Annie los und mir wurde sogleich leichter ums Herz.
„Den Ernst der Lage?“, spöttelte Annie weiter. „Sieh sie dir doch an. Sie ist eifersüchtig! Das ich das noch erleben darf!“ „Eifersüchtig?“ Brian machte ein erstaunlich verblüfftes Gesicht. „Auf diesen Kerl?“
„Eifersüchtig darauf, dass er mich will und nicht unsere Miss Perfect!“ Sie legte den Kopf in den Nacken, entblößte ihren Kehlkopf und lachte laut „Das fühlt sich mies an, nicht … Hey! Spinnst du jetzt völlig?“, stieß sie sogleich hervor und schubste mich von sich weg. Völlig entgeistert registrierte ich meine immer noch heraushängende Zunge, die jetzt blitzschnell und beinahe sehnsüchtig über meine Unterlippe leckte und sich dann in meinen Mund zurückzog.
Oh my fucking god!!!
Ich hatte Annie angeleckt! Sofort ließ ich sie los. Völlig geplättet fiel sie nach hinten auf die Couch und sah mich mit einer Mischung aus Schock und Faszination an.
„Du hast mich angeleckt?“, hauchte sie und strich über die Stelle an ihrem Hals, an der noch immer mein Speichel glänzte. Ich wich zurück. Erst einen Schritt, dann zwei und schließlich drei. An der Wohnzimmertür angekommen wirbelte ich herum, eilte in die Küche und flüchtete nach draußen in den Garten. Brian folgte mir nicht. Entweder er schien begriffen zu haben, dass ich jetzt ganz dringend einen Moment für mich brauchte, oder aber er war von meiner eigenartigen Reaktion so verwirrt, dass er mir nicht folgen mochte. Wie dem auch sei, ich war allein und das war gut so. Ich legte den Kopf in den Nacken und starrte in den stahlblauen Himmel.
Viel lieber wäre ich gelaufen, egal wohin. Ich vermisste das Gefühl des Windes auf meiner Haut und der vor Anstrengung brennenden Lungen. Früher hielt mich das Laufen davon ab durchzudrehen. Gleichzeitig war es eine sinnlose Flucht, die mich doch immer wieder an den Anfang zurücktrieb. Ich hatte es so satt davon zu laufen. Auch wenn meine Beine bereits unruhig wurden, ich blieb stehen und verdrängte die Erinnerungen an schmerzende Muskeln, die tief in meine Lungenflügel dringende frische, klare Luft und an das kurze Empfinden von Freiheit.
Es führte ja doch kein Weg daran vorbei, wieder nach drinnen zu gehen. Ich musste beginnen mich meinen Dämonen zu stellen. Auch wenn die den Namen meiner ehemals besten Freundin trugen. Aber jetzt nicht, jetzt brauchte ich einen Moment für mich, um mich zu sammeln und mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was gerade geschehen war. Ganz langsam rutschte ich am Bretterzaun entlang nach unten und schlang meine Arme um die Knie.
„Ich hab einfach nur die Nerven verloren!“, murmelte ich. „Nichts weiter.“
Wollte etwas in mir immer noch so sehr Vampir sein, dass ich schon begann mich wie einer zu benehmen, obwohl ich keiner war, keiner werden konnte? Traurig aber wahr, Annie behielt Recht! Ich war wirklich krank!
Ich bettete den Kopf auf meine Knie und versuchte an gar nichts zu denken. Aber allein die Tatsache, dass Annie wirklich und wahrhaftig gehofft hatte, Malik würde sie entjungfern, bereitete mir eine solche Übelkeit, dass mir ganz schwindelig wurde. Wie sollte ich darauf nur reagieren? Wie konnte ich meiner ehemals besten Freundin erklären, dass dieser Mann ein Monster war, ohne mein Innerstes preiszugeben? Es würde sie nur verstören. Aber viel wichtiger war doch, wieso log sie mich an? Wieso tat sie ihre Angst vom Vorabend einfach ab, so als sei sie wirklich nur ein Bild meiner Fantasie gewesen? Ich verstand es einfach nicht. Ich hatte diese ständig neu hinzukommenden Fragen echt satt.
Warum lief nicht einmal etwas reibungslos? Jedes Mal geschah etwas und warf neue Fragen auf. Ich meine, mittlerweile empfand ich nichts Anderes als Erleichterung darüber, dass ich „immun“ war, dennoch brachte mich diese Tatsache zurück zum Anfang. Ich hielt keine Waffe in den Händen, nein, schlimmer noch, Malik hielt eine neue Waffe gegen mich in der Hand. Annie!
Ich musste, so schwer mir das auch fiel, diese neusten Ereignisse irgendwie verdrängen. Nicht Annie war der Feind, auf den ich mich konzentrieren musste. Ich brauchte nur einen Weg, sie von ihm fern zu halten. Sobald sie in Sicherheit und somit außer Reichweite seiner widerwärtigen Griffel war, konnte ich mich wieder auf das Wesentliche einstellen. Ich durfte mich jetzt
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