Invasion 03: Der Gegenschlag
Nachttemperaturen, die hier manchmal schon im Frühherbst einzogen, nicht ausreichend gekleidet. »Wie geht's Ihnen denn, Captain?«
»Mir … ganz gut«, sagte Elgars und sah dabei dem vorbeitaumelnden Sergeant nach. »Eine … Unmenge Soldaten gibt es hier. Das haut mich um. Irgendwie … macht mich das nervös.«
»Völlig normal«, räumte Jake ein. »Und das macht auch durchaus Sinn; in diesen Militärstädten hat es ganz höllische Schießereien gegeben.« Er sah sich um und schüttelte den Kopf. »Franklin kommt nicht in Frage. Wahrscheinlich gibt es Lokale, die von den Einheimischen besucht werden, aber danach zu suchen wäre sinnlos.«
Er blickte wieder zur Sonne auf, zählte etwas an den Fingern ab und sah dann Wendy an. »Vertrauen Sie mir?«
Sie musterte ihn einen Augenblick lang in aller Ruhe und nickte dann. »Seltsamerweise ja. Warum?«
»Ich hab da einen Kumpel, der hier in der Nähe eine Farm besitzt. Er hat eine Enkeltochter nicht viel älter als Billy und wäre wahrscheinlich hoch erfreut, etwas Gesellschaft zu bekommen. Wir könnten hinfahren, aber wir müssten dann übernachten.«
»Oh.« Wendy sah Shari an, die die Achseln zuckte, und blickte dann selbst zur Sonne auf. »Wir müssen jedenfalls dafür sorgen, dass die Kinder aus der Kälte kommen, ehe es dunkel wird.«
»Das sollte kein Problem sein«, sagte Mosovich. »Wieder zurückzukommen, das wäre vielleicht ein Problem gewesen, aber nicht, dorthin zu kommen. Und wahrscheinlich hat mein Kumpel auch ein paar Kleidungsstücke, die den Kleinen passen würden; ich habe ehrlich gesagt seit Jahren keine so mangelhaft bekleideten Kinder mehr gesehen.«
»Alles, was wir für die Oberfläche haben, ist das, womit wir angekommen sind«, sagte Shari ruhig. »Billy trägt eine Jacke, die ich vor zwei Jahren ausgeborgt habe. Und die anderen Kinder haben überhaupt nichts .«
Als wäre das ihr Stichwort gewesen, zupfte Kelly an Sharis Hand. »Mommy, ich hab Hunger.«
»Das wär's dann wohl«, erklärte Mosovich. »Entweder die Farm oder als schlechte Alternative zurück in die Urb.«
»Ich will nicht wieder unter die Erde«, erklärte Elgars. »Jedenfalls noch nicht gleich. Mir … gefällt's hier oben.«
»Mir auch«, pflichtete Shari ihr bei und blickte zum Himmel auf. »Der Wind hat mir gefehlt. Okay, falls Sie denn sicher sind, dass dieser Freund von Ihnen nicht total ausflippt, wenn aus dem blauen Himmel heraus fünf Erwachsene und acht Kinder bei ihm aufkreuzen.«
»Kein Problem«, sagte Mosovich. »Der kommt mit allem klar.«
Michael O'Neal senior zog den Palm aus seiner Gürteltasche und runzelte die Stirn. Seit den interessanten Ereignissen vor ein paar Jahren hatte er seine Sicherheitssysteme auf den neuesten Stand gebracht. Die Kameras am vorderen Tor waren jetzt mit einem WebServer verbunden, der seinerseits einen Videostream an das Gerät sandte. Und demzufolge sah er auf dem kleinen Bildschirm gerade einen Humvee, an dessen Steuer Mosovich saß. Keine große Sache, Jake war im letzten Jahr ein paar Mal hier gewesen. Aber das schwächer werdende Licht ließ erkennen, dass der Humvee bis an den Rand voll gepackt war.
O'Neal ließ den gewaltigen Priem von einer Backe in die andere wandern und runzelte nachdenklich die Stirn. Er war nicht groß, strahlte aber eine Aura stämmiger Solidität aus, die schier übernatürlich wirkte; man hatte den Eindruck, es würde einen Bulldozer brauchen, um ihn aus dem Weg zu räumen. Gemessen am Rest seines Körpers waren seine Arme viel zu lang, sie reichten ihm wie die eines Affen fast bis zu den Knien, und seine Beine waren leicht gekrümmt – insgesamt konnte man also durchaus den Eindruck eines leicht verärgerten Gorilla-Patriarchen gewinnen.
Er stellte die Kameras etwas schärfer und zoomte auf den Vordersitz des Humvee. Jake saß am Steuer, der Typ neben ihm musste Mueller sein, zumindest entsprach er der Beschreibung, die er von ihm gehört hatte. Aber Mueller hatte zwei Kinder auf dem Schoß und falls Papa O'Neals Augen ihn nicht trogen, lehnte zwischen den beiden eine Frau. Himmel noch mal! Also waren seine Gebete in den letzten paar Monaten doch erhört worden; vielleicht gab es doch einen Gott, der für Narren und Betrunkene sorgte.
Als er den Tormechanismus betätigte, war aus dem Obergeschoss ein Schrei zu hören, der wie der eines Panthers klang, dessen Pranke in eine Falle geraten ist.
»WO IST MEIN BÜCHSENMACHERWERKZEUG?«, schrillte es von oben.
Ah, Cally hatte
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