Invasion 03: Der Gegenschlag
gut.
»Was war das denn jetzt?«, fragte Cally leise.
»Eine Standpauke«, erwiderte Papa O'Neal ebenso leise. Das Kehlkopfmikrofon war fast von seinem Hemdkragen verdeckt, und der Empfänger in seinem Ohr war für ein bloßes Auge unsichtbar.
Bloß weil seine Militärerfahrung bis in graue Vorzeit zurückreichte oder bis Vietnam, was so ziemlich auf dasselbe hinauslief, hieß das noch lange nicht, dass Papa O'Neal nicht auf dem neuesten Stand war. Seine Sicherheitssysteme waren vom modernsten Stand, so gut er das nur hatte schaffen können, und einige Teile davon waren formal betrachtet ausschließlich Flottenpersonal vorbehalten. Aber wenn man die Tochter einer lebenden Legende behütet, machen die Leute manchmal eine Ausnahme.
Das Gelände war mit Sensoren, Kameras und ferngesteuerten Minen übersät, und das Haus, vor dem er stand, verfügte über genügend Überwachungsgerät, dass man hier Demonstrationen hätte abhalten können. Gelegentlich hatte das zu Peinlichkeiten geführt, zumindest in der fernen Vergangenheit, wenn Freunde ihn besucht hatten. Gelegentlich pflegte er hier recht … wilde … Partys zu feiern. Seine Freunde, hauptsächlich pensionierte Soldaten, die wegen der guten Luft und wegen der Ranger-Schüler, mit denen sie sich anlegen konnten, in die Gegend gezogen waren, vergaßen dann gelegentlich oder ignorierten einfach, dass das ganze Haus mit Lautsprechern versehen war. Und Kameras.
Manchmal erpresste er heute noch Leute auf humorvolle Art mit diesen Bändern.
Aber diese Freunde kamen jetzt nicht mehr. Die meisten von ihnen waren auf dem einen oder anderen Schlachtfeld gefallen, und den Rest hatte man verjüngt; sie verteilten sich jetzt auf zahlreiche Militärstützpunkte überall in den Vereinigten Staaten. Er war der Einzige, der übrig geblieben war, ein verbrauchtes, abgetakeltes, altes Schlachtross, das sich nach Ansicht der US-Regierung zu viel hatte zuschulden kommen lassen, als dass man ihn selbst unter schlimmsten Umständen wieder einberufen konnte.
Und das verschaffte ihm glücklicherweise die Möglichkeit, seine Farm zu bewachen. Und eine Farmerstochter, die man praktisch als platonischen Archetypus dieses Begriffs ansehen konnte.
»Worum ging's denn deiner Meinung nach?«, fragte Cally, als die Tür des Humvee aufging.
»Na ja, ich würde vermuten: ›Wenn du dich an Cally O'Neal ranmachst, wirst du eines schnellen, schmerzlosen Todes sterben‹.«
»Warum?«, fragte sie, als die anderen Türen aufgingen und überall Menschen jeden Alters herausströmten. »Er ist doch irgendwie nett. Wie ein großer Teddybär.«
Warum ausgerechnet ich, o Herr? , dachte Papa O'Neal. Hättest du mich nicht auf irgendeinem Schlachtfeld sterben lassen können? Langsam? Unter den Messern der Frauen? Warum DAS?
Wendy sah sich um, während sie Susie von ihrem Schoß hob.
Die Farm stand inmitten eines kleinen Tals, ein Stück abseits von dem größeren Hochtal, das sich Rabun Gap nannte. Es war wie eine runde Schüssel geformt, mit steilen, bewaldeten Hängen und einer schmalen Öffnung, wo ein kleiner Fluss über eine Folge von Katarakten in die Tiefe strömte. Die Öffnung in das Tal lag im Süden, und der zweistöckige Bau aus Holz und Naturstein, das sich beinahe an die Nordflanke schmiegte, überblickte ein Schachbrett von Feldern. Auf einem der Felder war gerade der Mais gemäht worden, auf dem daneben stand Weizen oder Gerste kurz vor der Ernte. Andere waren als Wiesen angelegt oder lagen brach und waren mit Klee bedeckt. An der Ostseite, wo das Tal in flache Hänge überging, war eine Gruppe von Bäumen zu erkennen, darunter einige Pekans, hauptsächlich aber Obstbäume. Am westlichen Rand stand eine große Scheune mit einem Schießplatz für Gewehre und Pistolen dahinter.
Das Haus selbst sah aus wie eine Festung; die Fenster waren im Allgemeinen schmal und insbesondere im gemauerten Erdgeschoss tief in die dicken Wände eingelassen. Vor dem Haus dehnte sich eine breite Terrasse, über die das Obergeschoss ein Stück hinausragte, aber auch das sah nach einer Verteidigungsanlage aus. An der Westseite, wo die meisten Häuser eine Garage gehabt hätten, gab es einen niedrigen Bunker – eine Holzkonstruktion mit vielen Sandsäcken –, aus dessen Schießscharte das mit einer Persenning abgedeckte Rohr einer Kanone ragte. An der Ostseite war eine großzügige Feuerstelle, die in der Vergangenheit sicherlich aktivere Zeiten erlebt hatte.
Schließlich zwängte
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