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Kristall der Macht

Kristall der Macht

Titel: Kristall der Macht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Monika Felten
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»Du hättest deinem Meister großes Leid erspart.«
    »Ich musste ihm versprechen, es niemandem zu verraten.«
    »Auch dann nicht, wenn sein Leben in Gefahr ist?«
    »Auch dann nicht.«
    »Und warum hast du dein Versprechen jetzt gebrochen?«
    »Weil ich nicht will, dass er stirbt. Er war immer gut zu mir.« Taro warf Nuru einen unsicheren Blick zu, aber dieser tat, als bemerke er es nicht. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Arkon noch weiterer Schandtaten zu bezichtigen, aber offenbar hatte Nuru kein Interesse daran, Arkon eine Liebschaft mit seinem Sklaven zu unterstellen.
    »Komm her, Taro.«
    Taro ging langsam auf Olufemi zu. Er hatte Angst, furchtbare Angst. Er wollte nicht wie Arkon enden.
    »Was weißt du über Arkon und die Tauben?«, fragte Olufemi in einem fast väterlichen Tonfall.
    Taro zögerte. Binnen weniger Herzschläge wog er die Aussicht ab, das Zelt lebend zu verlassen. Dann sagte er: »Ich glaube, er ist verliebt.« Das war eine Lüge. Wer auch immer diese Tauben schickte, eine Frau war es nicht, dessen war Taro sich sicher. Aber es war eine gute Lüge, und er hoffte, dass niemand sie durchschauen würde.
    »Verliebt?« Olufemi lachte in gespielter Fröhlichkeit. »Dieser Krüppel? Wie kommst du darauf?«
    »Nun, er wirkte immer sehr glücklich, wenn er die Botschaften las«, erwiderte Taro, und diesmal fiel ihm die Lüge nicht schwer.
    »Hast du sie gelesen?«, fragte Olufemi lauernd. »Ich weiß, dass du lesen kannst.«
    »Nein.« Taro schüttelte den Kopf. »Ich habe sie nie ansehen dürfen. Er hat sie immer gleich verbrannt.«
    »Hat er geantwortet?«
    »Ja.«
    »Was weißt du noch?«
    »Nichts. Das ist alles.« Taro zitterte, weil er fürchtete, nun auch geschlagen zu werden.
    »Das ist schade, sehr schade.« Olufemi seufzte, erhob sich und ging zu Arkon, der zusammengesunken und nur von den Fesseln gehalten auf dem Stuhl saß. »Da werden wir ihn wohl wecken und ihm noch ein paar Fragen stellen müssen.« Er griff dem Schmied in die Haare und bog den Kopf nach hinten. Arkons Gesicht war blutverschmiert und von unzähligen Platzwunden verunstaltet. Die geschwollenen Augen waren nur halb geschlossen. Aus den Mundwinkeln floss Blut. »Verdammt.«
    »Was ist mit ihm?« Die Frage rutschte Taro heraus, bevor er sie zurückhalten konnte. Aber Olufemi schien ihn gar nicht gehört zu haben. »Schafft ihn raus!«, wies er die Krieger an, die Arkon ins Zelt geführt hatten. »Er ist tot!«
    »Tot?« Fassungslos starrte Taro auf den Schmied. Das konnte nicht sein. Das war unmöglich. Arkon hatte schlimme Misshandlungen erfahren, aber davon starb ein so starker Mann doch nicht. Jedenfalls nicht so schnell. Bestürzt beobachtete er, wie die Krieger Arkon losbanden und den leblosen Körper aus dem Zelt schleiften.
    »Bist du von Sinnen?«, hörte er Olufemi neben sich ausrufen. »Du solltest ihn foltern, aber nicht töten.«
    »Ich habe es wie immer gemacht, Herr«, sagte Aboul kleinlaut. »Bisher ist noch keiner davon gestorben.«
    »Dann bist du diesmal wohl zu weit gegangen.« Olufemi war außer sich. »Meinst du, ich mache das hier zum Spaß?«, herrschte er seinen Leibwächter an. »Er war wichtig. Und du Narr bringst ihn einfach um.«
    »Er hätte nichts gesagt«, wagte Aboul einzuwenden. »Jeder andere hätte längst gestanden. Auch wenn es nicht die Wahrheit gewesen wäre. Wer so lange durchhält, dem entlockt man nichts.«
    »Ach, wie auch immer. Es ist vorbei. Jetzt kann er nichts mehr sagen.« Olufemi machte eine wegwerfende Handbewegung, schaute Taro von der Seite an und sagte: »Jetzt haben wir nur noch dich.«
    »Mich!« Taro schluckte trocken. Sein Herzschlag beschleunigte sich, und er spürte, wie seine Knie weich wurden. Was hatte Olufemi vor? »Aber ich habe alles gesagt, was ich weiß.«
    »Vielleicht, vielleicht auch nicht. Komm her.« Olufemi nahm ein kleines Pergament zur Hand und hielt es so ins Licht, dass Taro sehen konnte, was darauf geschrieben stand. »Diese Botschaft trug die Taube bei sich«, sagte er. »Ich will wissen, was sie zu bedeuten hat. Arkon ist tot, du bist niemandem mehr verpflichtet. Ich mache dir ein Angebot, Taro. Wenn du mir sagen kannst, was das hier bedeutet, lasse ich dich frei. Dann kannst du gehen, wohin du willst. Niemand wird mehr über dich bestimmen.«
    »Frei?« Taro starrte Olufemi fassungslos an. Nach Arkons Foltertod hatte er mit allem gerechnet. Damit nicht. »Wirklich?«
    »Habe ich je mein Wort gebrochen?«
    Taro verzichtete auf eine

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