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Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)

Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)

Titel: Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Katherine Pancol
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Saint-Étienne, in der kleinen Kapelle der Jungfrau Maria, jeder auf seinem Betstuhl, und dann verraten Sie mir Ihren Plan … sonst geht’s ab ins Gefängnis!«
    Chaval zitterte mittlerweile am ganzen Leib. Denn dazu war die Alte durchaus in der Lage! In ihrem Gesicht sah er die Entschlossenheit eines wilden Raubtiers, das bereit war, sein eigenes Junges zu fressen, um nicht zu verhungern.
    »Ja, Madame …«
    »Verschwinden Sie jetzt! Und setzen Sie Ihre grauen Zellen in Gang! So lange, wie die schon brachliegen, müssten sie ausgeruht sein … Na los, machen Sie schon!«
    Er stand auf. Stammelte Auf Wiedersehen, Madame, und schlich in Richtung Ausgang wie ein entflohener Zuchthäusler, der nicht bemerkt werden will.
    »Kellner! Die Rechnung«, befahl Henriette mit lauter Stimme und zog ihr Portemonnaie heraus, um die Getränke zu bezahlen.
    Sie hatte noch die paar Münzen, die sie aus den Opferstöcken der Kirche gestohlen hatte. Die Schlösser waren wackelig. Man konnte sie ganz leicht aufbrechen und genauso leicht wieder verschließen. Ohne dass jemand etwas bemerkte. Man brauchte lediglich vor dem Priester da zu sein. Magere Ausbeute, brummte sie vor sich hin, nachdem sie die Münzen gezählt hatte, die Gemeindemitglieder werden knickerig. Oder dem Pfarrer ist etwas aufgefallen, und er leert die Opferstöcke jetzt öfter. Armer Jesus, arme Jungfrau Maria, armer heiliger Étienne! Die Frömmigkeit ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, und ihr zahlt dafür die Zeche.
    Sie begann über eine Zeit zu schimpfen, die weder alleinstehende Frauen noch mittellose Priester respektierte. Und dann wundert man sich, dass die reinen Seelen ins Verbrechen abgleiten, aber das ist nur gerecht, sagte sie sich, nur gerecht …
    In der Wohnung der Familie Cortès bemühte sich am Abend des ersten Januar jeder, fröhlich zu wirken. Gestikulierte, redete laut, versuchte, die Qualen seines Herzens unter einer heiteren Miene und gezwungenem Lachen zu verbergen, aber alle spürten auch die Grenzen dieser künstlichen Ausgelassenheit.
    Man hätte meinen können, man sei auf einem Maskenball für Rekonvaleszenten.
    Joséphine lenkte sich mit Reden ab, um nicht an Dotties Uhr auf dem Nachttisch zu denken; sie wärmte ein Kaninchen in Senfsoße auf, rührte langsam mit einem Holzlöffel um und redete irgendwelchen Unsinn … Ihr Lachen klang falsch, ihre Worte klangen falsch, sie warf eine Milchflasche um, probierte ein Stück Butter, schob eine Scheibe Wurst in den Toaster.
    Zoé lief mit gespreizten Beinen herum, und Gaétan legte mit selbstgewisser, von Besitzerstolz erfüllter Geste einen Arm um ihre Schultern. Hortense und Gary maßen einander mit Blicken, näherten sich einander, prallten aufeinander und lösten sich murrend wieder voneinander. Shirley beobachtete ihren Sohn, der dabei war, sie ganz langsam in eine erzwungene Kapitulation der Sinne und des Herzens zu treiben. Bedeutet es das, sein Kind über alles zu lieben?, fragte sie sich. Und warum habe ich das Gefühl, auf meine allerletzte Liebe zu verzichten? Mein Leben ist doch noch nicht zu Ende …
    Nur Du Guesclin lief unbeschwert von einem zum anderen, bettelte um eine Streicheleinheit, etwas Soße auf einem Stück Brot, ein Stück Kandiszucker, das auf dem Tisch liegen geblieben war. Er wiegte sich auf seinen dicken, viereckigen Pfoten hin und her wie ein Hund, der ungeduldig auf seine Belohnung wartet, und lange Speichelfäden hingen von seinen Lefzen herab.
    Jeder dachte an sich, während er vorgab, sich für die anderen zu interessieren.
    Übermorgen fährt er zurück, und dann werde ich ihn ganz lange nicht mehr sehen, quälte sich Zoé, wird er mich danach noch genauso lieben wie jetzt? Und was, wenn ich schwanger bin?
    Geschafft!, jubilierte Gaétan innerlich, ich habe es getan, ich habe es getan, jetzt bin ich ein Mann, ein echter Mann! Ich liebe sie, und sie liebt mich, sie liebt mich, und ich liebe sie.
    Heute Nacht, rauschte es in Hortenses Kopf, während sie eine Hand in Garys Nacken legte, heute Nacht ist es so weit, ich werde so tun, als legte ich mich in Zoés Zimmer schlafen, und dann gehe ich zu ihm, ich schmiege mich an ihn, ich küsse ihn, ich drehe meine Zunge siebenmal in seinem Mund herum, und das wird gut, so gut …
    Sie glaubt wohl, sie kriegt mich so einfach rum, aber nein, nein, das wäre zu einfach, dachte Gary mürrisch, während er sich einen Nachschlag Nudeln und Kaninchen in Senfsoße nahm. Kann ich auch ein Stück Baguette haben,

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