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Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)

Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition)

Titel: Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Katherine Pancol
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grölen sie, im Zickzack laufend.
    Hortense geht zu Fuß nach Hause. Sie muss nachdenken. Begleitet vom Klackern ihrer Absätze auf dem Pariser Asphalt. Paris, das sich dehnt und reckt nach einer durchfeierten Nacht … Bier- und Champagnerflaschen liegen auf den Bänken, in den Mülleimern, unter den Ampeln. Paris, schöne, schlafende Stadt, sinnliche Stadt, träge Stadt, verliebte Stadt. Ich habe meinen Liebsten verloren. Er ist in der grauen Morgendämmerung verschwunden, wütend, die Hände tief in den Taschen seines blauen Mantels vergraben … Das lange Nebelband über den grauen Dächern von Paris löst sich allmählich auf. Ich habe meinen Liebsten verloren, meinen Liebsten verloren, meinen Liebsten verloren, singt sie und springt über die mit durchsichtigem Eis bedeckten Rinnsteine.
    Gary liegt quer über dem Bett und schläft. Vollständig angezogen.
    Sie legt ihr Handy unter ihr Kopfkissen.
    Falls Miss Farland die Urteilsverkündung vorziehen sollte.
    Falls …
    Sie legt sich neben ihn.
    Sie kann nicht einschlafen. Morgen fährt sie zurück. Diese nächsten vierundzwanzig Stunden werden ein kurzer Traum sein, ein Traum, den sie mit Glück und Schönheit erfüllen muss. Sich mit ihm versöhnen. Den verstörenden Jubel des Kusses vor den Baumwipfeln des Hyde Park wiederfinden. Eines Tages werden wir uns unter den Bäumen des Central Park küssen, und die Eichhörnchen werden kommen und uns aus der Hand fressen. Sie sind nicht scheu, die Eichhörnchen im Central Park. Sie kommen für einen Dollar … Und was ist denn schon ein Eichhörnchen? Eine Ratte mit einer guten PR -Agentin. Mehr nicht. Nehmt ihm seinen buschigen Schwanz, und es bleibt eine haarige Ratte. Eine eklige haarige Ratte auf zwei Pfoten. Hortense kichert allein vor sich hin und reibt sich die Nase. Das eine lächelt man an, bei der anderen verzieht man das Gesicht. Da sieht man mal wieder, alles hängt von der Kleidung ab. Vom äußeren Schein. Ein Detail, ein simples Detail, und aus der Ratte wird ein Eichhörnchen. Die Passanten werfen ihm Erdnüsse zu, und die Kinder wünschen sich eins in einem Käfig.
    Sie würde Gary gern wecken und ihm den Unterschied zwischen dem Eichhörnchen und der Ratte erklären.
    Und weißt du, warum Delfine nur in Salzwasser schwimmen? Weil sie von Pfeffer niesen müssen!
    Sie kann nicht einschlafen.
    Sie möchte den Beginn des neuen Jahres mit einer glühenden Erinnerung prägen.
    Sie fährt mit einem Finger über Garys Gesicht. Er ist so schön, wenn er schläft; seine langen schwarzen Wimpern bilden eine dunkle Barriere, sein halb geöffneter, vom Schlaf verquollener Mund, die teils weißen, teils rosigen Wangen, dieses leise Schnarchen eines Mannes, der spät zu Bett gegangen ist, Bartstoppeln, die unter ihrem Finger kratzen …
    Heute Abend werden sie sich küssen.
    Heute werden sie die Nacht gemeinsam verbringen. Ihre erste Nacht. Sie wird ihn dazu bringen, ihr zu verzeihen.
    Er wird ihr nicht widerstehen können.
    »Mein lieber Chaval, dass wir uns am ersten Tag des Jahres in diesem Café treffen, ist von hoher symbolischer Aussagekraft …«
    Chaval saß aufrecht, aber ein wenig schräg auf seinem Stuhl. Er versteckte die Hände mit den abgekauten Fingernägeln unter dem Tisch. Um bei Henriette einen guten Eindruck zu machen, hatte er Jackett und Krawatte angezogen, sein rabenschwarzes Haar gegelt, seine Koteletten gestutzt und einen Viertelliter Vittel bestellt.
    »Sie wissen sicherlich, dass Monsieur Grobz und ich uns getrennt haben …«
    Chaval nickte ängstlich wie ein Hund, der reglos auf die unberechenbare Geste seines brutalen Herrchens lauert.
    »Wir sind geschieden, aber mir wurde das Recht zugestanden, weiter seinen Namen zu tragen … Ich heiße also Grobz, genau wie er. Henriette Grobz. Können Sie mir folgen? Marcel Grobz, Henriette Grobz … Marcel, Henriette …«
    Sie redete mit ihm wie mit einem etwas zurückgebliebenen Kind. Wiederholte, betonte. Sie erinnerte ihn an seine Grundschullehrerin.
    »Ich unterschreibe meine Briefe mit einem H … das einem M sehr ähnlich sehen kann … H, M, H, M …«
    Und Chaval kamen Hortenses Raubzüge bei H & M in den Sinn.
    Sie betrat den Laden, griff mit hübscher, gieriger Hand nach Tuniken, Tops, Kleidern, Schals, Jeans, Mänteln, ließ die Bügel klirren, kling-klang-kling-klang, hängte ab, häufte auf, hängte ab, häufte auf, schlüpfte in eine Kabine, probierte an, winkte nach der Verkäuferin und verlangte nach einer anderen Größe, einer

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