Nimue Alban: Der Kriegermönch: Roman (German Edition)
östlichen Teil der Stadt herum Schützengräben und Erdwälle anlegen. Zuvor hatte er jedoch zwei Artilleriebatterien, eines seiner noch verbliebenen Infanterieregimenter und vier Regimenter der Kavallerie zur Nachhut bestimmt und sie angewiesen, Hanth bei seinem Vormarsch nach Kräften zu behindern.
Bedauerlicherweise hatte diese Nachhut genug Zeit gehabt, wieder zum alten Kampfgeist zurückzufinden. Denn die Nachwehen der Schlacht von Thesmar hatten Hanth länger aufgehalten als erwartet. Die Landstraße war von Leichen und Pferde- und Drachenkadavern übersät, und auch die zurückgelassenen Artilleriegeschütze, Protzen und Munitionswagen waren veritable Hindernisse. Diese grauenerregende Straßensperre hatten Hanths Männer erst beiseite räumen müssen, ehe sie die Verfolgung des fliehenden Feindes aufnehmen konnten. Außerdem mussten die Heiler noch die Toten von den Verwundeten scheiden und Verletzungen behandeln. Auch das kostete nun einmal Zeit.
Die überlebenden Dohlaraner konnten sich glücklich schätzen, von Charisianern besiegt worden zu sein, nicht von Siddarmarkianern. Nur aus diesem Grund ließ man sie überhaupt am Leben. Doch zusammengenommen hatten alle diese Widrigkeiten Hanth einen ganzen Tag gekostet. Als er endlich Traylmyns Nachhut erreichte, musste er feststellen, dass sich die Artillerie und das Infanterieregiment nach allen Regeln der Kunst quer über die Landstraße eingegraben und verschanzt hatten. Die feindliche Kavallerie war eher Plage als Bedrohung, doch mit den Geschützen und der Infanterie mussten Hanths Männer erst einmal fertig werden. Breygart war darauf angewiesen, die Straße ungehindert nutzen zu können, wenn er seine Einheiten so weit von Thesmar entfernt versorgt wissen wollte. Also hatte der General die eigenen Geschütze aufstellen lassen und sich an die Arbeit gemacht.
Man musste den zahlenmäßig weit unterlegenen dohlaranischen Truppen – von der Infanterie ebenso wie von der Artillerie – zugutehalten, dass sie hartnäckig ihren Mann standen. Die wenigen, bruchstückhaften Berichte, die bei Traylmyn eingetroffen waren, hatten ihm nicht verraten, dass die Charisianer Hinterlader -Gewehre nutzten. Aber er hatte eine sehr genaue Vorstellung davon, welchen Vorteil es der Infanterie verschaffte, sich hinter dicken Erdwällen zu verschanzen. Dass der Dohlaraner darauf bestanden hatte, sich wirklich nach Kräften einzugraben, hob einen Großteil des taktischen Vorteils der Mahndrayns wieder auf. Die Charisianer konnten natürlich immer noch schneller feuern als der Gegner – und erlebten dabei fast nie, dass die Waffe versagte. Das war bei den deutlich schlechter konstruierten Steinschlossmusketen der Dohlaraner bei fast jedem fünften Schuss der Fall. Aber die Deckung, die die Erdwälle boten, glich mehr als aus, dass die Charisianer über einen größeren Bereich ausschwärmen und auch im Liegen feuern konnten. Obendrein konnten die charisianischen Plänkler auch keine Baumstümpfe oder Felsbrocken als Deckung nutzen. So wurde aus dem Gefecht ein altmodisches Artillerie-Duell, bei dem die Marineinfanteristen die Flanken sicherten, um die Kavallerie in Schach zu halten. Letztendlich hatte die größere Anzahl – und das größere Kaliber – der charisianischen Geschütze den Ausschlag gegeben, obwohl sich die Dohlaraner wirklich gut eingegraben hatten.
Es war nicht ganz nach dem Willen von Hanths Flottenkanonieren gegangen. Mehr als sechzig von ihnen hatte der General verloren. Doch die Dreißigpfünder-Granaten waren nun einmal fast dreimal so schwer wie die dohlaranischen Zwölfpfünder. Und auch wenn die Granaten auf fast identischen Bauplänen basierten, war doch auf der Seite der Charisianer die Qualitätskontrolle ungleich besser: Im Allgemeinen detonierten charisianische Granaten dort, wo das auch gewünscht war. Feine Unterschiede in den Brenneigenschaften dohlaranischer Zündschnüre hingegen sorgten für eine geringere Zuverlässigkeit. Die Dreißigpfünder feuerten also sehr viel langsamer, aber dafür hatte sich jede einzelne Granate als sehr viel effektiver erwiesen.
Die Dohlaraner hatten die Stellung gehalten, bis sämtliche ihrer Geschütze zum Schweigen gebracht worden waren – von zwei Stück abgesehen. Die beiden noch funktionstüchtigen Geschütze – für die keine Zugtiere mehr zur Verfügung standen – hatte man dann mit dreifachen Ladungen vollgestopft und sich umgehend zurückgezogen. Die Kavallerie hatte den Rückzug der Infanterie
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