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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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langer, nach hinten über die Ohren w e hender Haare. Der Stein für die Köpfe stammt aus riesigen Stei n brüchen in den Klippen des geologischen Wirrwarrs namens No c tis Labyrinthus am westlichen Ende des 4200 Kilometer langen Binnenmeeres, das den Riss der Valles Mar i neris füllt. In diesen Steinbrüchen im Noctis Labyrinthus haben die kleinen grünen Männchen jeden unbehauenen Steinblock auf einen Lastkahn mit breitem Kiel geladen und durch die ganzen Valles Marineris transportiert. Draußen im Tethys-Meer haben von Zeks bemannte Feluken mit Lateinsegeln die Las t kähne in Position an der Küste manövriert, wo Hunderte dicht gedrängter KGMs jeden Stein au s laden und, während er im Sand liegt, den Kopf herausmeißeln. Wenn die Bildhauerarbeit bis auf das Haar am Hinterkopf bee n det ist, rollt die Zek-Menge jeden Kopf zu einem dafür vorbereit e ten steinernen Fundament. Manchmal müssen sie den Kopf Kli p pen hinaufhieven oder ihn durch Sümpfe und Marschland tran s portieren, und dann richten sie ihn mit Hilfe einer Kombination von Fl a schenzügen und Sandbewegungen auf. Schließlich setzen sie eine steinerne Stange am Genick in eine dafür vorgesehene Öf f nung in der Fundamentplatte und rücken den riesigen Kopf an die richtige Stelle. Dann modellieren ein Dutzend KGMs noch die flatternden Haare, während die Mehrheit der kleinen G e schöpfe sich daranmacht, den nächsten Kopf zu bearbeiten.
    Die identischen Gesichter schauen alle aufs Meer hinaus.
    Der erste Kopf ist fast anderthalb Erdjahrhunderte zuvor aufg e richtet worden, am Fuß des Olympus Mons, dort, wo die Bra n dung des Tethys-Meeres hereinrollt, und seither haben die kleinen grünen Männchen in jeweils einem Kilometer Abstand weit e re Köpfe aufgestellt, ostwärts um die riesige, pilzförmige Halbinsel namens Tempe Terra herum, dann zurück nach S ü den und in die Mündung der Kasei Valles hinein, dann nach Südo s ten entlang der Marschen von Lunae Planum, dann zu beiden Seiten der ri e sigen Meeresbucht von Chryse Planitia, einem Meer im Meer, dann auf beiden Steilküsten der breiten Mündung der Valles M a rineris, und schließlich – erst in den letzten acht Monaten – nor d östlich entlang der steilen Klippen von Arabia Terra bis hin zu den nördlichen Archipeln von Deuteronilus und Protonilus Me n sae.
    Am heutigen Tag jedoch ist jede Arbeit an den Köpfen zum E r liegen gekommen, und mehr als hundert Feluken haben die KGMs – metergroße, grüne Hominiden auf Fotosynthesebasis mit transparentem Fleisch und kohlschwarzen Augen, aber ohne Mund und Ohren – zu einer bestimmten Stelle an den breiten Stränden von Tempe Terra gebracht, etwas mehr als zwe i hundert Kilometer vom Olympus Mons entfernt an der in e i nem weiten Bogen verlaufenden Küste. Von hier aus sieht man im Westen, weit draußen im Meer, den Inselvulkan von Alba Patera, und das unglaubliche Massiv des Olympus Mons erhebt sich im fernen Südwesten über die Schulter der Welt.
    Hier säumen die Steinköpfe eine Steilwand, die ein paar hu n dert Meter vom Wasser zurückweicht, aber der Strand ist breit und flach, und alle siebentausenddreihundertdrei Zeks haben sich hier versammelt, eine kompakte grüne Masse am Strand, bis auf einen leeren Halbkreis aus Sand mit einem Durchmesser von ungefähr einundfünfzig Metern. Mehrere Marsstunden lang stehen die kleinen grünen Männchen stumm und reglos da, die kohlschwa r zen Knopfaugen auf den leeren Sand gerichtet. Feluken und Las t kähne tanzen leicht in der schwachen T e thys-Brandung. Nur der Wind ist zu hören; er kommt von Westen und weht hin und wi e der Sand auf, den er auf durchsicht i ge grüne Haut prasseln lässt, oder er pfeift ganz leise zw i schen die niedrigen Ginsterpflanzen am Fuß der Klippen hinter dem Strand.
    Auf einmal liegt Ozongeruch in der Luft – obgleich die Zeks keine Nase haben, mit der sie ihn wahrnehmen könnten –, und ganz in der Nähe hallen mehrere Donnerschläge über den Strand. Obwohl die KGMs keine Ohren haben, spüren sie diese G e räuschexplosionen durch ihre unglaublich empfindliche Haut.
    Zwei Meter über dem Strand erscheint plötzlich ein dreidime n sionales rotes Rhomboid mit einem Durchmesser von u n gefähr fünfzehn Metern. Dieses Rhomboid dehnt sich aus, wird dann jedoch in der Mitte zusammengeschnürt, bis es wie zwei rote Tropfen aussieht. An den Spitzen dieser Tropfen kommt eine winzige Kugel zum Vorschein. Sie wächst zu einem dreidimens i onalen grünen Oval

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