Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
Diane deutete mit der Rechten auf eine Straßenecke und der Captain nickte.
"Der Kerl wird längst wieder über alle Berge sein!" brummte der Dicke und setzte in Gedanken hinzu: ...und sitzt vielleicht wieder schön brav in irgendeinem Streifenwagen und spielt den sauberen Polizisten!
Aber diese Bemerkung behielt er für sich und kündigte an: "Ich werde meine Männer die Passanten befragen lassen. Jeden, der hier wohnt oder herumläuft. Wenn jemand auf offener Straße das Feuer eröffnet, muß das doch jemandem aufgefallen sein!"
Indessen hatte sich Diane wieder ein wenig gefangen.
"Ich muß in die Agentur", sagte sie.
Jo schüttelte fassungslos den Kopf.
"Sie haben Nerven!" meinte er.
"Ich muß", erwiderte sie. "Dort ist der Teufel los. Und die Erfahrung hat es immer wieder gezeigt: wenn man sich nicht um alles selbst kümmert."
"Sie sollten sich etwas Ruhe gönnen."
Diane lächelte.
"Fangen Sie diesen Killer! Dann kann ich mir Ruhe leisten!"
Sie löste sich von Jo und wandte sich an Captain Rowland.
"Könnte mich einer der Streifenwagen nach Hause bringen?"
Rowland nickte.
"Klar."
Bevor Diane dann einstieg, fragte sie noch an Jo gerichtet: "Wann höre ich von Ihnen?"
Jo zuckte mit den Schultern.
"Mal sehen. Vielleicht schaue ich heute Abend bei Ihnen vorbei."
"Das wäre sehr nett..." Sie seufzte. "Glauben Sie, er wird es noch einmal versuchen?" Die Frage war überflüssig, sie selbst kannte die Antwort. Aber sie hatte Furcht und wollte sich vielleicht ein wenig beruhigen.
"Bis heute Abend, Diane!" sagte Jo nur. Warum sollte er ihr noch mehr Angst einjagen?
*
Als Jo Walker in seine Residenz zurückkehrte, war es bereits später Nachmittag. Die Sonne über dem Central Park leuchtete milchig in Jos Etage hinein.
"Wie geht es deiner Klientin?" fragte April schnippisch.
"Sie lebt."
"Na, das wird dich ja sicher ganz besonders freuen, Jo!"
"Dich etwa nicht?"
Ihre Freude schien durchaus gedämpft zu sein.
"Ich hab's im Gefühl...", murmelte sie und Jo legte die Stirn in Falten.
"Was?"
"Daß diese Diane Wyner ein faules Ei ist, Jo. Eigentlich läßt du dir doch so etwas nicht so leicht ins Nest legen. Aber gewisse, herausragende Merkmale an ihr scheinen dich ja richtig geblendet zu haben."
Jo grinste.
"Und was habe ich deiner Meinung nach übersehen, April?"
Sie zuckte mit den Schultern.
"Ich weiß es noch nicht, Jo. Bis jetzt ist es nur ein ungutes Gefühl. Ich kann dir noch nicht sagen, was nicht stimmt. Aber ich kriege es heraus. Verlaß dich drauf!"
Als Jo dann das Datenmaterial, das er von Tom Rowland erhalten hatte vor April ausbreitete, machte seine Assistentin ein nicht gerade besonders erfreutes Gesicht.
"Schätze, das heißt: Es gibt Arbeit!"
"So ist es, April."
Sie seufzte.
"Also Augen zu und durch."
"Jeder dieser Namen könnte der Killer sein! Du siehst: Es gibt jede Menge Auswahl an Verdächtigen."
"Das müssen Tausende sein!"
"Es sind Tausende, April!"
Jo blätterte in den Seiten herum, während April die Diskette nahm und sie lustlos in den PC schob.
"Wie wollen wir vorgehen, Jo?"
Jo Walker überlegte eine Sekunde. Dann murmelte er: "Wie wär's, wenn wir das Pferd vom Schwanz aufzäumen, April!"
"Wie meinst du das?"
"Wir fangen mit den Opfern an. Das sind nur elf - beziehungsweise zwölf, wenn man Dianes Leibwächter dazu zählt. Der Täter scheint sich sehr in den Lebensgewohnheiten seiner Opfer ausgekannt zu haben. Er wußte genau bescheid, wann er sie wo antreffen konnte."
April zog die Augenbrauen in die Höhe.
"Ein gemeinsamer Bekannter von allen elf?"
"Nicht unbedingt. Aber der Killer könnte die Ermordeten zuvor schon einmal unter irgendeinem Vorwand aufgesucht oder in ihrer Nähe herumgeforscht haben, um seine Anschläge vorzubereiten."
"Leuchtet ein..."
*
Etwa eine Stunde später saß Jo Walker hinter dem Steuer seines 500 SL und quälte sich durch die New Yorker Rush-hour.
Arnie Gonella war der Letzte auf der Opferliste des Killer-Cops, wenn man Dianes Leibwächter nicht mitzählte. Und es war besser, ihn nicht mitzuzählen, denn dessen Tod war wohl eher ein Zufallstreffer. Eine Art Betriebsunfall.
Gonella war ein ziemlich schlimmer Finger gewesen.
Jo hatte es in Rowlands Unterlagen gelesen.
Meistens hatte Arnie Gonella andere für sich morden lassen, was bekanntlich immer sehr schwer nachzuweisen war.
Und als er dann doch einmal selbst abgedrückt hatte, fehlten auch da die Beweise. Zeugen kippten plötzlich um, niemand hatte etwas
Weitere Kostenlose Bücher