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Sarah Maclean

Sarah Maclean

Titel: Sarah Maclean Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mit neun verruchten Dingen einen Lord bezwingen
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weiterzuführen. Ich habe
    mich unter recht... merkwürdigen ... Umständen nach Ralston
    House verirrt, und ich finde, es wäre das Beste, wenn wir ein-
    fach vergessen, dass es je passiert ist. Das dürfte ja wohl nicht
    so schwierig sein, denke ich." Sie setzte ein strahlendes Lächeln
    auf und zupfte dabei an einer Quaste ihres Mantels herum.
    Ralston nahm ihre Worte in sich auf, schwieg aber, ließ zu,
    dass die Stille sich ausdehnte. Callies Blick huschte unstet im
    Raum herum, versuchte stets, ihn zu meiden. Er bemerkte ihre
    Nervosität. Es dauerte nicht lange, bis sich seine Überraschung
    und Verwirrung in Neugier verwandelten, und so nahm er eine
    weniger bedrohliche Haltung ein und lehnte sich lässig an die
    Wand. „Da bin ich mir keineswegs sicher, Mylady. Frauen, die
    mich in meinem Schlafzimmer aufsuchen, vergesse ich keines-
    wegs so schnell, auch wenn Sie da anderer Ansicht sein mögen."
    Heiße Röte stieg ihr in die Wangen. Er fuhr fort: „Was führt
    Lady Calpurnia Hartwell mitten in der Nacht zu mir? Offen ge-
    sagt, scheinen Sie mir nicht zu diesem Typ Frau zu gehören."
    Callie rang nach einer Antwort. „Ich ... war ... gerade in der
    Nähe."
    „Mitten in der Nacht."
    „Ja. Ich stand plötzlich ... vor Ihrer Tür ... und brauchte eine
    Droschke, die mich nach Hause bringt."
    „Vor meiner Tür." Sein trockener Ton verriet, dass er ihr kein
    Wort glaubte.
    „Allerdings." Vielleicht würde er nicht weiter auf eine Erklä-
    rung dringen, wenn sie sich nur standhaft genug zeigte.
    „Wie konnte es denn geschehen, dass Sie plötzlich vor meiner
    Tür standen und eine Kutsche brauchten?" Als sie die lässige
    Neugier in seiner Stimme hörte, biss sie die Zähne zusammen.
    „Ich würde es vorziehen, nicht darüber zu sprechen", erklärte
    sie, wandte den Blick ab und versuchte ihn mit purer Gedan-
    kenkraft von diesem Thema abzubringen. Kurzes Schweigen
    trat ein, und einen Augenblick dachte sie, dass er sich mit ihrer
    ausweichenden Antwort zufriedengäbe.
    Aber hier irrte sie.
    Er verschränkte die Arme arrogant vor der Brust und verlieh
    seinem Ton eine Note amüsierter Ungläubigkeit. „Und dann
    dachten Sie sich natürlich, dass es sicherer wäre, bei mir anzu-
    klopfen, statt die nächste Droschke anzuhalten."
    Wenn schon, denn schon. „Allerdings, Mylord. Schließlich
    sind Sie ein Mitglied des Hochadels."
    Er schnaubte. Ihr empörter Blick traf seinen spöttischen. „Sie
    glauben mir nicht?"
    „Kein Wort." Er musterte sie scharf. „Erzählen Sie mir doch
    einfach die Wahrheit."
    Sie senkte den Blick, suchte verzweifelt nach einer anderen
    Lüge, die sie ihm erzählen könnte, nach irgendetwas, was sie
    aus dieser Lage befreien könnte.
    Er schien ihre Gedanken lesen zu können. „Lady Calpurnia."
    „Mir wäre es lieber, wenn Sie Callie zu mir sagten", sagte sie
    eilig.
    „Gefällt Ihnen Calpurnia nicht?" Sein Ton verriet flüchtige
    Neugier.
    Sie schüttelte den Kopf und wich seinem Blick aus.
    „Callie ...", schmeichelte er mit tiefer, samtiger Stimme. Sie
    war sich sicher, dass er diesen Tonfall immer dann einsetzte,
    wenn er von einer Frau etwas wollte. Es hätte sie nicht über-
    rascht, wenn sie entdeckt hätte, dass es stets funktionierte.
    „Warum sind Sie hier?"
    Und dann beschloss sie - ob aus Feigheit oder Mut oder weil
    sie zu viel Sherry getrunken hatte, würde sie nie erfahren -, ihm
    die Wahrheit zu sagen. Noch schlimmer konnte dieser Abend ja
    nicht werden.
    Im Flüsterton verkündete sie: „Ich bin hergekommen, um Sie
    zu bitten, mich zu küssen."
    Diese Antwort hatte er nicht erwartet. Die schüchternen Worte,
    kaum zu hören in dem stillen Raum, überraschten ihn. Einen
    Augenblick glaubte er, sie falsch verstanden zu haben, aber die
    tiefe Röte, die ihr Gesicht überzog, überzeugte ihn, dass er von
    Lady Calpurnia Hartwell jetzt in diesem Augenblick wirklich
    und wahrhaftig ein unmoralisches Angebot bekommen hatte.
    Der Abend hatte ganz harmlos begonnen. Er hatte alle Einla-
    dungen ausgeschlagen und mit seinen Geschwistern zu Abend
    gegessen - Juliana war erst kürzlich zu ihnen gekommen. Da-
    nach hatte er sich auf sein Zimmer zurückgezogen, in der Hoff-
    nung, dass er in der Abgeschiedenheit seiner Privaträume am
    Pianoforte Zerstreuung finden würde. Irgendwann hatte es
    funktioniert, und er hatte sich in seiner Musik verloren.
    Bis ein Klopfen an die Tür Lady Calpurnias Ankunft ange-
    zeigt hatte. Jetzt musterte er sie ganz offen: sie war nicht

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