Schatten des Wolfes - Schatten des Wolfes - Cry Wolf (Alpha & Omega 1)
Zustand sah, erkannte Charles, wie viel Theater an Asils dramatischem Verhalten war. Wenn Asil wirklich verstört war, benahm er sich wie jetzt: übertrieben präzise Bewegungen, Aufmerksamkeit auch für Dinge, die nicht zählten.
Es machte ihn nicht weniger verrückt oder gefährlich, aber Charles sah zumindest den Grund, wieso sein Vater nicht alle, die Asil kannten, bereits von diesem Elend befreit hatte.
»Tee schmeckt hier nie so gut«, sagte der Maure und stellte eine zarte Porzellantasse mit Goldrand vor Charles hin. »In dieser Höhe wird das Wasser nicht heiß genug. Den besten Tee kann man auf Höhe des Meeresspiegels kochen.«
Charles hob die Tasse, trank einen Schluck und wartete darauf, dass Asil sich hinsetzte.
»Also gut«, sagte der andere Werwolf und ließ sich Charles gegenüber nieder. »Was genau willst du über Omegas wissen?«
»Ich bin nicht sicher.« Charles fuhr mit dem Finger über den Goldrand. Jetzt, da er hier war, widerstrebte es ihm, über das Problem mit Anna mit einem Mann zu sprechen, der sein Feind sein wollte. »Warum fängst du nicht damit an, mir genau zu erklären, wie sie sich von unterwürfigen Wölfen unterscheiden?«, begann er schließlich.
Asil zog die Brauen hoch. »Na ja, wenn du immer noch denkst, deine Gefährtin sei unterwürfig, steht dir wirklich eine Überraschung bevor.«
Charles konnte nicht anders, er musste über diese Bemerkung einfach lächeln. »Ja. Das ist mir sofort aufgefallen.«
»Wir, die wir dominant sind, neigen dazu, diesen Aspekt des Werwolf-Seins nur in Begriffen des Ranges zu sehen: Wem wird gehorcht, wer ist es, der gehorcht, und wer wird beschützt. Dominant und unterwürfig. Aber es geht auch darum, wer beschützt und wer beschützt werden muss. Ein unterwürfiger Wolf ist nicht unfähig, sich selbst zu schützen: Er kann so gut kämpfen und töten wie jeder andere. Aber Unterwürfige verspüren nicht das Bedürfnis zu kämpfen - nicht so, wie Dominante es tun. Sie sind ein Schatz in einem Rudel. Eine Quelle von Zielgerichtetheit und Gleichgewicht. Warum gibt es Dominante? Um die zu schützen, die unter ihnen stehen. Aber einen Unterwürfigen zu beschützen ist viel lohnenswerter, weil ein Unterwürfiger nie abwarten wird, bis du verwundet bist und ihm deinen Rücken zuwendest, um herauszufinden, ob du wirklich dominanter bist als er. Unterwürfigen Wölfen kann man trauen. Und sie vereinen das Rudel, mit dem Ziel, dafür zu sorgen, dass es in Sicherheit ist und man sich gut um es kümmert.«
Er trank einen Schluck Tee und schnaubte. »Über diese Dinge auf Englisch zu sprechen klingt, als spräche ich über eine sexuelle Beziehung - lächerlich.«
»Wenn Spanisch dir besser passt, dann los«, bot Charles an.
Asil zuckte die Achseln. »Es ist egal. Du weißt alles darüber. Wir haben hier unsere unterwürfigen Wölfe. Du kennst ihren Zweck.«
»Als ich Anna zum ersten Mal begegnete, schlief der Wolf.«
Nun war alle Lässigkeit verschwunden. Asil hob den Blick von seinem Tee und schaute Charles an. »Ja«, flüsterte er. »Das ist es. Sie können deinen Wolf ruhen lassen, ihn entspannt sein lassen.«
»Ich fühle mich nicht immer so in ihrer Nähe.«
Asil lachte, spuckte Tee in seine Tasse, sah sie dann bedauernd an und stellte sie beiseite. »Das hoffe ich, selbst wenn du ihr Gefährte bist. Warum solltest du mit jemandem zusammen sein wollen, der dir auf diese Weise die ganze Zeit deine Männlichkeit nimmt? Dich von einem Dominanten zum Unterwürfigen macht, nur durch ihre Gegenwart? Nein. Sie braucht dich nicht die ganze Zeit zu beruhigen.«
Er wischte sich den Mund mit einer Stoffserviette, die er wieder faltete und neben seine Tasse legte. »Wie lange ist sie denn schon ein Werwolf?«
»Drei Jahre.«
»Dann erwarte ich, dass im Augenblick alles Instinkt ist. Was bedeutet, wenn du die Auswirkungen nicht die ganze Zeit spürst, fühlt sie sich bei dir entweder in Sicherheit - oder du bringst sie so durcheinander, dass sie keinen Frieden hat, den sie mit anderen teilen kann.« Er grinste wölfisch. »Was glaubst du wohl, was es ist? Wie viele Leute haben nicht auf irgendeiner Ebene Angst vor dir?«
»Ist es das, was dich stört?«, fragte Charles mit ehrlicher Neugier. »Hast du Angst vor mir?«
Asil erstarrte. »Natürlich habe ich die.«
»Du bist nicht vernünftig genug, um Angst vor mir zu haben.« Charles schüttelte den Kopf und kehrte zu seiner Frage zurück. »Omegas dienen in einem Rudel so ziemlich dem gleichen
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