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Schlaflos - Insomnia

Titel: Schlaflos - Insomnia Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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würde, aber es war nicht Rosalie. Zwei Männer traten aus einem Haus auf der anderen Seite der Harris Avenue hinaus auf die Veranda. Ralph konnte die Farben des Hauses nicht erkennen - das orange Licht der Natriumdampflampen, die die Stadt vor einigen Jahren aufgestellt hatte,
leuchtete zwar jeden Winkel aus, machte es aber fast unmöglich, Farben naturgetreu zu erkennen - er konnte nur sehen, dass sich die Farbe der Verzierungen radikal von der Farbe der Fassade unterschied. In Verbindung mit dem Standort des Hauses war Ralph fast überzeugt, dass es sich um May Lochers Haus handelte.
    Die beiden Männer auf May Lochers Veranda waren sehr klein, wahrscheinlich nicht größer als einen Meter zwanzig. Sie schienen von grünen Auren umgeben zu sein. Gekleidet waren sie in identische weiße Kittel, die für Ralph aussahen wie diejenigen, die Schauspieler in alten Krankenhaus-Seifenopern getragen hatten - Schwarz-Weiß-Melodrame wie Ben Casey und Dr. Kildare . Einer hielt etwas in der Hand. Ralph kniff die Augen zusammen. Er konnte es nicht genau erkennen, aber es sah scharf und hungrig aus. Er hätte nicht unter Eid beschwören können, dass es sich um ein Messer handelte, aber er hielt es für eines. Ja, es konnte durchaus ein Messer sein.
    Sein erster klarer Gedanke war, dass die Männer da drüben wie Außerirdische in einem Film über eine Entführung per UFO aussahen - Die Besucher oder Feuer aus dem All . Sein zweiter Gedanke war, dass er wieder eingeschlafen sein musste, hier im Ohrensessel, ohne es zu merken.
    Ganz recht, Ralph - nur noch ein bisschen Ramschverkauf-Action, wahrscheinlich ausgelöst durch die Aufregung über das Messer-Attentat und gefördert von dieser verflixten Schmerztablette.
    Aber er spürte nichts Furchteinflößendes an den beiden Gestalten auf May Lochers Veranda, abgesehen von dem langen, scharfen Gegenstand, den einer in der Hand hielt.
Ralph vermutete, dass nicht einmal das träumende Bewusstsein etwas Bedrohliches aus zwei kleinen kahlköpfigen Typen in weißen Kitteln machen konnte, die aussahen, als wären sie aus der Requisite. Auch ihr Verhalten hatte nichts Furchterregendes - nichts Verstohlenes, nichts Bedrohliches. Sie standen auf der Treppe, als hätten sie das Recht, in der dunkelsten, ruhigsten Morgenstunde dort zu sein. Sie standen einander zugewandt, und die Haltung ihrer Körper und ihrer großen, kahlen Schädel deutete auf zwei Freunde hin, die ein ernstes, zivilisiertes Gespräch führten. Sie sahen umsichtig und intelligent aus - die Sorte Weltraumfahrer, die eher sagen würde: »Wir kommen in Frieden«, als dich zu entführen und dir Sonden in den Arsch zu stecken und dann die Reaktionen darauf zu studieren.
    Na gut, also ist dieser neue Traum vielleicht doch nicht durch und durch ein Albtraum. Willst du dich nach dem letzten etwa darüber beschweren?
    Nein, selbstverständlich nicht. Einmal pro Nacht auf dem Boden zu landen reichte voll und ganz, recht schönen Dank. Und dennoch hatte gerade dieser Traum etwas ungeheuer Beunruhigendes; er wirkte in einer Weise real, die dem Traum von Carolyn abgegangen war. Schließlich war dies sein eigenes Wohnzimmer, kein unheimlicher fremder Strand, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Er saß in demselben Ohrensessel, in dem er jeden Morgen saß, und er hielt eine Tasse Tee, die fast kalt geworden war, in der linken Hand; wenn er die Finger der rechten Hand zur Nase hob, so wie jetzt, konnte er immer noch einen leichten Hauch Seife unter den Nägeln riechen … Irischer Frühling, die er gern unter der Dusche benutzte …

    Unvermittelt griff sich Ralph unter die Achsel und drückte die Finger auf den Verband dort. Er spürte den Schmerz augenblicklich und stechend … aber die beiden kleinen kahlen Männer in den weißen Kitteln blieben genau da, wo sie waren, auf May Lochers Türschwelle.
    Es spielt keine Rolle, was du zu spüren glaubst, Ralph. Es kann keine Rolle spielen, weil …
    »Leck mich am Arsch!«, sagte Ralph mit heiserer, leiser Stimme. Er stand von seinem Sessel auf und stellte dabei die Tasse auf den kleinen Tisch daneben. Sleepy Time schwappte auf das Magazin TV Guide, das dort lag. »Leck mich am Arsch, das ist kein Traum!«

3
    Er schlurfte in seinen alten, ausgetretenen Pantoffeln und mit flatterndem Pyjama so schnell er konnte durch das Wohnzimmer in die Küche, während kleine, heiße Schmerzstiche von der Stelle ausgingen, wo Charlie Pickering ihn gestochen hatte. Er schnappte sich einen Stuhl und trug

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