Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Schwarzwaldau

Schwarzwaldau

Titel: Schwarzwaldau Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Carl von Holtei
Vom Netzwerk:
ist. Und krank war Gustav, als er jetzt von uns eilte.«
    »Ich fürchte, wir sind es alle Drei,« seufzte Agnes; »Jedes auf seine Weise. Darum laß' uns gehen.« – Und sie gingen miteinander.

Fünfzehntes Capitel.
    »Ich habe dem Herrn von Thalwiese Beistand leisten wollen; aber mein guter Wille wurde zurückgewiesen. Er schlägt um sich mit Händen und Füssen.« Diese Entschuldigung brachte Jäger Franz vor, als Emil und Agnes ihn lauschend vor Gustav's Stubenthür fanden; worauf er sich sogleich entfernte, mit all' jener demüthigen Unterwerfung, welche er seit der Einweihung des Gefängnisses dargelegt.
    Emil wurde durch diese überraschende Begegnung unschlüssig. Der stechende Blick, den der Jäger auf Agnes gerichtet, hatte mehr gesagt, als dessen Mund; hatte verrathen, daß dieser seither unbeachtete und ganz zurückgesetzte Diener nicht aufgehört habe zu erspähen, was um die angebetete Herrin vorging. Emil hatte sicher darauf gerechnet, daß niemand im Schlosse den Besuch seiner Gattin bei Gustav bemerken werde. Von Allen, die der Zufall in ihren Weg führen konnte um diese Stunde, wäre ihm Jeder weniger unangenehm gewesen, als Derjenige, den wahrscheinlich mehr als Zufall, den lauernde Absicht herbeigeführt. Er zögerte, ungewiß ob er nicht lieber umkehren und auch Agnes zurückführen sollte? Diese jedoch machte dem Zweifel bald ein Ende; sie öffnete die Thür und trat hinein, ehe Emil, der ihr die Wahrheit nicht sagen mochte, einen Scheingrund für seine Unschlüssigkeit herbeigesucht. Es blieb ihm nichts Anderes übrig, als ihr zu folgen.
    Sie fanden Gustav in seinen Kleidern auf dem Bette liegend, schwer athmend, die Augen geschlossen, weniger einem Schlafenden, als einem bedenklich Kranken, einem Sterbenden ähnlich. Agnes, die entschieden vorgedrungen war und erst durch das spärlich von Emil's Wachskerzen auf das Lager fallende Licht den düstern Anblick gewann, fuhr erschrocken zurück. Emil stellte seinen Leuchter weg, näherte sich dem Bette und sagte leise: »Gustav, Agnes kam selbst um zu fragen, wie Du Dich befindest?«
    Der Angeredete gab kein Zeichen des Verständnisses. Als Emil seine Hand zu fassen versuchte, stieß Jener sie von sich und wendete das Gesicht völlig nach der Wand.
    »Er glaubt mir nicht,« sagte unwillig Emil, »nun ist es an Dir, Agnes, Deine Gegenwart selbst zu bestätigen.«
    Agnes nahm ihres Gemals Platz vor dem Lager ein, während dieser sich zurückzog. Sie redete lange vergebens. Gustav schien auch sie nicht zu hören, oder nicht hören zu wollen. Erst nach und nach drangen ihre Worte, wie sie bittender, inniger wurden in seine verstockte, trotzige Apathie. Der starre Krampf, der sich um seine Brust gelegt und ihn eingeschnürt hatte, fing an sich zu lösen; er ging in leises Klagen und Wimmern über; die Wohlthat der Thränen überkam den Leidenden mit ihrer weichen Hingebung und er öffnete die Augen, feuchte Blicke nach Derjenigen gewendet, die sich flüsternd zu ihm hinabneigte.
    In Emil's Herzen schwieg für diesen Augenblick jede andere Regung; er empfand einzig und allein gerührte Theilnahme, sah in Agnesens Benehmen nur aufopfernde Güte einer vollkommen reinen Seele. Um keinen Preis hätte er die Heiligkeit solches Auftrittes als zudringlicher Zeuge stören wollen. Er nahm den Leuchter zur Hand, ließ den Schein der Kerze auf die Wand fallen und widmete – zum Erstenmale seitdem sie da hingen, – den in jenes abgelegene Gastzimmer verwiesenen Schildereien eine Aufmerksamkeit, deren die unbedeutenden Tapeten gewiß nicht würdig waren. Er zwang sich förmlich dazu, nur um die fortwährend Sprechenden nicht zu unterbrechen. Agnes redete jetzt nicht mehr allein. Gustav antwortete, wenn auch in kurzen, abgerissenen Sätzen, deren einzelne Silben zwar unverständlich blieben, deren flehender Klang jedoch dem unwillkürlich Hörenden nicht entging. Schon erlahmte ihm der Arm, der den schweren silbernen Leuchter hoch empor hielt; schon fand sein Auge beim redlichsten Willen an den grellen Bildern nichts mehr zu entdecken; schon sann Emil auf eine passende Aeußerung, womit er sich wieder umkehren und an dieser, das verzogene große Kind beschwichtigenden Versöhnung thätigen Theil nehmen könne? – Da erreichte ihn der von Gustav's Lippen kommende, durch's hohe Gemach säuselnde Hauch: »Agnes!« mit einem so vielsagenden Tone, daß er hastig den Kopf wenden mußte, – mochte er wollen, oder nicht! Und er sah Gustav's Arm um Agnesens Hals

Weitere Kostenlose Bücher