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Signale

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Titel: Signale Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Frederik Pohl
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als alles, was er je zuvor gefühlt hatte, und es schwoll an … und dann war es vorbei.
    Was es auch war, das die sphäroiden Fremden mit seinem Verstand angerichtet hatten, McCray vermoch te es nicht festzustellen. Er wußte nur, daß eine Tür sich geöffnet hatte. Ein undurchsichtiger Schleier war entfernt worden. Er war von seinem Körper befreit.
    Er war mehr als frei; er hatte sich ausgedehnt – war gewachsen – vergrößert. Er befand sich im Körper eines Fremden, und der Fremde war in ihm. Ebenso befand er sich außerhalb beider und blickte sie an.
    McCray hatte dergleichen nie zuvor in seinem Leben gefühlt. Es war eine Situation ohne auch nur annähernden Vergleich. Er hatte eine Frau in seinen Armen gehalten, war Mitglied einer Familie gewesen, er hatte Anteil an dem jugendlichen Entdeckergeist gehabt, wie er in kleinen, eifrigen Gruppen herrscht: das waren die Vergleiche, die ihm einfielen. Das hier bedeutete viel mehr als diese Dinge. Er und der Fremde – er, so begann er wahrzunehmen, und eine Anzahl Fremder – waren nahezu unentwirrbar miteinander verbunden. Dennoch waren sie voneinander abgesondert, wie ein Faden bunter Fasern in einem Knäuel Garn mit den anderen Fäden verschlungen, verknotete und verflochten ist, denn ihre Individualität blieb gewahrt. Er war in und zwischen vielen Bewußtseinseinheiten, und außerhalb aller.
     
    McCray dachte: So muß Gott empfinden.
    Hatcher hätte gelacht – falls er zum Lachen über Lippen, Kehlkopf und Mund verfügt hätte. Er hätte in hellem Triumph gelacht, und wirklich erkannte sein stellvertretender Leiter das marionettengleiche Erzittern seiner eigenständigen Glieder als Aufwallung von Freude. »Geschafft!« rief der Assistent, indem er sei nen Gefühlen ebenfalls nachgab. »Wir haben das Projekt bewältigt!«
    »Wir haben noch weitaus mehr geschafft«, frohlockte Hatcher. »Gehen Sie zum Kontrollrat; berichten Sie dort. Lassen Sie die Nachricht an das Zentralmassen-Team geben. Stabilisieren Sie für die Fremden die Druck- und Temperaturwerte, die er benötigt …«
    »Und Sie, Hatcher?«
    »Ich gehe mit ihm – hinaus in die Leere. Ich werde ihm zeigen, was wir benötigen!«
     
    Hatcher. McCray registrierte, daß dies ein Name war – der Name des Wesens, das sich ihm am nächsten befand, jenes, das irgendwie sein Vorderhirn manipuliert und den Verstand von dem Gefängnis des Schädels befreit hatte. »Hatcher« war kein Wort, sondern eine Betrachtungsweise, und dahinter erkannte er ein Geschöpf, dessen physische Form unangenehm war, aber dessen Instinkte und Hoffnungen den seinen genug ähnelten, um eine gemeinsame Basis zu finden.
    Er sah mehr als das. Hatcher versuchte ihn zu überreden, sich fortzubegeben. Mehr zu wagen. Mit ihm zu kommen …
    McCray gab nach und ließ sich leiten, und sofort war er nicht nur mehr aus seinem, sondern auch aus allen anderen Körpern entwichen. Er schwebte frei im Raum.
    Das Wesen, das aus Herrell McCray geboren wurde, war nun größer als eine Sonne. Ringsum vermochte er die Wunder und die Schönheit der großen Gaswolke zu erkennen, in welcher sein Körper verborgen lag, auf einem winzigen Planeten eines gewöhnlichen Sterns. Sein Zeitgefühl hatte sich gegenüber vorher nicht verändert – er konnte den Pulsschlag des eigenen Körpers zählen, der noch in etwas pochte, das, wenn auch entlegen, seine Ohren waren. Aber er konnte Dinge sehen, die unermeßlich groß und langsam, die erschreckend waren. Er konnte in der Wolke die Ströme von Gas erkennen, die der Lichtdruck auswärts trieb. Er vernahm den summenden Fluß von Ionen und hörte das Prasseln zusammenstoßender Ionen. Er sah die großen, blauen, neuen Sonnen ihren Weg durch die Wolke bahnen, ihre Energien aus dem diffusen, dunstigen Wasserstoff aufbauend, das den Orion-Nebel bildete, dabei relativ deutliche »Löcher« hinterlassend. Er sah in das Gas, und er sah hindurch. Er konnte jeden Stern und jeden gashaltigen Kometen wahrnehmen, und er konnte die wohlgeordnete Pracht der Milchstraße betrachten, und das Universum von Galaxien jenseits.
    Die Erscheinung neben ihm drängte ihn, seine Aufmerksamkeit abzuwenden, einer dichteren, sternenreicheren Region zu. McCray, unsicher mit seinen Fähigkeiten, streckte sich ihr entgegen – und prallte zurück.
    Da war etwas furchteinflößendes, etwas kaltes und rastloses, das ihm mit den Augen eines geduckten Panthers, der ein Reh erwartet, entgegenblickte.
    Das Wesen an seiner Seite empfand das gleiche

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