Silberband 019 - Das Zweite Imperium
einverstanden,
Leyden?«
» Ja.«
Fast herrisch, aber trotzdem leise, sagte Sascha Populos: »Ich möchte mich mit
dem Fall beschäftigen.«
Tyll Leyden sah ihn an, als er erwiderte: »Soweit ich unterrichtet bin, sind Sie
im Singenden Berg eingesetzt. Hat Ihr Teamchef Sie von Ihrer Arbeit beurlaubt?« Das war eine
klare Ablehnung.
»Leyden, ich bin Gravitationsexperte«, erwiderte Populos.
»Ich bin auch Physiker und habe mich dennoch meistens mit astronomischen oder
astrophysikalischen Problemen beschäftigen müssen. Sie wollen uns jetzt gewiß verlassen, nicht
wahr?«
Wortlos machte Populos kehrt und ging. Leyden sah ihm nach.
Ich werde mich vor diesem Mann in acht nehmen müssen, dachte er. Dann interessierte er sich
wieder für das Diagramm auf dem Gerät.
»Robet, aufgrund dieser zweiten Beobachtung müßten Sie doch in der Lage sein,
eine grobe Skizze von der Bahn der Masseschwerpunktveränderung anzufertigen.«
»Wenn Sie bis zu zehn Prozent an Unstimmigkeiten in Kauf nehmen wollen, dann
liegt Ihnen die Skizze mit allen Werten, die wir bisher gefunden haben, bald vor.«
»Machen Sie das, Robet. Bis später.«
Alle sieben Tage tauchte bei Herkules das unerklärliche Phänomen der
Verschiebung auf. Robet und seine beiden Mitarbeiter hatten allmählich die Lust verloren, sich
mit diesem Rätsel zu beschäftigen. Dafür nutzte Sascha Populos jede freie Minute aus, um
Beobachtungen und Messungen vorzunehmen. Aber er erfuhr nichts von dem Projekt Herkules, das
Leyden in Gemeinschaftsarbeit mit Sondenfachleuten und Archäologen ausgearbeitet hatte.
Als am Morgen des 4. August drei Sonden starteten, dachte sich niemand etwas
dabei, bis auf sieben Mann, die in dem linsenförmigen Gebäude vor einem großen Gerätepark saßen
und den Kurs der Sonden darauf verfolgten.
Tyll Leyden wollte mit den Geräten in die Tiefen des Planeten vorstoßen.
Theoretisch war so etwas möglich; ob sich der Versuch tatsächlich durchführen ließ, mußte
abgewartet werden.
Der Weg nach Herkules war nicht weit. Die mittlere Entfernung zwischen Impos und
ihm betrug nur 984.000 Kilometer. Nach einer halben Stunde Flugzeit gab die Ortung in der Baracke
bekannt, daß die drei Aggregate auf den Planeten herabstürzten.
Die Zeit verging. Leyden wartete mit seinen sechs Kollegen. Jetzt hatte die
erste Sonde die vereiste Oberfläche des Sternengiganten erreicht und bohrte sich in das
Methangaseis. Etwas später trafen die zweite und dritte Sonde auf. Auch sie verschwanden sofort
in der Tiefe. Die drei Sonden verwendeten die Aufschlagsenergien. Inpotronische Schaltungen
wandelten sie blitzschnell um und erstellten um das Aggregat ein superstarkes Schutzfeld, das den
eigentlichen Bohrkörper mit seinem raffinierten Mechanismus vor Beschädigungen schützte.
Leistungsfähige Konverter sorgten nach Verbrauch der umgewandelten Energien dafür, daß die
Schirme um die Sonde stabil blieben. Gleichzeitig lieferten sie den auf Desintegrationsbasis
arbeitenden Bohrfeldern die nötige Energie, welche die Struktur der Gesteinsmassen auflösten, so
daß die Aggregate mit kaum verminderter Geschwindigkeit tiefer und tiefer in Herkules
eindrangen.
»Klappt es?« Diese Frage wurde immer wieder in der astrophysikalischen Abteilung
laut. Im Raum herrschte spannungsgeladene Stille, die nur ab und zu durch das Klicken eines
Relais unterbrochen wurde.
Vier von innen beleuchtete Scheiben gaben Diagramme oder Amplituden ab. Alle
Geräte waren mit dem Speichersektor der Positronik gekoppelt. Kein einziger Wert ging verloren.
Was die Augen der Forscher nicht bemerkten, wurde vom Speichersektor präzise erfaßt.
Es war am 4. August 2326, es war die Sekunde, in der Lemy Danger auf dem
Planeten Eysal seinen unglücklichen Schuß auf den Zellaktivator abgab.
Vor Tyll Leyden flog jenes Gerät auseinander, das ihm sein Studienfreund vom
EXPLORER-7094 aus Terrania gebracht hatte. Hinter und neben Tyll Leyden gingen sämtliche Geräte
zu Bruch, mit denen Gravitationsmessungen durchgeführt werden konnten.
Im selben Moment riß die Verbindung zu den drei Sonden ab. Die Kontrollschirme
zeigten keine Diagramme und Amplituden mehr. Der Versuch hatte mit einem Fiasko geendet.
»Was war das?« Wissenschaftler stellten sich die Frage – Männer, die noch
nichts vom Einsatz eines USO-Spezialisten Lemy Danger auf Eysal wußten. Plötzlich war Tyll Leyden
Mittelpunkt. Alle Blicke richteten sich auf ihn. Aber er konnte nichts
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