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Sommerkuesse

Titel: Sommerkuesse Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sara Ryan
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›Lebensgefährtin‹.«
    »Lebensgefährtin?!«, quietsche ich, bevor ich es verhindern kann.
    Isaac schlägt mit dem mittlerweile blattlosen Zweig leicht auf die Wasseroberfläche. »Ja. Meine Tante ist eine alte Lesbe. Was dagegen?«
    Ich muss lachen. Es ist eine Art von hysterischem Lachen, das nicht weit von Weinen entfernt ist. »Gar nicht«, keuche ich schließlich. »Und ich wette, du hättest auch nichts dagegen, wenn ich dir sage, dass ich vielleicht auch eine bin.«
    »Ach was?« Isaac klingt, als hätte ich gerade gesagt, dass es nach Regen aussieht.
    Meine Überraschung über seine fehlende Reaktion muss sich in meinem Gesicht widerspiegeln, denn er sagt: »Vergiss nicht, dass ich in San Francisco wohne, Nic. Für mich ist jeder erst mal grundsätzlich bisexuell und atheistisch, bevor er oder sie mir das Gegenteil beweist.«
    Vor Erleichterung fühlen sich meine angespannten Muskeln plötzlich an wie Wackelpudding.
    »Es ist wegen Battle«, sage ich schnell, bevor mich wieder der Mut verlässt. »Deshalb komme ich drauf, dass ich womöglich auch lesbisch bin.«
    Ich werde ihm alles erzählen. Und dann bringe ich ihn dazu, zuzugeben, dass er in Katrina verknallt ist.
    Ich würde gern wissen, wie alt seine Tante war, als sie es gemerkt hat.

8. Juli, 16:30 Uhr, im Archäologieseminar
    Es regnet, es ist schwül, und ich fühle mich, als würde ein ganzer Pantheon griechischer Götter versuchen, sich durch meinen Schädelknochen nach draußen zu hämmern.
    Der Regen pladdert gegen die Seitenwände des Gebäudes. Wenn ich aus dem winzigen Fenster des Seminarraums hinausschaue, sehe ich sie: dicke, schwere Regentropfen. Sie verstärken die Schwüle eher noch, statt sie zu lindern. Als würde selbst der Himmel schwitzen.
    »Nic?« Anne stupst mich an. »Aufwachen!«
    »Ich hab nicht geschlafen. Bloß nachgedacht.«
    »Aber du hattest die Augen zu«, sagt sie.
    »Weil es zu heiß ist, um sie offen zu halten.«
    Anne sieht so frisch und rosig aus wie immer. Obwohl sie wie üblich in rasender Geschwindigkeit alles gewissenhaft auf ihrem Laptop mitschreibt, sehe ich noch nicht mal einen Schweißfilm auf der Tastatur.
    »Alles okay? Du bist ein bisschen rot im Gesicht.« Anne sieht mich besorgt an, als wäre ich eine Tonscherbe, die sie nicht einordnen kann.
    »Ich hab ziemlich üble Kopfschmerzen«, gebe ich zu.
    »Brauchst du eine Tablette? Ich hab Ibuprofen dabei, Paracetamol, Aspirin …«
    Das war ja klar. Wahrscheinlich bewahrt sie ihre Tabletten auch noch in farblich aufeinander abgestimmten Gläschen auf.
    »Aspirin wäre super. Danke.«
    Sie macht ihre Handtasche auf, holt ein winziges blaues Gläschen hervor – ich hatte also Recht -, schüttelt zwei Tabletten
heraus und gibt sie mir. Bestimmt hat sie auch noch irgendeine schicke Mineralwasserflasche in ihrer Tasche, aber ich will mein Glück nicht überstrapazieren und schlucke die Tabletten trocken.
    Ich kann nur hoffen, dass Alex heute keinen seiner völlig am Thema vorbeizielenden Dauermonologe hält – seine Stimme würde mir jetzt den Rest geben.
    »Glauben Sie nicht, dass das berechtigte Interesse der Gesellschaft an Knochenfunden schwerer wiegt als die Frage, ob es sich dabei um die sterblichen Überreste entfernter Vorfahren irgendwelcher Indianerstämme handelt?«
    Das kam diesmal nicht von Alex, sondern von seinem siamesischen Zwilling Ben, der sich für unglaublich witzig und zynisch hält und gar nicht merkt, dass er einfach nur fies und arrogant ist. Aber wenigstens geht mir Bens Stimme nicht so auf die Nerven wie die von Alex.
    »Worin könnte dieses berechtigte Interesse liegen?«, möchte Ms Fraser wissen.
    »Funde aus der Vergangenheit gehören der gesamten Menschheit. Es ist doch idiotisch, sie nur einer einzigen Bevölkerungsgruppe zur Verfügung zu stellen«, verkündet Ben und legt die Beine auf den Tisch.
    »Ist jemand anderer Meinung?«, fragt Ms Fraser in die Runde.
    Ich hebe die Hand. Obwohl meine Kopfschmerzen sekündlich schlimmer werden, kann ich das nicht einfach so kommentarlos stehen lassen. »Wenn ich dich richtig verstehe, Ben, dann behauptest du einerseits, dass du dich sehr für die Vergangenheit der amerikanischen Ureinwohner interessierst, andererseits ist es dir aber völlig egal, wie die jetzt lebenden
amerikanischen Ureinwohner es finden, dass die Gräber ihrer Vorfahren entweiht werden. Ich weiß ja nicht, wie es den anderen geht, aber das halte ich für ziemlich idiotisch.«
    Anne kichert.
    Ms Fraser räuspert

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