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Sternenfall: Roman (German Edition)

Sternenfall: Roman (German Edition)

Titel: Sternenfall: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael McCollum
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dann müsste sich ein milchig weißes Leuchten von Horizont zu Horizont erstrecken!«
    »Schade, dass wir den Kern vorher verlassen müssen«, sagte Thorpe. »Das dürfte ein beeindruckender Anblick sein. Man könnte den Leuten zu Hause beim Vorbeifliegen zuwinken.«
    Bei seinen Worten nahm Ambers Gesicht einen merkwürdigen Ausdruck an. »Hmmm, ich habe nicht an zu Hause gedacht … Luna, das ist es!«
    »Was ist damit?«
    »Dieses Orbital-Simulationsmodell hier berücksichtigt Luna nicht. Satelliten beziehen wir normalerweise nicht ein, weil dadurch zu viel Rechenzeit verbraucht wird. Die ravitationseinwirkungen von Mond und Asteroiden sind normalerweise vernachlässigbar. Diesmal könnte ein gewisser Einfluss feststellbar sein. Warte eine Minute, bis ich Luna ins Programm eingegeben habe.«
    Amber wandte sich wieder ihrem Terminal zu und drang in den Programmcode ein. Sie modifizierte das Programm mit sicheren, schnellen Anschlägen. Als sie als Nächstes die Rechnung ablaufen ließ, blieb das Diagramm verschwunden, und es liefen nur noch Zahlenkolonnen über den Bildschirm. Nachdem die Rechnung beendet war, ging Amber erneut in den Programmcode hinein, um ihre Arbeit zu überprüfen. Sie ließ das Programm ein weiteres Mal ablaufen, wobei sie darauf achtete, dass die Positionsdaten des Kometen korrekt waren. An der geringeren Geschwindigkeit, mit der die Zahlen nun auf dem Schirm erschienen, erkannte Thorpe, dass sie auch das Iterationsintervall drastisch verkleinert hatte.
    Als sie das Programm zweimal hatte laufen lassen, blickte sie zu Thorpe auf. In ihren Augen standen Tränen.
    »Na?«, fragte er. »Ändert sich durch Luna etwas?«
    »Luna wird sich zum Zeitpunkt der Begegnung im ersten Viertel befinden«, antwortete Amber mit schwankender Stimme. »Das bedeutet, dass die Erde-Mond-Achse beinahe exakt auf der Flugbahn des Kerns liegt. Ich bin sicher, dass er Luna verfehlen wird, obwohl es verdammt nah werden wird! Meinen Berechnungen zufolge bleibt nicht mehr als fünftausend Kilometer Zwischenraum, vielleicht sogar weniger.«
    »Aber er wird den Mond verfehlen?«
    Ambers Antwort bestand aus einem nervösen Nicken.
    »Ich glaube schon«, antwortete Amber mit plötzlich emotionsloser Stimme. Es war, als ob sie selbst ein Teil des Computers geworden wäre. »Das Gravitationsfeld des Mondes ist nicht stark, aber bei dieser Entfernung muss es das auch nicht sein. Die Flugbahn des Kometen wird ein winziges bisschen seitwärts abgelenkt werden; gerade so viel, dass er die Erde nahe dem Terminator flüchtig streifen wird. Was danach passiert, hängt davon ab, wie elastisch der Zusammenstoß ist. Der Kern könnte sich in die Erde hineinbohren, oder er könnte abprallen und seinen Flug fortsetzen, oder er könnte in einen hohen ballistischen Bogen einschwenken und mehrere Stunden später auf der anderen Seite der Erde wieder herunterkrachen.
    Es macht freilich überhaupt keinen Unterschied aus, denn schon der erste Aufprall wird jegliches Leben auf der Erde vernichten!«

Dritter Teil
     
    Das nicht zu bewegende Objekt
     

18
     
    Der Jupiter war zurückgeblieben, und die Sonne forderte einen stetigen Tribut von dem Planetoiden aus Eis. Die meisten flüchtigen Komponenten der Oberfläche waren längst verdampft. Nur in den tiefsten Spalten fand sich noch gefrorener Sauerstoff oder Wasserstoff. Die Krater und Ebenen waren einem immer heftiger werdenden Sonnenwind ausgesetzt. Obwohl die Oberflächentemperatur immer noch deutlich unter ihren Schmelzpunkten lag, begannen Wasser, Methan und Kohlendioxid unter diesem Beschuss zu verdampfen. Der neue Schwall ausströmender Gase vergrößerte die Dampfwolke, aus der sich bald der Kometenschweif bilden würde.
     
    Halver Smith stand auf dem Balkon seines Landguts und lauschte auf die gedämpften Partygeräusche, die aus dem großen Haus herausdrangen. Es war der Tag seines jährlichen eujahrsempfangs für die leitenden Angestellten von SierraCorp und deren Gäste. Während er die kalte Nachtluft einatmete, ließ er seinen Blick in die Ferne schweifen. Die Autoscheinwerfer der Urlauber zogen unten durch das Tal wie ein Strom von Glühwürmchen. Ein zunehmender Mond tauchte die Szenerie in ein silbriges Licht und ließ die ersten Schwaden Nachtnebel plastisch hervortreten. In einer Stunde würde Smiths hochgelegener Landsitz von einem Meer aus Silberwatte umgeben sein.
    Während er den Nebel beobachtete, dachte er über die Ereignisse der vergangenen zwölf Monate nach. Alles

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