Therapielexikon der Kleintierpraxis
gefolgt von anderen Bakterien (
Pseudomonas, Proteus
etc.).
Ein Abklatschpräparat ausgehend von einer Pustel erlaubt die Differenzierung zwischen mikrobieller Kolonisation (intakte Neutrophile, extrazelluläre Kokken) und mikrobieller Invasion (geschädigte Neutrophile, phagozytierte, intrazelluläre Kokken).
Klassifizierung der Pyodermien
Von den verschiedenen Kriterien, die zur Klassifizierung von Pyodermien herangezogen werden können, ist die Eindring- Tiefe der Erkrankung das i nteressanteste und in praktischer Hinsicht das ergiebigste Charakteristikum. Man unterscheidet demnach ( Tab. 1.107 ):
• Oberflächliche Pyodermien: Nur die Epidermis ist Sitz der Erkrankung, im oberen Teil durch das Stratum corneum, im unteren Abschnitt durch die Basalmembran begrenzt.
• Tiefe Pyodermien: Die Infektion betrifft auch die Dermis oder sogar die Subkutis.
• Pseudo-Pyodermien: Die bakterielle Infektion spielt lediglich eine untergeordnete Rolle.
Tab. 1.107 Einteilung der Pyodermien beim Hund
Oberflächliche Pyodermien
•Mit vorherrschend bakterieller Besiedelung: Hautfaltenpyodermie (Intertrigo)
Mit vorherrschend mikrobieller Invasion
•Impetigo
•Follikulitiden
Tiefe Pyodermien
•Furunkulosen
•Zellulitiden
Interdigitale Pyodermien (Pododermatitis-Syndrom)
Pseudopyodermien
•Pyotraumatische Pyodermie
•Juvenile Pyodermien
Oberflächliche Pyodermien
Oberflächenpyodermien mit überwiegend mikrobieller Kolonisation
Vertreten durch die Hautfaltenpyodermien oder Intertrigines. Besondere anatomische Prädispositionen bestimmter Rassen lassen in bestimmten Hautfalten ein feuchtes, dunkles und warmes Milieu entstehen, das eine starke Besiedelung mit Koagulase-positiven Staphylokokken begünstigt. Andauerndes Scheuern erzeugt kutane Mikrotraumata, die Ausgangspunkt für eine mikrobielle Besiedelung sind. In der Tiefe der Falten ist ein exsudatives und ekelerregendes Erythem mit Juckreiz zu finden.
Je nach anatomischer Lokalisation unterscheidet man:
• Lefzenfaltenpyodermie: Bei bestimmten prädisponierten Rassen (Cocker, Setter, gelegentlich Deutscher Schäferhund) bilden sich in den Lefzenfalten purulente Entzündungen mit üblem, vom Maul des Tiers ausgehenden Geruch (schlechtes Geruchsempfinden).
• Gesichtsfaltenpyodermie: Bei bestimmten Tieren brachyzephaler Rassen (Pekinese, Mops, Bulldogge etc.) kann sich eine Pyodermie in den Hautfalten zwischen Nase und Augen ausbilden. Besonders die Augen dieser Tiere sind zu untersuchen, da die Intertrigo häufig mit einem Hornhautulkus vergesellschaftet ist.
• Pyodermie der Vulvafalte: bei adipösen Hündinnen am Grund der perivulvären Falten und in angrenzenden Regionen zu beobachten.
• Schwanzfaltenpyodermie: Rassen mit sogenannter Korkenzieherrute (Englische Bulldogge, Französische Bulldogge, Boston Terrier und derenKreuzungen) sind für diese Pyodermie in der Tiefe der Schwanzwurzelfalte prädisponiert.
Oberflächliche Pyodermien mit überwiegend mikrobieller Invasion
Histologisch gesehen, charakterisieren Mikroabszesse unter dem Stratum corneum (Impetigo) oder in den Haarfollikeln (Follikulitiden) die beiden klinischen Manifestationen dieser Kategorie.
Impetigo
Kommt v. a. bei Welpen von 2 – 12 Monaten vor, äußert sich durch Pusteln an unbehaarten Hautstellen im Achsel- und Inguinalbereich, oft mit Ausdehnung bis zum Abdomen. Bei Platzen der Pusteln tritt ein gelbliches Exsudat aus, das nach Eintrocknen honiggelbe Krusten bildet. Der Juckreiz ist sehr unterschiedlich. Die Pusteln sind i. d. R. nur wenig erythematös.
Eine Askarideninfektion und virale Erkrankungen in jungem Alter begünstigen das Aufblühen einer Impetigo. Sie kann auch bei adulten Tieren beobachtet werden, v. a. wenn diese Traumata ausgesetzt waren (z. B. Jagdaktivität).
Viel seltener ist eine bullöse Impetigo mit Pusteln von einem Durchmesser > 1 cm zu finden, die ohne offensichtlichen Grund oder unter Kortikoideinfluss iatrogen oder in Verbindung mit einer Cushing-Erkrankung auftritt.
Follikulitiden
Charakterisiert durch multiple Mikroabszesse, die in Haarfollikeln sitzen, die eigentlich intakt sind.
Wenn auch ihr histologisches Bild stark hinweisend ist, so ist doch die klinische Expression der Follikulitiden äußerst vielgestaltig und stellt in diagnostischer Hinsicht ein großes Problem dar.
Die Liste der Symptome umfasst vielgestaltige Erscheinungen (Papeln, Pusteln, Krusten). Allerdings sind die Läsionen meist von den Folgen der
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