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Todesrennen

Todesrennen

Titel: Todesrennen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Cussler
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benutzte diese als Wegweiser bis zur Bahnstation von Castleton-on-Hudson. Als er in großer Höhe die Hauptstraße überquerte, sah er unter sich weiße Pferde, die eine Feuerspritze zogen, und dann eine Formation von Trompeten- und Tubabläsern, deren Instrumente im Sonnenschein funkelten.
    Eine Feuerwehrkapelle marschierte – gefolgt von einer Menschenschar – auf der Straße in Richtung der Heuwiese, auf der Josephines Flugmaschine stand und repariert wurde. Der Festzug passierte ein Schulgebäude aus rotem Klinker, dessen Türen aufflogen und Hunderte Kinder auf die Straße entließen, um der Parade zu folgen. Offenbar hatte sich Josephines Notlandung herumgesprochen, erkannte Bell. Die ganze Stadt war aufgebrochen, um sie willkommen zu heißen, und es waren mehr Menschen, als auf der Wiese Platz finden konnten.
    Bell legte die Meile bis zur Wiese im Höchsttempo zurück, landete und beeilte sich, seine Detektive zu warnen. »Die ganze Stadt ist auf den Beinen, um Josephine zu begrüßen. Sie haben den Kindern schulfrei gegeben. Wenn wir nicht sofort starten, hängen wir hier den ganzen Tag fest.«

23
    »Beeilt euch!«, rief Josephine den Mechanikern hektisch zu.
    »Ich fahre Sie die Straße hinunter«, sagte Bell. »Halten Sie eine kurze Rede. Zeigen Sie sich ihnen, damit sie nicht aufs Feld stürmen.«
    »Nein«, entgegnete Josephine kopfschüttelnd. »Sie wollen nicht mich sehen, sie wollen die Maschine anfassen. Ich habe das schon im vergangenen Jahr in Kalifornien erlebt. Sie haben ihre Namen auf die Tragflächen gekritzelt und mit Bleistiften Löcher in die Bespannung gestoßen.«
    »Aber die Eltern kommen doch mit.«
    »Die Eltern waren am schlimmsten. Sie haben Teile abgerissen, um sie als Andenken mitzunehmen.«
    »Ich werde sie aufhalten«, sagte Bell.
    Er schickte den Rolls-Royce und den Thomas Flyer los, um zu versuchen, die Parade auf der Straße zu stoppen, was bestenfalls eine vorübergehende Lösung wäre, da sich die aufgeregten Stadtbewohner einfach um die Automobile herumdrängen würden. Er lenkte seine Eagle zum Ende des Feldes, um die ungebetenen Besucher zusätzlich abzulenken.
    Kleine Jungen, die vorausgerannt waren, sprangen über den Graben, der die Straße von der Wiese trennte. Bell erkannte, dass sich die Kinder nicht aufhalten ließen. Sie hatten keinerlei Vorstellung von der Gefährlichkeit wirbelnder Propeller, ehe sie hautnah mit ihnen Bekanntschaft machten.
    Gerade als es so aussah, als würden sie der Maschine die Startbahn versperren, blickten alle zum Himmel.
    Bell hörte das unverwechselbare, Respekt einflößende Dröhnen eines Sechszylinder-Curtiss-Motors. Baronet Eddison-Sydney-Martins blaue kopflose Pusher, die Bell das letzte Mal im New Yorker Hafen hatte treiben sehen, erschien am Himmel und war unterwegs nach Albany.
    »Dieser Mann«, stellte Andy fest, »ist wie eine Katze und hat neun Leben.«
    Josephine ließ den Schraubenschlüssel, den sie in der Hand hielt, fallen und schwang sich in ihre Celere.
    Die Jungen blieben stehen und starrten gebannt zum Himmel. Zwei gelbe Eindecker auf dem Erdboden waren anscheinend der Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gewesen. Doch der Anblick einer Flugmaschine, die tatsächlich durch die Luft flog, war weitaus bemerkenswerter und weniger wahrscheinlich als Weihnachten und Ostern an einem Tag.
    »An den Propeller!«, rief Josephine.
    Ihr Antoinette-Motor heulte auf. Die Helfer an den Enden der Tragflächen drehten die Maschine in den Wind, und sie jagte über die abgemähte Wiese und schwang sich in den Himmel. Isaac Bell hielt sich dicht hinter ihr und einen Schritt vor dem Begrüßungskomitee.
     
    Bell stellte fest, dass Gerüchte von Sabotage auf dem Gelände des Altamont Fairground in Albany in aller Munde waren. Die Mechaniker, die die Maschinen auf dem Innenfeld der Rennbahn warteten, diskutierten angeregt darüber, ob die Tragflächen von Sir Eddison-Sydney-Martins kopfloser Curtiss Pusher mit Absicht beschädigt worden waren. Bell machte sich auf die Suche nach dem Engländer. Er fand ihn und seine Frau, Abby, als Gäste einer Party in einem gelben Zelt, das neben Preston Whiteways privatem Salonwagen aufgestellt worden war.
    Der Zeitungsverleger fing Bell ab und flüsterte besorgt: »Ich mag diese Gerüchte nicht. So seltsam sie klingen, sie weisen doch auf die Existenz eines zweiten Verrückten hin, und zwar auf jemand anders als Harry Frost. Ich möchte, dass Sie untersuchen, ob in unserem Verein ein Mörder sein

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