Unter dem Zwillingsstern
Entzugs waren sich M ait g er und Peter W e r m ut sehr nahegekom m en, und W e r m uts m it Groll und Desillusionierung ge m i schte, im m er noch andauernde Faszination von Robert König teilte sich auch Mic h ael Maitger m it. Außerdem verfügte Peter We r m ut selbst über e i nige Drehbucherfahrung. Am Ende schlichen sich ebenso viele Züge von Robert König wie von Max Reinhardt in das Porträt von Hei n z Iffland, dessen Nachna m e ein Tribut an d as Theater g enie d er S c hiller-un d -Goethe-Z e it war. I ff lands Angewohnheit, während der Proben riesige Mahlzeiten zu vertil g en und gleic h zeitig in ei n em ungeheuren Te m po Anweisungen nach allen Seiten zu geben, gehörte zu Robert, nicht zu Reinhardt, und ebenso der diktatorische Stil seiner Regie f ührung. Daß Heinz Iffland als Kind seine Mutter verlor und von einem Vo r m und aufgezogen wur d e, ents p rach ebenfalls Roberts Bi o graphie, nicht Max Reinhardts, dessen Eltern seine E r folge noch genauso wie der Rest seiner Fa m ilie e rle b t h a tten. Die F i g ur des Bru d ers, d e r f ür I ff land die Finanzen regelt und dessen Tod Ifflands all m ählichen Rückzug aus Berlin und den Beginn des Zusammenbruchs seines I m periu m s bedingt, war von Edmund Reinhardt inspiriert, aber genauso von We r m ut selbst. Heinz Iffland war tat s ächlich bereits ei n e eigene, neue Fig u r. Doch die Parallelen zu Max Reinhardt, vor allem in seinem Privatleben, waren im m er noch ausgeprägt genug, um Astoria zu veranlassen, jeden, der von d e m Projekt wußte, auf strengstes Stillschweigen einzuschwören und sich m it einigen Anwälten schon ein m al nach der Rechtslage bei Verleu m dungsklagen zu unterhalten.
Carla gehörte zu den wenigen, die das Drehbuch bereits in seiner frühen Fassung kannten. Robert hatte ihr freie Wahl in bezug auf die drei Frauenrollen gelassen und war überrascht gewesen, daß sie sich für Susanne Redsowitz (»eine m orphiu m süchtige Pianistin«) entschied, die kleinste der drei.
» W arum Susi, wenn du Olga oder Sibylle haben kannst ? «
»Erstens, w eil ich dir nicht hunder t prozentig traue, was die rechtzeitige Fertigstellung angeht, und i c h m öchte nicht das ganze nächste Jahr da m it verbringen, an deinem M ammutprojekt zu arbeiten. Zweitens, weil ich Eleonore kenne und weil ich nicht m öchte, daß je m and sie spielt, der eine Karikatur aus ihr m acht. Und drittens, weil du und dein begnadeter Säufer schon im V o rfeld eine Karikatur aus der ar m en Helene Thi m ig g e macht haben.«
Sibylle Lund, Heinz Iff l ands langjä h rige Geliebte, die er wegen des erbitterten W iderstands seiner Frau nicht rec h t m äßig heiraten kann, war in Maitgers Drehbuch ein unbegabtes W esen, das Iffland buchstäblich aus der Gosse holt und pyg m a lionartig in eine große Schauspielerin wandeln m öchte, um die Gunst der Masse wenigstens auf diese W eise zu behalten. Das war mehr als ungerecht gegenüber Helene Thi m ig, die im G e gensatz zu Reinhardt aus einer Schauspielerdynastie des Burgtheaters stam m te und auch ohne ihn zu einer großen Karriere gekomm e n wäre; selbst die Max Reinhardt feindlich gesinnten Kritiker, wie Alfred Kerr oder Herbert Jhering, bewunderten ihre Darstellungskraft.
»Dra m a br a ucht Kontraste«, verte id i gte sich Robert, als Carla ihn darauf ansprach. »Sie können nicht alle drei begabt sein.«
Das Drehbuch sah vor, daß Olga schließlich durch einen Autounfall stirbt, als die Liebe zwischen Heinz und Sibylle schon längst erloschen ist und sie nur noch neben e inanderher leben; sein Heiratsantrag, nur noch aus Pflichtgefühl ge m acht, bringt sie dazu, ihn zu verlassen. Der vereinsa m t e If f land zieht s i ch s c hlie ß lich m it Susanne, die selbst nur noch ein W r ack ist, in sein leeres Schloß zurück und bittet sie um Morphiu m , eine sy m bolische Selbstaufgabe, da er diese Droge, an der seine Mutter starb, e i n Leben lang verabscheut hat. Beide werden tot aufgefunden, e i n Schluß, m it d e m Robert nicht ganz zufrieden war. Irgend etwas fehlte seiner Meinung nach noch, etwas, was das Ganze abrundete.
Als er Carla zur Pre m i e re von Carmilla abholte, wußte er im m e r noch nicht, was es war, und die Leute von Astoria wurden all m ählich ungeduldig. Monika hatte Übelkeit vorgeschützt, doch er wußte, daß ihre Abneigung gegen Carla der e i gentliche Grund für ihre W eigerung war, ihn zu begleiten.
Hugo, der im Gegensatz zu Robert die Kunst des Autofahrens beherrsc h
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