Unter dem Zwillingsstern
ließ sich durch das Blitzlichtgewitter nic h t aus der Fas s ung bringen.
»Sicher, aber es genügt fürs erste. Man darf die Hunde nie ganz satt m achen. Außerdem wird es ohnehin bald Zeit für den Fil m .«
»Gut«, sagte Genevieve, »ich rette sie.«
Ehe sie ihren W orten T a ten folgen lassen konnte, entdeckte sie, daß je m and ihr zuvorka m . Sie kannte den Mann nicht, der sich den W eg durch die Reporter auf Carla zu bahnte, aber s i e v e r m utete, daß er irgendwie zum Geschäft gehörte, und zwar nicht als Schauspieler, obwohl er gut genug dafür aussah. Er hatte die Ausstrahlung, die sie von den Herren der großen Studios her kannte.
»Paul, wer ist das? Je m a nd von der UFA oder einer von uns?«
»Ich kenne ihn auch nicht. Er m uß zu den privaten Gästen gehören.«
Das bezweifelte sie. Der rücksichtslose Zug um den Mund erinnerte sie an Harry Cohn, den Chef von Colu m bia, der ihr bei ihrem ersten und letzten Film für dieses Stud i o ein m al ins Ohr gebrüllt hatte:
»Ich kriege keine Magengeschwüre, ich verursache sie, also halt den Mund, du lesbische Schla m pe, und t u, was ich sage!«
»Für m i ch sieht das nach Abwerbung aus.«
Paul schaute beunruhigt drein. An und für sich waren Infor m ationen über den Film vor s einer öffentlichen Erstaufführung streng vertraulich, aber in jedem Studio gab es Klatsch und Spione. Und Held hielt im m er noch m it Carlas Unt e r s chrift für den Zweijahresvertrag zurück.
»Meinen Sie, Genevieve ? «
»Keine Sorge, Darling, ich m ache das schon.« Genevieve rief in der durchdringenden Stimme, m it der sie am S et ihre Anweisungen gab: »Carla! Come here, kid!«
Ihr b r eites E nglisch sch n itt wie e ine Sichel d u rch d a s diskrete deutsche Getuschel und veranlaßte Car l a und die Reporter, ihr sofort die Köpfe zuzudrehen. Der Mann, der Carla fast erreicht hatte, schaute auch zu Genevieve, änderte seine Richtung und steuerte ebenfalls auf sie zu, während Carla sich aus d e m Kreis der J o urnalisten l ö ste.
»Nerven hat er«, ko mm entierte Genevieve. B eide trafen etwa gleichzeitig bei ihr ein, während P a ul Kohner die Sicherheitskräfte durch einen W i nk veranlaßt hatte, sie bis auf weiteres vor d er Presse abzuschir m e n.
»Sie wollen kennenlernen unsere junge Star?« fragte Genevieve den Fre m d e n auf deutsch und wußte im gleichen Mo m ent, daß sie sich geirrt hatte. Der Mann gehörte weder zum Geschäft, noch hatte er Abwerbungsabsichten. Er war aus persönlichen Gründen hier.
»Ich kenne ihn bereits«, erwiderte er und schaute zu Carla, die so tat, als ignoriere sie ihn. Das kannst du doch besser, Kid, dachte Genevieve, der nicht entgangen war, daß Carla im Kreis der Reporter bereits m ehrfach in Richtung des Fremden geblickt hatte.
»Und Sie sind… ? « erkundigte s i ch Paul K ohner. Der Mann schwieg, und in der verlegenen kleinen Pause, die Kohners Frage folgte, schauten alle dr ei zu Carla, die sc h lie ßl ich gezwungener m aßen vorstellte.
»Paul Kohner, Philipp Bach m aier. Genevieve Beresford, Philipp Bach m aier.«
»Dein Freund ? « fragte Genevieve direkt auf englisch. Ehe Carla dazu kam zu antworte n , erwiderte Philipp, ebenfalls auf englisc h :
»Ihr Schwager.«
Das brac h te Carla d azu, ihn anz u schauen, m it einem teils verwunderten, teils erleichterten Blick, der Genevieve den Rest der Geschichte erzählte.
» W arum haben Sie das nicht gleich gesagt, Phil ? « gab sie munter zurück, ohne darauf zu achten, daß Paul Kohner die Augen zum Him m el rollte. Er hatte ihr ber e i t s m eh r fach erklärt, daß man sich, außer unter Schauspielern, wo es s i ch eingebürgert hatte, in Deutschland nicht sofort m it dem Vorn a m en ansprach, und schon gar nicht m it vertraulichen Abkürzungen. Doch Genevieve haßte die unaussprechlichen deutsc h en ch-Laute, d i e sie nur im Hals kitzelten, und außerdem hatte sie sich nie um Konventionen geschert, es sei denn, sie versprach sich einen Vorteil davon.
»Ich dachte schon, Sie wären einer der Abschlepper von der Konkurrenz. W i r sind natürlich alle eine große, glückliche Fa m i lie, aber jeder m öchte schon, daß die Herde in ihrem Stall bleibt, richtig ? «
»Sie kom m e n selbstverständlich m it zu uns in die Loge«, fiel Paul Kohner hastig ein, um Genevieves Redestrom abzuschneiden. »Genevieve, ich glaube, Dol o res sucht nach Ihnen.«
Der Journalistenkreis um Dolores hatte sich nun noch um diejenigen, die vorher Carla photographie
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