Unter dem Zwillingsstern
r t und interviewt hatten, vergrößert. Es konnte wirklich nicht schaden, wieder ein Auge auf sie zu werfen und seelischen B eistand zu leisten.
»Bis gleich, Honey«, s a gte Genevieve zu Carla und klopfte ihr auf die Schulter. » W ir sehen uns, Phil.«
Bevor sie sich m it ihren Landver m e sserschritten einen W eg durch die Menge bahnte, nahm sie noch wahr, daß Kohner leidend, Carla erheitert und ihr Schwager m it der Raubtierausstrahlung wie ein geübter Pokerspieler aussah.
»Sie m üssen Genevieve entschuldigen«, sagte der Produzent begütigend, sowie sie außer Hörweite w ar. »In unserem Geschäft neigt m an eben dazu, exzentri s ch zu sein.«
»Ich konnte ihren W orten nicht f o lgen«, erklärte Philipp. »Dazu genügen m e ine Englischkenntnisse nicht.«
Kohner verbarg seine Erleichterung hinter einem verständnisvollen Lächeln. » U nd dann der a m erikanische Akzent, ja, ich weiß, ganz anders, als wir es hier lernen. Ich habe auch etwas gebraucht…«
Er erzählte von seinen Anfängen in A m erika, bis ihm der Kinobesitzer signalisierte, daß es la n gsam an der Z e it sei. Genevieve kam m it einer zum Glück nicht erkennbar schwankenden Dolores, Rainer W ille m , der in d e r de u t s chen Fassu n g den Ve r l o bten s p ielte, brac h te Lupita und seine eigene Ehefrau. Im Grunde war Kohner dankbar für das Auftauchen des unbekannten H errn Bach m aier, denn so verteilten sich alle in Paaren, und er s t and nicht vor der Verlegenheit, entweder Dolores oder Carla den Arm bieten zu m ü s sen.
Carla scha ut e sich nach Robert um und entdeckte ihn im Gespräch m it T i m Be r ger; Nina und Hugo war e n bereits zu den Parkettplätzen verschwunden. Sie hätte gerne a u f Philipps stützenden Arm verzichtet, doch m it Car m illas Ball k leid und seinen drei Unterröc k e n , die ihr nur heute abend zur Verfügung standen, eine Treppe e m porzuschreiten war gar nicht so einfach. Im m er h in, er hatte bis h er kei n e einzige beleidigende B e m erkung g e m acht, weder zu ihr noch, soweit sie es m iterlebt hatte, zu son s t je m ande m . Sie war s ich s icher g ewe s en, daß er seine kleine D e m onstration vor Dr. Gold m ann in der einen oder anderen Form wiederholen würde.
» W arum bist du geko mm en ? « flüsterte sie und hielt m it der freien Hand ihre Krinoli n e fe st. »Und sag nicht, weil ich dich eingeladen habe.«
»Um den F i lm zu sehen, Carla«, entgegnete Philipp ebenfalls m i t gesenkter Stim m e. »Mir hat je m and vor langer Zeit gesagt, ich hätte eine Schwäche für hoffnungslose Fälle, und ich glaube, das stim m t.«
Er fügte nicht hinzu, was in sei n en Augen ein hoffnungsloser Fall war, dieser spezielle Film, deutsch-a m erikanische Koproduktionen im allge m einen oder das m erkwürdige Band, das sie noch im m er aneinander fesselte. Als sie ihn in dem Raum voller Menschen sah, hatte sich die Anspannung und die Freude des Abends in einen Mo m ent reinen Gefühls verkehrt, von dem sie selbst nicht sagen konnte, ob es nun Haß oder etwas anderes war.
»Ich… habe dich ver m ißt«, sagte er.
Carla lächelte nach links und r echts und antwortete aus den Mundwinkeln: »Kau m . Du hast doch genügend Ersatz, oder kom m t der all m ählich z u teue r ?«
Er entgeg ne te nichts, u nd sie spi e lte e i n klei n es Spi e l m it sich. Wenn er sich entschuldigte, wir k lich und aufrichtig entschuldigte und außerdem auch auf der Feier nach dem Film keinen Versuch m achte, sie vor ihren Freunden blo ß zustellen oder ihre Freunde anzugreifen, dann würde sie ihm ver z eihen und versuchen, einen völlig neuen Anfang zu m achen, als sei er ein Mann, den sie gerade erst kennengelernt hatte. Schließlich w a r sie selbst der Verzeihung bedürftig, sie hatte den Wunsch, grausam zu sein und zu de m ütigen, ebenfalls in sich gespürt und ihm zuletzt Monika gegenüber nachgegeben.
Aber wenn er sich nicht entschuldigte und statt dessen nur einen weiteren Versuch m achte, sie zu verletzen, dann würde sie endlich tun, was ihre Selbstachtung verlang t e, und die ganze quälerische Angelegenheit beenden. Dieser Ab e nd würde der S chlußpunkt sein. Sie hatten die G alerie fast erreicht, und sie glaubte schon, ihre Antwort nicht m ehr zu bekom m e n, als er sie ihr endlich gab. Es war keine der beiden Alternativen, d i e sie erwartet hatte.
»Als ich R u di und Ferdl beauftragte, dich zu fin d en«, sagte P hilipp,
»war es nicht, weil ich m ir keine diskrete Krankenschwester hätte
Weitere Kostenlose Bücher