Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Lanzenstich in die Lunge lebensgefährlich verwundet. Er genas indes und kehrte 1813 nach Preußen zurück. Er trat hier bei den braunen Husaren ein, die damals der Oberst von Blücher, Sohn des Feldmarschalls, kommandierte, und machte in diesem Regimente die Kämpfe jenes schlachtenreichen Sommers und Herbstes mit. Am Schluß des Jahres ward er in den Generalstab versetzt. 1815 befand er sich im Hauptquartier des Fürsten Blücher, dessen Kommunikationen mit Wellington vor und während der Schlacht bei Belle-Alliance durch unsern Massow vermittelt wurden. Welch besserer Vertrauensmann hätte sich finden lassen als eben er, der schon drei Jahre früher unter den Augen des Herzogs gefochten hatte und dessen volle Kenntnis des Englischen ihn ohnehin empfahl.
Der Niederwerfung Napoleons folgte bekanntlich eine Besetzung Frankreichs durch englische und preußische Truppen. Den Oberbefehl über dieselben führte Herzog Wellington, in dessen unmittelbare Umgebung unser Massow kommandiert wurde. Drei Jahre lang verblieb er in dieser Stellung, in der er sich die Zuneigung und das besondere Vertrauen des »Siegesherzogs« zu erwerben wußte. Die Berichte, die Massow während dieser drei Jahre von Paris und Cambray erstattete und die nicht nur militärischen, sondern auch allgemein politischen Inhalts waren, werden noch im großen Generalstabe aufbewahrt und gelten für ausgezeichnete Leistungen.
Bei Ablauf der Okkupation nach Berlin zurückgerufen, ward er gegen Ende des Jahres 1818 zum Flügeladjutanten König Friedrich Wilhelms III. ernannt und stieg, in unmittelbarer Nähe des Königs verbleibend, von Stufe zu Stufe, bis er, nach langwieriger Krankheit, im Jahre 1843 seinen Abschied nahm und sich in die ländliche Stille von Steinhöfel zurückzog.
Hier trieb er mit Eifer Landwirtschaft, erweiterte das Schloß, verschönerte den Park und steigerte den Wert des Familienerbes. Dabei war er in weiten Kreisen ein Tröster der Betrübten, ein Wohltäter der Leidenden, ein weiser Ratgeber aller, die ihm vertrauend ihr Herz öffneten.
Die Ruhe ländlicher Zurückgezogenheit war ihm lieb geworden. Nur einmal noch ward er ihr entrissen, um auf kurze Zeit die Stille von Steinhöfel mit dem Lärm von London zu vertauschen.
Der Eiserne Herzog war am 14. Oktober 1852 auf seinem Schlosse Walmer Castle bei Dover gestorben und auf den 15. November war sein feierliches Begräbnis festgesetzt. Fast alle europäischen Armeen schickten Deputationen, um »den Feldmarschall der sieben Reiche« auf seinem letzten Gange zu begleiten; die preußische Deputation aber bestand aus Graf Nostiz, General von Scharnhorst und unsrem Massow, der in Veranlassung dieser Deputierung zum Generalleutnant ernannt worden war. So folgte dieser denn dem Sarge des großen Feldherrn, unter dessen Augen er vierzig Jahre früher zuerst das Hochgefühl des Sieges kennengelernt hatte, und neben ihm schritt General Scharnhorst, der, von gleichem Haß gegen die Napoleonische Familie erfüllt, mit ihm nach England gegangen war, um wo immer es sei, den Unterdrücker seines Vaterlandes zu bekämpfen. Beide waren der Fahne Wellingtons gefolgt, nun folgten beide seinem Sarge.
Und welch Leichengefolge das! Ein schönes Gedicht George Hesekiels hat diesen Zug beschrieben:
–ein Leichengefolge schließt sich an,
So wie's gehabt noch kein Untertan!
Von sieben Monarchen ist's deputiert,
Für die er den Stab des Feldmarschalls geführt,
Die Feldzeichen, die mit Trauerflor wehn,
Vertreten die Trauer von sieben Armeen:
Rußland, Preußen und Österreich
Sie klagen heut mit dem britischen Reich,
Niederland, Spanien und Portugal
Begraben in London den Feldmarschall.
Aus hundert Fahnen das Leichentuch,
Das England um seinen Lord Herzog schlug,
Der sich ein Grab in St. Paul ersiegt,
Wo Nelson in Lorbeer begraben liegt.
Massow, der durch Jahre hin dem »Old Duke« so persönlich nahe gestanden hatte, war in London mit besonderer Auszeichnung empfangen worden; jetzt, nach der feierlichen Beisetzung, kehrte er aus dem Gewoge der Weltstadt in die ländliche Stille zurück. Aber eine tiefere Stille harrte seiner bereits. Es war beschlossen, daß er dem Siegesherzoge nach wenig mehr als Jahresfrist in die Ruhe des Grabes folgen sollte. Am 11. Januar 1854 erkrankte er und am 18. entschlief er als ein ernster und gläubiger Christ.
Auf dem Kirchhofe zu Steinhöfel ruht er und ein Granitstein gibt die Daten seines Lebens und Todes.
Er war nie vermählt.
Weitere Kostenlose Bücher