Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
Vom Netzwerk:
»hat übrigens mehr Kriegstalent, als man bei seiner sonstigen Dummheit glauben sollte. Niemals ist er kaltblütiger, als an der Spitze seiner Soldaten. Und so stieg er denn bis zum Generalleutnant. Da er ohne Geist ist (das Wenige, was er davon hatte, verlor er durch einen schrecklichen Sturz, infolgedessen er trepaniert werden mußte), so bleibt er mutmaßlich auch fernerhin in Gunst. In Königsberg, wo er bis jetzt das Kommando hatte, war er allgemein gehaßt, was ihm freilich in Potsdam, wo man die Ostpreußen seit sechsundvierzig Jahren verabscheut, eher zum Vorteil als Nachteil angerechnet wurde. Wenige Tage vor dem Tode des Königs wurde von Anhalt nach Sanssouci berufen.
    ›Er hat eine von Seinen Töchtern verheiratet?‹ empfing ihn der König.
    ›Ja, Sire... Und ich fühle es.‹
    ›Wieviel hat Er seiner Tochter mitgegeben?‹
    ›Zehntausend Taler.‹
    ›Das ist viel für Ihn, da Er nichts hat.‹
    Den folgenden Tag empfing er vom Kämmerier eben diese Summe, zehntausend Taler, und kehrte nach Königsberg zurück. Kaum dort angekommen, traf auch schon die Nachricht vom Tode des Königs ein. Sofort schnitt Anhalt aus dem großen Ölporträt den Kopf seines vieljährigen Wohltäters heraus und setzte den Kopf seines Nachfolgers hinein. Dieser, König Friedrich Wilhelm II., kam bald danach zur Huldigung nach Königsberg und schenkte von Anhalt eine prächtige Dose, sah sich aber doch gezwungen, ihm, dem General mitzuteilen, ›daß er das ostpreußische Kommando niederlegen müsse‹. So zieht er sich denn jetzt mit einer Pension von fünftausend Talern und dem schwarzen Adlerorden zurück, nachdem ihm noch versprochen worden ist, ihn im Fall eines Krieges wieder anzustellen. Einige sind bemüht, diese jedenfalls zu weit gehenden Wohltaten und Rücksichten in Schutz zu nehmen und die Fülle derselben aus gerechtfertigter Furcht zu erklären. Soll doch von Anhalt gedroht haben: ›er werde, wenn man ihm diese Gnade (hohe Pension und Orden) versage, anderswo zeigen, daß er solche Zurücksetzung nicht verdient habe... ‹ ›Anderswo‹ soll natürlich heißen: im Dienste von Österreich. Er würde sich aber gehütet haben, diese Drohung wahr zu machen, denn die von ihm zwischen Magdeburg und Brandenburg angekauften Güter sind eine hinlängliche Gewährleistung für seine Person.«
    So Mirabeau.
     
    *
    Dies war der Mann, dem – als er, im vorerwähnten Jahre 1765, Guts- und Schloßherr von Plaue wurde – die Aufgabe zufiel, sich neben den Görnes, deren Andenken in Ehren stand, zu behaupten. Dazu war er nun freilich so ungeeignet und, wie gleich hinzugesetzt werden darf, auch so unlustig wie nur möglich. Er begann damit, den mit der Havel in Verbindung stehenden Graben, der das Schloß von drei Seiten umgab, zuschütten zu lassen. Den acht Fuß hohen Mauerrest des aus der Quitzowzeit herstammenden Gefängnisturmes ließ er, wie schon hervorgehoben, abtragen und nur das unterirdische Verlies fortbestehen, darin der Herzog von Mecklenburg gefangen gesessen hatte. Bald darauf verschwand auch die Wassermühle, die Friedrich von Görne mit großen Unkosten angelegt hatte. Natürlich. Alles was Görnesch war, war verpönt. In der Kirche zu Plaue hing die Ritterrüstung eines Ahnherrn von Görne; von Anhalt ließ sie nach einem Nachbargute bringen, damit er sie, bei seinem Kirchenbesuche, nicht beständig vor Augen habe. Was sich noch von Erzeugnissen der von Görneschen Porzellanmanufaktur im Schlosse befand, ward in die Havel geworfen, ebenso was an Urkunden da war. Er konnte sich in leidenschaftlicher Verwüstung alles dessen, was andern etwas bedeutete, gar nicht genug tun. Sein besonderer Groll aber, darin sich zum Überfluß auch noch Verachtung mischte, richtete sich gegen die Stadt Plaue als »Stadt«, deren vier Tore er einfach wegbrechen, desgleichen auch die Schilder mit den Straßennamen entfernen ließ. Ebenso wollte er das Stadtsiegel, einen doppelten Adler, vernichten, und zwar mit dem Bemerken, »daß dies Siegel unschicklich und zum Gebrauche sogar bedenklich sei«. Das Kammergericht trat aber für die Stadt ein und sprach ihr das Siegel wieder zu. Trotz dieser Niederlage fuhr er in seiner Fehde fort und ließ eines Tages eine von ihm herrührende Polizeiverwarnung an die Straßenecken anschlagen, in der der Bürgermeister, die Ratsmänner und Bürger als »Schulze, Schöppen und Kossäten« angeredet wurden. Ebenso verfuhr er in der Kirche, wo die Magistratsloge die Inschrift empfing:

Weitere Kostenlose Bücher