Weltkrieg der Waehrungen
drohte auch das europäische Währungsgefüge gesprengt zu werden.
Werner-Plan
Alarmiert über die Zunahme von Auf- und Abwertungen, reagierte die Europäische Gemeinschaft auf die ihr eigene Weise: Sie betraute eine hochrangig besetzte Kommission mit der Aufgabe, Vorschläge für eine engere Währungskooperation der EWG-Staaten auszuarbeiten. Das brüchig gewordene Bretton-Woods-System sollte notfalls durch eine europäische Lösung ersetzt, oder zumindest ergänzt werden.
Zum Vorsitzenden der Gruppe wurde Luxemburgs Premierminister
Pierre Werner bestimmt, einer jener zahlreichen Söhne des GroÃherzogtums, die es in den europäischen Institutionen zu Rang und Ehre brachten. Nach etwa einjährigen Beratungen präsentierte das Gremium im Oktober 1970 einen Fahrplan für eine gemeinsame Währungspolitik, die alles in den Schatten stellen würde, was Europa bisher erlebt hatte: Der nach dem Kommissionsvorsitzenden benannte Plan sah erstmals konkrete Schritte zur Errichtung einer Einheitswährung vor. Das Vorhaben war äuÃerst ambitioniert, am meisten, was den Zeitrahmen der geplanten Umsetzung anging: Schon 1980 sollten die paneuropäischen Münzen in den Portemonnaies von Deutschen, Franzosen und Italienern klimpern. Hätte sich der Luxemburger mit seinem groÃen Plan durchsetzen können, hätte er europäische Geschichte geschrieben. Das Projekt war nicht nur dazu angetan, das globale Devisensystem zu revolutionieren, sondern den europäischen Gedanken gleich mit. Pierre Werner würde heute als Vater des europäischen Geldes in den Schulbüchern stehen. Allenthalben wäre womöglich von der Werner-Währung die Rede. In Wirklichkeit ging das Vorhaben sang- und klanglos unter. Denn die Siebzigerjahre verliefen ganz anders, als es sich der Luxemburger und seine Mitstreiter ausgemalt hatten.
Die schwierigen Siebzigerjahre
Für eine Währungsunion hätte das Umfeld widriger nicht sein können als in den Siebzigerjahren. Nachdem der Vietnamkrieg bereits seit den späten Sechzigern den Dollar geschwächt und das Bretton-Woods-Gefüge destabilisiert hatte, erschütterte 1973 mit der Ãlkrise ein zweiter externer Schock das System: Die explodierenden Energiepreise würgten die Konjunktur in den westlichen Staaten ab. Zum ersten Mal seit den DreiÃigerjahren wurde anhaltend hohe Arbeitslosigkeit wieder zum Problem, diesmal in Verbindung mit einer beunruhigend hohen Inflation. In den USA erreichte die Teuerung mit 9,8 Prozent den höchsten Wert seit Ende des Ersten Weltkriegs. In Japan schoss die Rate sogar auf über 20 Prozent.
Erschwerend kam hinzu, dass die verschiedenen Industriestaaten je nach Struktur ihrer Volkswirtschaft und je nach Abhängigkeit von importiertem Ãl unterschiedlich stark betroffen waren. Das führte zu Konflikten. Regierungen und Ãkonomen stritten darüber, wie den neuen Herausforderungen zu begegnen sei: Statt der erhofften ökonomischen Integration brachte die neue Dekade gerade in Europa Fliehkräfte hervor, wie sie die Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit noch nicht erlebt hatte.
Die Erschütterungen des Devisenmarkts waren die schlimmsten seit einem halben Jahrhundert. SchlieÃlich hielt das System fester Wechselkurse den Belastungen nicht mehr stand, im August 1971 hob Nixon die Umtauschbarkeit von Dollar in Gold auf, wodurch der Sonderstatus der US-Währung als Ankerwährung einen schweren Schlag erlitt.
Im Kielwasser dieses einseitigen Schritts der Amerikaner wertete der Greenback gegenüber den Währungen der meisten Handelspartner spontan stark ab, zur Deutschen Mark zum Beispiel um 13,6 Prozent. Ein schwacher Dollar, so das Kalkül der Nixon-Regierung, würde Amerikas Wirtschaft neuen Handlungsspielraum verschaffen. Das Smithsonian-Abkommen (nach seinem Tagungsort im Washingtoner Smithsonian-Museum benannt), das die Bandbreiten von 1 Prozent auf 2,25 Prozent nach oben und unten erweiterte, war ein letzter verzweifelter Anlauf, von Bretton Woods zu retten, was zu retten war. Doch die Rettungsversuche kamen zu spät. Im Frühjahr 1973 fiel das ganze Festkurssystem, das mit dem goldunterlegten Dollar sein Zentrum verloren hatte, krachend auseinander. Der Greenback war jetzt eine Währung, deren Kurs gegenüber anderen Devisen frei schwanken durfte. In der Währungspolitik war mit dem Ãbergang zum Floating die Nachkriegszeit zu Ende.
Die
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