Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gotthold Ephraim Lessing
Vom Netzwerk:
ersten wissen müßte? – Kurz, Werner, Geld! Geld!
    Werner
. Je nu, mit Freuden! hier ist was! – Das sind die hundert Louisdor, und das die hundert Dukaten. – Gibt ihm beides.
    Von Tellheim
. Die hundert Louisdor, Werner, geh und bringe Justen. Er soll sogleich den Ring wieder einlösen, den er heute früh versetzt hat. – Aber wo wirst du mehr hernehmen, Werner? – Ich brauche weit mehr.
    Werner
. Dafür lassen Sie mich sorgen. – Der Mann, der mein Gut gekauft hat, wohnt in der Stadt. Der Zahlungstermin wäre zwar erst in vierzehn Tagen; aber das Geld liegt parat, und ein halb Prozentchen Abzug –
    Von Tellheim
. Nun ja, lieber Werner! – Siehst du, daß ich meine einzige Zuflucht zu dir nehme? – Ich muß dir auch alles vertrauen. Das Fräulein hier, – du hast sie gesehn, – ist unglücklich –
    Werner
. O Jammer!
    Von Tellheim
. Aber morgen ist sie meine Frau –
    Werner
. O Freude!
    Von Tellheim
. Und übermorgen, geh ich mit ihr fort. Ich darf fort; ich will fort. Lieber hier alles im Stiche gelassen! Wer weiß, wo mir sonst ein Glück aufgehoben ist. Wenn du willst, Werner, so komm mit. Wir wollen wieder Dienste nehmen.
    Werner
. Wahrhaftig? – Aber doch wos Krieg gibt, Herr Major?
    Von Tellheim
. Wo sonst? – Geh, lieber Werner, wir sprechen davon weiter.
    Werner
. O Herzensmajor! – Übermorgen? Warum nicht lieber morgen? – Ich will schon alles zusammenbringen – In Persien, Herr Major, gibts einen trefflichen Krieg; was meinen Sie?
    Von Tellheim
. Wir wollen das überlegen; geh nur, Werner! –
    Werner
. Juchhe! es lebe der Prinz Heraklius! Geht ab.
    { ‡ }
Zweiter Auftritt
    Von Tellheim
. Wie ist mir? – Meine ganze Seele hat neue Triebfedern bekommen. Mein eignes Unglück schlug mich nieder; machte mich ärgerlich, kurzsichtig, schüchtern, lässig: ihr Unglück hebt mich empor, ich sehe wieder frei um mich, und fühle mich willig und stark, alles für sie zu unternehmen – Was verweile ich? Will nach dem Zimmer des Fräuleins, aus dem ihm Franziska entgegen kömmt.
    { ‡ }
Dritter Auftritt
    Franziska. von Tellheim.
    Franziska
. Sind Sie es doch? – Es war mir, als ob ich Ihre Stimme hörte. – Was wollen Sie, Herr Major?
    Von Tellheim
. Was ich will? – Was macht dein Fräulein? – Komm! –
    Franziska
. Sie will den Augenblick ausfahren.
    Von Tellheim
. Und allein? ohne mich? wohin?
    Franziska
. Haben Sie vergessen, Herr Major?
    Von Tellheim
. Bist du nicht klug, Franziska? – Ich habe sie gereizt, und sie ward empfindlich: ich werde sie um Vergebung bitten, und sie wird mir vergeben.
    Franziska
. Wie? – Nachdem Sie den Ring zurückgenommen, Herr Major?
    Von Tellheim
. Ha! – das tat ich in der Betäubung. – Jetzt denk ich erst wieder an den Ring. – Wo habe ich ihn hingesteckt? – Er sucht ihn. Hier ist er.
    Franziska
. Ist er das? Indem er ihn wieder einsteckt, bei Seite. Wenn er ihn doch genauer besehen wollte!
    Von Tellheim
. Sie drang mir ihn auf, mit einer Bitterkeit – Ich habe diese Bitterkeit schon vergessen. Ein volles Herz kann die Worte nicht wägen. – Aber sie wird sich auch keinen Augenblick weigern, den Ring wieder anzunehmen. – Und habe ich nicht noch ihren?
    Franziska
. Den erwartet sie dafür zurück. – Wo haben Sie ihn denn, Herr Major? Zeigen Sie mir ihn doch.
    Von Tellheim
etwas verlegen. Ich habe – ihn anzustecken vergessen. – Just – Just wird mir ihn gleich nachbringen.
    Franziska
. Es ist wohl einer ziemlich wie der andere; lassen Sie mich doch diesen sehen; ich sehe so was gar zu gern.
    Von Tellheim
. Ein andermal, Franziska. Jetzt komm –
    Franziska
bei Seite. Er will sich durchaus nicht aus seinem Irrtume bringen lassen.
    Von Tellheim
. Was sagst du? Irrtume?
    Franziska
. Es ist ein Irrtum, sag ich, wenn Sie meinen, daß das Fräulein doch noch eine gute Partie sei. Ihr eigenes Vermögen ist gar nicht beträchtlich; durch ein wenig eigennützige Rechnungen, können es ihr die Vormünder völlig zu Wasser machen. Sie erwartete alles von dem Oheim; aber dieser grausame Oheim –
    Von Tellheim
. Laß ihn doch! – Bin ich nicht Manns genug, ihr einmal alles zu ersetzen? –
    Franziska
. Hören Sie? Sie klingelt; ich muß herein.
    Von Tellheim
. Ich gehe mit dir.
    Franziska
. Um des Himmels willen nicht! Sie hat mir ausdrücklich verboten, mit Ihnen zu sprechen. Kommen Sie wenigstens mir erst nach. – Geht herein.
    { ‡ }
Vierter Auftritt
    Von Tellheim
ihr nachrufend. Melde mich ihr! – Sprich für mich, Franziska! – Ich

Weitere Kostenlose Bücher