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Werke

Werke

Titel: Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gotthold Ephraim Lessing
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anzustecken.
    Das Fräulein
die ihre Hand zurück zieht. Dem ohngeachtet, – um so vielmehr werde ich dieses nimmermehr geschehen lassen; nimmermehr! – Wo denken Sie hin, Herr Major? – Ich meinte, Sie hätten an Ihrem eigenen Unglücke genug. – Sie müssen hier bleiben; Sie müssen sich die allervollständigste Genugtuung – ertrotzen. Ich weiß in der Geschwindigkeit kein ander Wort. – Ertrotzen, – und sollte Sie auch das äußerste Elend, vor den Augen Ihrer Verleumder, darüber verzehren!
    Von Tellheim
. So dacht ich, so sprach ich, als ich nicht wußte, was ich dachte und sprach. Ärgernis und verbissene Wut hatten meine ganze Seele umnebelt; die Liebe selbst, in dem vollesten Glanze des Glücks, konnte sich darin nicht Tag schaffen. Aber sie sendet ihre Tochter, das Mitleid, die, mit dem finstern Schmerze vertrauter, die Nebel zerstreuet, und alle Zugänge meiner Seele den Eindrücken der Zärtlichkeit wiederum öffnet. Der Trieb der Selbsterhaltung erwacht, da ich etwas Kostbarers zu erhalten habe, als mich, und es durch mich zu erhalten habe. Lassen Sie sich, mein Fräulein, das Wort Mitleid nicht beleidigen. Von der unschuldigen Ursache unsers Unglücks, können wir es ohne Erniedrigung hören. Ich bin diese Ursache; durch mich, Minna, verlieren Sie Freunde und Anverwandte, Vermögen und Vaterland. Durch mich, in mir müssen Sie alles dieses wiederfinden, oder ich habe das Verderben der Liebenswürdigsten Ihres Geschlechts auf meiner Seele. Lassen Sie mich keine Zukunft denken, wo ich mich selbst hassen müßte. – Nein, nichts soll mich hier länger halten. Von diesem Augenblicke an, will ich dem Unrechte, das mir hier widerfährt, nichts als Verachtung entgegen setzen. Ist dieses Land die Welt? Geht hier allein die Sonne auf? Wo darf ich nicht hinkommen? Welche Dienste wird man mir verweigern? Und müßte ich sie unter dem entferntesten Himmel suchen: folgen Sie mir nur getrost, liebste Minna; es soll uns an nichts fehlen. – Ich habe einen Freund, der mich gern unterstützet. –
    { ‡ }
Sechster Auftritt
    Ein Feldjäger. Von Tellheim. Das Fräulein. Franziska.
    Franziska
indem sie den Feldjäger gewahr wird. St! Herr Major –
    Von Tellheim
gegen den Feldjäger. Zu wem wollen Sie?
    Der Feldjäger
. Ich suche den Herrn Major von Tellheim. – Ah, Sie sind es ja selbst. Mein Herr Major, dieses Königliche Handschreiben Das er aus seiner Brieftasche nimmt. habe ich an Sie zu übergeben.
    Von Tellheim
. An mich?
    Der Feldjäger
. Zufolge der Aufschrift –
    Das Fräulein
. Franziska, hörst du? – Der Chevalier hat doch wahr geredet!
    Der Feldjäger
indem Tellheim den Brief nimmt. Ich bitte um Verzeihung, Herr Major; Sie hätten es bereits gestern erhalten sollen; aber es ist mir nicht möglich gewesen, Sie auszufragen. Erst heute, auf der Parade, habe ich Ihre Wohnung von dem Lieutenant Riccaut erfahren.
    Franziska
. Gnädiges Fräulein, hören Sie? – Das ist des Chevaliers Minister. – »Wie heißen der Minister, da draus auf die breite Platz?« –
    Von Tellheim
. Ich bin Ihnen für Ihre Mühe sehr verbunden.
    Der Feldjäger
. Es ist meine Schuldigkeit, Herr Major.
    Geht ab.
    { ‡ }
Siebender Auftritt
    Von Tellheim. Das Fräulein. Franziska.
    Von Tellheim
. Ah, mein Fräulein, was habe ich hier? Was enthält dieses Schreiben?
    Das Fräulein
. Ich bin nicht befugt, meine Neugierde so weit zu erstrecken.
    Von Tellheim
. Wie? Sie trennen mein Schicksal noch von dem Ihrigen? – Aber warum steh ich an, es zu erbrechen? – Es kann mich nicht unglücklicher machen, als ich bin; nein, liebste Minna, es kann uns nicht unglücklicher machen; – wohl aber glücklicher! – Erlauben Sie, mein Fräulein! Erbricht und lieset den Brief, indes daß der Wirt an die Szene geschlichen kömmt.
    { ‡ }
Achter Auftritt
    Der Wirt. Die Vorigen.
    Der Wirt
gegen die Franziska. Bst! mein schönes Kind! auf ein Wort!
    Franziska
die sich ihm nähert. Herr Wirt? – Gewiß, wir wissen selbst noch nicht, was in dem Briefe steht.
    Der Wirt
. Wer will vom Briefe wissen? – Ich komme des Ringes wegen. Das gnädige Fräulein muß mir ihn gleich wiedergeben. Just ist da, er soll ihn wieder einlösen.
    Das Fräulein
die sich indes gleichfalls dem Wirte genähert. Sagen Sie Justen nur, daß er schon eingelöset sei; und sagen Sie ihm nur von wem; von mir.
    Der Wirt
. Aber –
    Das Fräulein
. Ich nehme alles auf mich; gehen Sie doch!
    Der Wirt geht ab.
    { ‡ }
Neunter Auftritt
    Von Tellheim. Das Fräulein.

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