005 - Gekauftes Glück
angedeutet, sie habe geträumt, daß sie ihn eines Tages wiedersehen und den zwischen ihnen entstandenen Bruch überbrücken könne, doch für den Augenblick war sie mit dem Wissen, daß es ihm gutging, zufrieden gewesen.
Patrick machte eine ungeduldige Geste, als er an Marys -nein, jetzt Marias, wie er sich im stillen korrigierte - Tragödie und die Westmonts dachte. Welche eine Verschwendung von Jahren, welch ein schrecklicher Schritt, eine liebende Mutter von ihrem Sohn zu trennen! Und nicht zum erstenmal in all den vergangenen Jahren fragte er sich, wer dafür verantwortlich war, wer es gewesen sein mochte, der sie vor all den vielen Jahren angeschwärzt hatte. Plötzlich war er jedoch nicht mehr gewillt, sich mit alten Geheimnissen zu befassen. Dank des Briefes der Contessa war ein ihn viel mehr betreffendes Geheimnis aufgeklärt worden. Ashleigh lebte!
Irgendwie hatte er die ganze Zeit das Gefühl gehabt, daß sie nicht bei dem Brand ums Leben gekommen war, und nun hatte er den Beweis für diese Annahme. Zum erstenmal seit Monaten konnte er sich gezielt auf die Suche nach der Schwester machen. Er weigerte sich, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß Ashleigh in den seit dem Feuer vergangenen zwölf langen Jahren gestorben sein konnte oder, Gott allein mochte es wissen, von einem anderen schrecklichen Los heimgesucht worden war. Die Kleine lebte, davon war er fest überzeugt, und nun mußte er sie nur noch ausfindig machen. Er war entschlossen, Bretts Einladung, in Ravensford Hall zu wohnen, anzunehmen und dann am nächsten Morgen ernsthaft die Suche nach Ashleigh zu beginnen. Der Herzog hatte ihm auch in dieser Beziehung seine Unterstützung zugesagt, und Patrick gedachte nicht, diese abzulehnen. Und, bei Gott, diesmal würde er sie finden!
14. KAPITEL
Ashleigh bahnte sich einen Weg durch die Menge der sich im Salon unterhaltenden Gäste, blieb hie und da einen Moment lauschend stehen oder lächelte höflich, wenn jemand eine Bemerkung zu ihr machte. Von Zeit zu Zeit gab sie den routiniert servierenden Lakaien ruhig Anweisungen, wenn sie gesehen hatte, daß einem Gentleman nachgeschenkt oder ein Tablett mit Erfrischungen wieder gefüllt werden mußte. Diese Betätigung war die ihrer Meinung nach leichteste Aufgabe einer Gastgeberin. Alles, was sie zu tun hatte, war, sich vorzustellen, sie sei einer der Gäste, und der Rest ergab sich dann von selbst. Was sie nicht erkannte, war die Tatsache, daß sie für diese Rolle eine naturbegabte Kandidatin war. Sie hatte zwar nur die ersten sieben Jahre ihres Lebens in einer vornehmen Umgebung zugebracht, doch die damals erhaltene Grundlage, verbunden mit der ihr angeborenen Intelligenz und der ererbten Fähigkeit, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen, war mehr als adäquat, um sie eine Rolle ausfüllen zu lassen, die sich anzueignen andere Leute ein Leben lang vergebens versuchen mochten. Es ist eine Kunst, anderen Menschen das Gefühl des Wohlbefindens und Willkommenseins zu vermitteln, und in dieser Hinsicht war Ashleigh St. Clair eine Künstlerin, ohne sich dessen bewußt zu sein.
Sie sah Christopher Edwards sich von der Stelle her nähern, wo er zuvor im Gespräch mit Pamela Marlowe gestanden hatte. „Ah, da sind Sie ja", sagte er. „Ich habe Pamela gegenüber geäußert, daß ich hoffte, wir seien nicht gezwungen, Sie zu suchen."
„Mich zu suchen? Nanu, Christopher, bisher war ich für jeden vorhanden, der mich brauchte ..."
„Oh, ja, natürlich." Er lächelte. „Und Brett hätte sich keine perfektere und charmantere Gastgeberin wünschen können. Allerdings bin ich der Überzeugung, daß er Sie kaum verdient hat. Aber, nein, worauf ich mich bezogen hatte, war unser Wunsch, das heißt Lady Pamelas und meiner, uns so unauffällig wie möglich zurückziehen zu können."
„Sie wollen abreisen?"
„Ich befürchte ja, obwohl der charmant enttäuschte Ausdruck in Ihrem schönen Gesicht mich beinahe überreden könnte, noch zu bleiben."
„Oh, warum bleiben Sie dann nicht? Das Dinner verspricht ..."
„Ah, ja, ich bin sicher, es wird eine kulinarische Köstlichkeit sein, doch verstehen Sie, es ist Pamela, die sich zurückziehen möchte, und ich habe ihr versprochen, sie nach Hause zu begleiten."
Ashleigh blickte dem Earl über die Schulter und sah Pamela Marlowe herüberschauen, einen unglücklichen Schimmer in den Augen. „Ich verstehe", sagte sie ruhig. „Nun, ich weiß nicht genau, wo Brett jetzt ist, aber ..."
„Guter Gott, Ashleigh",
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