005 - Gekauftes Glück
verstehe nicht, was Sie meinen, Euer Gna... Brett."
„Nein?" fragte er scharf, während er rasch die Entfernung zwischen sich und Miss St. Clair verringerte. „Nun, dann erlauben Sie mir, Ihnen diesen Namen zu buchstabieren. Der Name, den Sie lieber aussprechen würden ..." In der Pose eines Schauspielers, der einen Monolog abliefert, streckte Brett die Hand mit dem Glas aus. „... der Ihnen leicht von der Zunge kommen würde, lautet er nicht ...
Christopher?"
Beim Stellen dieser Frage war ein kurzes, verbittertes Lächeln um die Mundwinkel des Herzogs gezuckt, und sein auf Ashleighs Augen gerichteter Blick war kalt und grausam. Die Unterstellung war so weit von allem entfernt, womit Ashleigh gerechnet hatte, daß sie kurz und scharf einatmete, ehe sie erwiderte: „Wieso ... wieso ... nein, ich ... wie kommen Sie darauf, mich so etwas zu fragen?"
Brett seufzte, stellte das Glas auf dem Nachttisch ab und schlenderte zum Fenster, sich ganz den Anschein gebend, als habe er die Frage nicht gehört. „Sie haben Christopher Edwards soeben zu seiner Kutsche begleitet. Warum?"
Unmut erwachte in Ashleigh über die ihr ständig gestellten Fragen. Sie ging einige Schritte weiter in das Zimmer, stemmte die Hände auf die Hüften und sah, wie der Duke, zum Fenster hinaus. „Um genau zu sein, ich habe sowohl Seine Lordschaft als auch Lady Pamela Marlowe zur Kutsche begleitet. Die Dame hatte, wie es schien, genug von Ihrem unbekümmert schlechten Benehmen, und bat darum, nach London zurückgebracht zu werden."
Brett wirbelte zu Miss St. Clair herum, und der Ausdruck seiner blaugrünen Augen war drohend. „Ah, das Kätzchen hat Krallen, sieh einer an! Nun, vielleicht machen Sie sich die Mühe, hübsches Kätzchen, mich darüber aufzuklären, was ich getan habe, um mir solch verdammende Worte einzuhandeln."
Er stand jetzt sehr nah vor Ashleigh. Sie entschied sich jedoch, sich durch seine Nähe nicht einschüchtern zu lassen, hielt seinem Blick stand und sagte aufgebracht:
„Welche Art Mann sind Sie, Ihre Mätresse an dem Tag hierher einzuladen, an dem Sie Ihre Verlobung mit einer anderen Frau bekanntgeben?"
„Ha!" rief er aus und schaute Miss St. Clair finster an. „Und welche Art Frau sind Sie, daß Sie mit einem der verrufensten Roués in England flirten und vor ihm die Kokette spielen können, obwohl Sie hier offiziell die Gastgeberin und Empfängerin der Großzügigkeiten eines anderen Mannes sind?"
„Kokette! Flirten!" wiederholte Ashleigh empört.
„Das waren, wie ich mich erinnere, die von mir benutzten Worte. Sie müssen sie nicht wie ein Papagei wiederholen. Und was Ihre Anschuldigungen hinsichtlich meiner armen, gekränkten Mätresse betrifft, so vergessen Sie sie auf der Stelle! Es war Pamela Marlowes Idee, nicht meine, hier mit halb London im Schlepptau aufzutauchen! Als ich sie zum letzten Male in der Stadt sah, habe ich ihr unmißverständlich klargemacht, daß die Sache zwischen uns aus und vorbei ist und daß sie frei sei, andere Liaisons zu haben. Aber hat dieses Miststück sich damit begnügt? Oh, nein, sie mußte ... welch hochgradiger Schwachsinn! ... eine Karawane von Leuten herschleppen, Christopher Edwards eingeschlossen, um meinen Geburtstag zu feiern."
Erschrocken über diese hitzig vorgetragene Enthüllung, merkte Ashleigh, daß der Herzog ihr den Wind aus den Segeln genommen hatte. Dann rief sie sich ins Gedächtnis zurück, was er ihr noch an den Kopf geworfen hatte, und spürte nach einem Moment, daß die Segel ihres Zornes sich wieder voll blähten. „Ich habe nicht mit Christopher Edwards geflirtet!"
„Nein?"
„Nein! Und was wäre, wenn ich es getan hätte?" fügte sie hinzu, und die berechtigte Entrüstung steigerte ihren Zorn. Was ging es den Herzog an, mit wem sie flirtete? Er war nur ihr Dienstherr, nicht mehr. Sie beide wußten, daß seine angebliche Vormundschaft nur eine Erfindung war. „Ich verbitte mir, daß Sie mir vorschreiben wollen, mit wem ich flirten oder reden darf! Sie haben nicht das Recht ..."
„Ich hätte nicht das Recht? Sie verdammte kleine Närrin! Das Recht ist ganz auf meiner Seite, denn ich habe das Recht desjenigen, der Sie der Ehre beraubt hat und dafür sorgen muß, daß sie irgendwie wiederhergestellt wird. Ich habe Ihnen gesagt, Christopher Edwards sei ..." Brett hielt inne, als ihm plötzlich auffiel, daß Miss St. Clair die Farbe im Gesicht verloren hatte und ein bestürzter Ausdruck in ihren Augen erschienen war, nachdem er auf das
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