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005 - Gekauftes Glück

Titel: 005 - Gekauftes Glück Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Unbekannt
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Cottage des Hausmeisters hielt Patrick Sinclair einen vergilbten Umschlag, den Jemmy Stokes ihm soeben überraschenderweise übergeben hatte, in der Hand und schaute erstaunt den vor ihm stehenden alten Mann an. „Jemmy", sagte er, „warum, um Himmels willen, hat deine Frau mir, als ich vor einigen Monaten hier war, nichts von der Existenz dieses Briefes gesagt?"
    „Weil sie nichts davon wußte", antwortete der Alte. „Die Lady hat ihn mir nur gegeben, damit ich ihn für Sie aufhebe, und dann gesagt, ich dürfe ihn niemand anderem überlassen."
    „Nun gut", sagte Patrick. „Dann breche ich jetzt auf. Ich werde einige Tage in Ravensford Hall wohnen, falls jemand sich mit mir in Verbindung setzen will. Danach
    ... nun, das Stück Papier, das ich dir gegeben habe, enthält meine Londoner Adresse und ebenso die meines Hauses in Amerika. Hm, kann jemand hier lesen?"
    Jemmy schüttelte den Kopf. „Nein, Sir, aber der Vikar kann uns behilflich sein, falls wir die Unterstützung von jemandem brauchen, der gebildet ist."
    „Gut", sagte Patrick. „Nun, dann gehe ich jetzt. Es ist nicht nötig, mich zur Tür zu begleiten. Lebt wohl, meine Freunde, und nochmals herzlichen Dank." Sobald er das Cottage verlassen und sich in den Sattel seines Pferdes geschwungen hatte, warf er einen letzten Blick auf den Ort, wo er als Junge viele glückliche Stunden verlebt hatte, und lenkte dann das Tier nach Ravensford Hall. Nach einer Weile ließ er das Pferd im Schritt gehen und griff ungeduldig in die Tasche, wo er den Brief eingesteckt hatte. Rasch riß er den Umschlag auf, entfaltete die vergilbten Blätter und begann zu lesen.
    Mein lieber Patrick,
    ich habe keine Ahnung, wann dieser Brief Dich erreichen wird oder ob Du ihn überhaupt je bekommst. Seit dem Brand sind mehr als zwei Monate vergangen, und die Leute meines Mannes haben mir erzählt, daß Dein Schiff längst überfällig ist. Es gibt Gerüchte, daß es bei einem Sturm mit Mann und Maus untergegangen ist.
    Natürlich ist allein die Tatsache, daß ich diese Gelegenheit wahrnehmen und noch einmal nach England zurückkehren werde, um persönlich diese Nachricht in die Obhut unserer guten Freunde zu geben, Beweis genug für meine Hoffnung, daß Dein Schiff nicht gesunken ist oder Du zumindest nicht unter denen warst, die ertrunken sind, falls es doch untergegangen sein sollte. Ich habe „noch einmal" geschrieben, weil es das letzte Mal sein wird, daß ich in das Land zurückreise, wo ich aufgewachsen bin.
    Für mich ist es entschieden zu gefährlich geworden, nach England zu fahren, und mit dieser Bemerkung spiele ich nicht auf die Fährnisse an, die durch den Krieg in Europa bestehen, oder sogar den Freihandel, bei dem ich Deiner Familie Unterstützung bieten konnte zum Ausgleich für die vielen mir von Dir erwiesenen Gefallen, denn wie hätte ich die erfreulichen Mitteilungen und die anderen herzerwärmenden Nachrichten über meinen Sohn erhalten sollen, wenn nicht durch Deine Hilfe? Die Gefahr, von der ich sprach, hat mit etwas bei weitem Unheilvollerem zu tun denn nur den Drohungen, die von den Regierungen im In- und Ausland ausgestoßen werden.
    Es hat etwas mit dem Bösen zu tun, das ich bevorstehen fühle.

    Der Brand, in dem Deine Eltern umgekommen sind, wurde absichtlich gelegt, dessen bin ich mir ganz sicher. Die Tatsache, daß er in meinem Zimmer ausbrach, hat mich zu der Überzeugung gebracht, daß damit die Absicht verbunden war, mich zu töten und nicht die unschuldigen Menschen, die durch ihn ums Leben gekommen sind.
    Der einzige Grund, warum ich mit Deiner Schwester und ihrem Kindermädchen Maud dem Feuer entkommen bin, ist der Umstand, daß ich mich in jener Nacht im Kinderzimmer aufgehalten habe. Die kleine Ashleigh hatte wieder einmal einen Alptraum über das arme Pferd gehabt, das damals auf der Kirmes vor ihren Augen mißhandelt wurde, und ich hatte mich bemüht, sie mit einem kleinen italienischen Lied wieder in den Schlaf zu singen. Wie Du weißt, war das Kinderzimmer ein beträchtliches Stück von den anderen Schlafräumen entfernt. Daher hat es eine geraume Weile gedauert, bis das Feuer zu uns vorgedrungen war. Dennoch ist es uns nur mit Müh und Not gelungen, das Leben zu retten. Aber, ach, zu diesem Zeitpunkt war das übrige Haus bereits ein Flammenmeer, und es gab keine Hoffnung mehr, die anderen Bewohner zu retten. Die Reitknechte, Stallburschen und die anderen, deren Quartiere vom Haupthaus entfernt lagen, haben erklärt, sie hätten die

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