005 - Gekauftes Glück
Vaters nach Italien geschickt worden, mit dem Bemerken, die Scheidung würde bald erfolgen. Ihr Sohn war natürlich beim Vater geblieben, und kein Bitten, Flehen oder Argumentieren hatte den Sinn des alten Herzogs zu ändern vermocht.
Alles übrige von Marys Geschichte kannte Patrick aus eigenem Erleben. Ehe viel Zeit verstrichen war, hatte Edward ein weiteres Mal geheiratet. Mehrere Jahre später waren er, seine zweite Gemahlin und sein Sohn bei einem Kutschenunfall getötet worden. Dann war Brett zur See geschickt worden, und Patrick mit ihm, als zu seiner Gesellschaft bestimmter Kajütjunge.
Nach der Heimkehr hatten Patrick und seine Eltern überraschend Besuch von der Frau bekommen, die sie als Mary Westmont, Bretts Mutter, kannten. Es war eher ein Schock denn eine Überraschung gewesen, denn sie war gänzlich unerwartet eines Nachts in Begleitung von Jemmy Stokes erschienen, das Gesicht rußgeschwärzt und als italienischer Seemann verkleidet.
Stokes war bereits an den Geschäften beteiligt gewesen, denen sich viele unternehmungslustige Engländer widmeten - und zwar dem Schmuggel mit Gütern, die unerhört hoch besteuert wurden. In dem Verteilernetz, das sich der englischen Küste entlang und von dort ins Landesinnere erstreckte, hatten jahrzehntelang ansonsten treue und aufrechte Bürger ihre Freiheit und ihr Leben riskiert, um die übrigen Untertanen des Königs mit solchen Waren wie Tee, Seife, Gewürze, Tabak, Cognac und Stoffe zu Preisen zu versorgen, die sie sich nur ohne Zollabgaben leisten konnten. Der Schmuggel war zu einem wichtigen Erwerbszweig geworden, von dem, besonders zu Kriegszeiten, ganz England abhing. In der Tat, hätte es nicht die Befürworter des Freihandels gegeben, wie Patrick von seinen Eltern erfahren hatte, sobald er alt genug gewesen war, um sich am Schmuggel zu beteiligen, dann wären viele legitime Unternehmen oder Industriezweige nicht imstande gewesen zu überleben.
Deshalb hatten Patricks Eltern, weitestgehend aus dem Grund, weil sie Schwierigkeiten hatten, sich finanziell über Wasser zu halten, sich mit einigen Einheimischen in Verbindung gesetzt, die am Freihandel beteiligt waren, und sich ihnen angeschlossen, und Patrick hatte das gleiche getan, nachdem er von seiner Ausbildung auf See heimgekehrt war.
Er konnte sich noch gut des Erstaunens erinnern, das sich in jener Nacht, als Mary Westmont am Arm von Jemmy Stokes und mit der festen Absicht erschienen war, ihre Schmuggelware in das im Keller unter den Stallungen gelegene Versteck zu bringen, in allen Gesichtern gespiegelt hatte. Der Grund für diesen Entschluß war natürlich noch viel erstaunlicher gewesen. Es war ihr keineswegs um einen finanziellen Vorteil gegangen. Sie hatte den sie verehrenden italienischen Gatten bewogen, durch eine seiner vielen geschäftlichen Beziehungen diese Verbindung für sie zu schaffen, damit sie selbst auf diesem Wege heimlich in das Land gebracht wurde, wo noch immer der von ihr verzweifelt vermißte Sohn lebte, nur um hin und wieder aus erster Hand etwas über ihn zu erfahren und sogar, wenn sie Glück hatte, gelegentlich einen flüchtigen Blick aus der Ferne auf ihn werfen zu können.
Nachdem Patricks Eltern ihre Geschichte gehört hatten und da sie stets bereit waren, einem ihnen befreundeten Menschen zu helfen, hatten sie sich gern einverstanden erklärt, Mary bei deren kurzen Besuchen im Haus wohnen zu lassen.
Sie hatten sie sehr gern gehabt, als sie noch als Nachbarin in Ravensford Hall gelebt hatte, wohingegen sie den kalt wirkenden Herzog, Marys Schwiegervater, und dessen noch frostigere Schwester ganz und gar nicht hatten ausstehen können. Zu hören, was Mary durch die Lieblosigkeit des Duke of Ravensford und Lady Margaret widerfahren war, hatte das entrüstete Mitgefühl von Patricks Eltern geweckt. Und so hatte Mary die Möglichkeit bekommen, über ihren Sohn zu wachen.
Natürlich war Patrick zur Geheimhaltung verschworen worden, ganz besonders in bezug auf Brett Westmont. Mary hatte beschlossen, ihn möglichst aus dem Spiel zu lassen, da sie Repressalien seitens der Westmonts befürchtete, falls ihnen zu Ohren kommen sollte, welcher Umtriebe sie sich befleißigte. Außerdem war sie in jenen Jahren nicht allzu enthusiastisch gewesen, wieder irgendeine Art von persönlicher Beziehung zu ihrem Sohn herzustellen, weil sie erfahren hatte, welche Einstellung zu Frauen im allgemeinen und ihr im besonderen ihm von seinem Großvater anerzogen worden war. Manchmal hatte sie
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