0399 - Merlin erwacht
neuen Überraschungen rechnen, haben wir weniger Raum. Wir würden schließlich zwischen Trümmern leben, ohne Dach über dem Kopf, ohne feste Wände – in dieser Kälte, Terrek! Das geht nicht…«
»Man könnte heizen«, sagte Terrek. »Man könnte eine Schutzkuppel über der Stadt errichten…«
»Das ist utopisch«, wehrte Gatnor ab. »Und ich bin sicher, daß es nichts nützen wird. Die Grenze der Entropie sprechen dagegen. Diese Ruinenstadt ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt – sie bildet um sich einen festen Bereich, aber dafür zerstört sie sich selbst. Ich bin sicher, daß es damit vorbei wäre, würden wir größere Eingriffe vornehmen. Nun, Terrek, unsere Generation wird die Zerstörung der Welt nicht mehr erleben, vielleicht auch die übernächste nicht. Es ist eine Frage der Temperatur. Sie steigt einerseits in bestimmten Bereichen durch den Anstieg der Entropie, und andererseits kommt die fressende Kälte aus den Bereichen der Auflösung. Vielleicht lebt keiner von uns mehr, Jahrhunderte ehe die Welt endgültig zerfällt. Wir können sie nicht mehr stabilisieren, deshalb halte ich es für besser, den einmal eingeschlagenen Weg zu verfolgen und in die andere Welt hinüberzugehen. Wir wissen jetzt, daß sie existiert und wie ungeheuer stabil sie ist. Sie wird uns eines Tages aufnehmen können.«
»Gatnor von den Sümpfen, du bist ein Träumer«, sagte Terrek leise.
»Du glaubst immer noch, daß wir es schaffen können, den Entropiewert entsprechend zu verändern?«
»Ein erster Versuch gelang damals, als wir das Tor schufen und das Tier… nein, diese intelligente Säugerin herüberholten«, sagte Gatnor.
»Wir müssen diesen Weg weiterverfolgen. Notfalls heimlich. Wir müssen uns der Kontrolle von Reek Norr und seiner Behörde entziehen und im Verborgenen arbeiten. Das wird natürlich schwierig, da Norr und seine Leute alle technischen und magischen Möglichkeiten haben, unsere Experimente wahrzunehmen.«
»Norr selbst ist jetzt in der anderen Welt, mit der Null-Entropie, nicht wahr?«
Gatnor nickte.
»Es wird Zeit, daß er zurückkehrt«, sagte er. »Er ist ebenso ein Träumer, ein Idealist. Er kann uns helfen.«
Terrek starrte ihn entgeistert an. »Helfen? Uns? Norr? Gatnor von den Sümpfen, hast du vergessen, wie Reek Norr der Priesterschaft gegenüber eingestellt ist? Er sähe uns lieber heute als morgen verboten, und er ist gegen unsere Experimente…«
»… aber auch er will unsere Welt retten, und man kann mit ihm herrlich streiten«, stellte Gatnor fest. »Und aus Streit sind schon oft die besten Ideen hervorgegangen. Mögen er und seine Leute und wir uns gegenseitig mit den radikalsten Mitteln bekämpfen, wie es schon vorkam – wenn wir Norr nicht hätten, sähe es bei weitem nicht so gut aus.«
Er straffte sich.
»Aber nun laßt uns gehen und die Gründungsfeier begehen. Das Ritual wartet, ich fürchte, wir haben nicht viel Zeit. Die Kälte lähmt den Herzschlag und die Gedanken. Gedenken wir derer, die einst das Unmögliche schufen und die Welt vor der Vernichtung bewahrten, als diese Stadt aus dem Nichts kam. Gedenken wir derer, deren Nachfahren wir sind, derer, die einst die Priesterschaft der Kälte gründeten, als die Welt im Schneechaos versank.«
Er winkte den anderen.
Die weißgekleideten Priester der Kälte folgten ihm in das Heiligtum.
Unter ihren Schritten zerfielen weitere Steine zu pulverigem Staub…
***
Nicole Duval sah sich derweil einer anderen Schwierigkeit gegenüber.
Der Weg nach oben war versperrt…
Sie saßen in der Falle und kamen nicht hinaus. Was nützte es ihnen, daß die menschenfressenden Gnome ausgelöscht worden waren? Es gab nur einen Weg, und der führte in die Schwärze, aus der diese kleinen Bestien gekommen waren. Als sich diese schwarze Öffnung bildete, war es dadurch geschehen, daß ein geräuschloser Mechanismus die Rampe angehoben hatte, über die Nicole in die Tiefe gekommen war. Diese Rampe bildete jetzt mit ihrer Unterfläche die Decke über dem Vorraum und schloß nahtlos ab.
Und es war fraglich, ob es einen brauchbaren Weg gab, der durch die Schwärze in die Freiheit führte. Es störte Nicole, daß absolut nicht zu sehen war, was sich dahinter befand. Das Licht der Fackel reichte nicht, auch nur einen halben Meter weit in den Raum hinter dem Durchgang zu leuchten. Selbst als sie den Dhyarra-Kristall Licht aussenden ließ, drang dieses nicht durch.
Dieses Phänomen war natürlich nicht dazu angetan, die
Weitere Kostenlose Bücher