09 - Befehl von oben
versucht, mit einem Schlag den Wohlstand seines Landes zu verbessern, und gedroht, den Einsatz durch einen Angriff gegen Saudi-Arabien noch zu verdoppeln - warum er dann an der kuwaitisch-saudischen Grenze haltgemacht hatte, würde wohl für immer unerklärt bleiben. Am leichtesten zu verstehen war, daß der Grund für das Ganze das Öl war und der aus Öl resultierende Reichtum.
Aber da ging es um noch mehr. Hussein war es, wie einem Mafiachef, kaum um mehr als Geld gegangen und um die politische Macht, die Geld erzeugt. Der Iran war da etwas weitsichtiger.
Alle Völker um den Golf herum sind islamisch, die meisten von ihnen sehr strenggläubig. Ausnahmen bilden Bahrain und Irak. In ersterem sind die Ölvorkommen zur Neige gegangen, und das Land - im Grunde ein Stadtstaat auf einer Insel, durch einen Straßendamm mit Saudi-Arabien verbunden - hat sich der Aufgabe gewidmet, wie sie Nevada in den westlichen USA erfüllt, ein Ort also, wo ansonsten gültige Regeln außer Kraft sind, wo in günstiger Entfernung vom restriktiveren Zuhause getrunken, gespielt und sonstigen Vergnügungen gefrönt werden kann.
Was die zweite Ausnahme betrifft: Der Irak war ein säkularer Staat mit magerem Lippenbekenntnis zu seiner Staatsreligion, und das erklärte größtenteils das Ableben seines Präsidenten nach langer, bewegter Karriere.
Doch der Schlüssel zu dieser Region ist, war und wird immer sein: die Religion. Das Königreich Saud war lebendiges Herz des Islam. Der Prophet war dort geboren. Die heiligen Städte Mekka und Medina lagen dort, und von diesem Ursprungsort aus hatte sich eine der größten religiösen Bewegungen der Welt ausgebreitet. Es ging weniger um Öl als um den Glauben. Saudi-Arabien gehörte zum sunnitischen Zweig und Iran zum schiitischen. Ryan waren einmal die Unterschiede erklärt worden, doch sie waren ihm damals so minimal erschienen, daß er sich keine Mühe gegeben hatte, sie sich einzuprägen. Das, sagte sich der Präsident jetzt, war töricht gewesen. Die Unterschiede waren groß genug, um zwei bedeutende Länder zu Feinden zu machen, und größer mußte eine Differenz gar nicht sein. Es ging nicht um Reichtum an sich. Es ging um eine andere Art Macht, die Art, die aus dem Verstand und dem Herzen erwächst - und von da zu etwas anderem führt. Öl und Geld machten den Kampf nur für Außenstehende interessanter.
Viel interessanter. Die industrielle Welt war abhängig vom diesem Öl. Jeder Staat am Golf fürchtete den Iran ob seiner Größe, seiner hohen Einwohnerzahl und des religiösen Eifers seiner Bevölkerung. Die Sunniten fürchteten ein erkennbares Abgleiten vom rechten Weg des Islam.
Alle anderen fürchteten sich davor, was mit ihnen geschehen würde, wenn >Häretiker< die Kontrolle über die Region erlangten, denn der Islam ist ein umfassendes System von Glaubenslehren, das sich auf Rechtsprechung und Politik sowie jegliche andere Form menschlicher Betätigung erstreckt. Für den Muslim ist das Wort Gottes oberstes Gesetz. Für den Westen, daß seine Wirtschaft funktioniert. Für die Araber - der Iran ist kein arabisches Land - ist es die grundlegendste Frage: die Stellung eines Mannes vor seinem Gott.
»Ja, Mr. President«, sagte Prinz Ali bin Sheik nach einer Weile, »sie werden etwas unternehmen.«
Seine Stimme war bewundernswert ruhig, doch Ryan spürte, daß er innerlich alles andere war. Die Saudis hatten nie gewollt, daß der Präsident des Irak stürzte. Feind, der er war, Abtrünniger, der er war, Aggressor, der er war, hatte er für die Nachbarn doch einen nützlichen strategischen Zweck erfüllt. Der Irak diente lange als Puffer zwischen den Golfstaaten und dem Iran. In diesem Fall spielte Religion zweite Geige zur Politik, was wiederum einen religiösen Zweck erfüllte. Durch Abkehr vom Worte Allahs hatte der Irak seine mehrheitlich schiitische Bevölkerung aus dem Spiel genommen, und die zweifache Grenze mit Kuwait und dem Königreich war eher politisch denn religiös. Doch wenn die Ba'ath-Partei mit ihrem Führer fiel, würde der Irak zu einem von der religiösen Mehrheit bestimmten Leben zurückkehren. Dann würde ein schiitisches Land an dieser Grenze entstehen, und Führer des schiitischen Zweiges des Islam war der Iran.
Der Iran würde etwas unternehmen, denn das tat der Iran schon seit Jahren. Die Religion, die von Mohammed geprägt worden war, hatte sich von der Arabischen Halbinsel bis nach Marokko im Westen und zu den Philippinen im Osten ausgebreitet und war durch die
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