09 - Befehl von oben
Entwicklung der modernen Welt in jedem Land der Erde vertreten. Der Iran hatte seine große Bevölkerung und seinen Reichtum dazu genutzt, führende islamische Nation zu werden, indem er muslimische Geistliche zum Studium in seine eigene heilige Stadt Ghom brachte, indem er politische Bewegungen überall in der islamischen Welt finanzierte und indem er islamische Völker, die Hilfe benötigten, mit Waffen versorgte - die bosnischen Muslime waren ein solcher Fall und keinesfalls der einzige.
»Anschluß«, dachte Adler laut. Prinz Ali sah ihn an und nickte.
»Haben wir einen Plan, das zu verhindern?« fragte Jack. Er kannte die Antwort. Nein, niemand hatte einen. Darum war auch der Golfkrieg nur mit begrenztem militärischem Ziel geführt worden, zu dem keinesfalls die Vernichtung des Aggressors gehört hatte. Die Saudis, die von Anfang an die strategischen Ziele des Krieges festgelegt hatten, hatten es Amerika und den Verbündeten nie gestattet, auch nur darüber nachzudenken, nach Bagdad vorzustoßen, und das trotz der Tatsache, daß durch den Einsatz der irakischen Armee in und um Kuwait die irakische Hauptstadt so ungeschützt war wie ein Nudist am Strand. Ryan hatte sich damals, beim Verfolgen der Diskussionen in Nachrichtensendungen, gewundert, daß kein einziger der Kommentatoren bemerkte, ein regulärer Feldzug hätte Kuwait gänzlich ignoriert, Bagdad eingenommen und dann gewartet, daß die irakische Armee die Waffen aufstapelte und sich ergab. Nun, es konnte eben nicht jeder eine Karte lesen.
»Eure Hoheit, welchen Einfluß können Sie dort geltend machen?« wollte Ryan als nächstes wissen.
»Praktisch gesehen? Sehr wenig. Wir werden die Hand der Freundschaft ausstrecken, Kredite anbieten - gegen Ende der Woche werden wir Amerika und die UNO ersuchen, Sanktionen aufzuheben, mit der Absicht, die wirtschaftlichen Bedingungen zu verbessern, aber ...«
»Ja, aber«, stimmte Ryan zu. »Eure Hoheit, bitte lassen Sie uns wissen, was Sie an Informationen erhalten! Amerika steht unverändert zu seiner Sicherheitsgarantie für das Königreich.«
Ali nickte. »Ich werde das meiner Regierung übermitteln.«
*
»Hübsch professionelle Arbeit«, stellte Ding fest, während er sich die elektronisch aufbereitete Wiederholung anschaute. »Bis auf eine Kleinigkeit.«
»Ja, es macht sich gut, sein Gehalt vor der Testamentseröffnung zu kassieren.« Clark war einst jung und zornig genug gewesen, in Begriffen zu denken wie der Schütze, dessen Tod er gerade wiederholt gesehen hatte, doch mit zunehmendem Alter war er umsichtiger geworden. Jetzt wollte Mary Pat, hörte er, daß er sich nochmals um einen Auftritt im White House bemühte, und er überflog wieder ein paar Dokumente.
Versuchte es jedenfalls.
»John, schon mal was über die Assassinen gelesen?« fragte Chavez, während er den Fernseher mittels Fernbedienung ausschaltete.
»Ich hab' den Film gesehen«, erwiderte Clark, ohne den Blick zu heben. »Das waren recht arge Typen. Mußten sie sein. Mit einem Schwert oder
einem Messer, na ja, da mußt du schon ziemlich dicht ran, um den Auftrag auszuführen. Entschiedenen Willens, wie wir im 7th Light zu sagen pflegten.« Chavez stand noch kurz vorm Masters-Diplom im Fach Internationale Beziehungen, doch er segnete alle Bücher, die Professor Alpher ihn gezwungen hatte zu lesen. Er machte eine Handbewegung zum Fernsehapparat hin. »Dieser Bursche war wie einer von denen, eine zweibeinige Smart-Bomb - man zerstört sich selbst, aber zuerst vernichtet man sein Zielobjekt. Die Assassinen waren der erste Terroristen-Staat. Ich glaube, die Welt war damals noch nicht bereit für dieses Konzept, doch ein kleiner Stadtstaat konnte eine ganze Region beherrschen, einfach weil sie einen ihrer Leute an jeden Beliebigen nah genug ranbekommen konnten, so daß der Job erledigt wurde.«
»Vielen Dank für die Geschichtsstunde, Domingo, aber ...« »Denk doch, John! Wenn sie nah genug an den herankommen konnten, dann kommen sie an jeden nah genug dran. Für 'nen Diktator gibt's keine Rentenversicherung. Die Leibwache um ihn herum, die ist dicht - doch jemand hat einen Schützen so nah an ihn ranbekommen, daß der ihn in die nächste Dimension blasen konnte. Das ist unheimlich, Mr. C.«
John Clark mußte sich immer wieder daran erinnern, daß Domingo Chavez kein Doofie war. Er mochte zwar noch mit einem Akzent sprechen und er mochte immer noch Redewendungen einflechten, die aus der Zeit als Army Sergeant stammten, doch er hatte die
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