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Titel: 18 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Markus Luengen
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Anknüpfungspunkte ins Gespräch zu mischen.
    „Ghia?“ Der Bruder blieb abrupt stehen.
    „Ghia“ bestätigte ich.
    „Automatik?“
    „Automatik.“
    Er gratulierte mir mit Handschlag und wir gingen weiter. „Irgendwo kannte ich schon mal einen mit einem Granada Kombi“, sagte er beiläufig. „Hatte, glaube ich, etwas mit der Band zu tun. Du solltest ihn vielleicht mal treffen. Ich besorge dir den Kontakt.“
    Wir gingen weiter. Das Autoradio dudelte nur noch leise. „Deine Batterie ist bald am Ende“, sagte Pat, als wir an meinem Wagen vorbei gingen. Doch niemand von uns stellte das Radio ab. Wir traten in den Kreis des Feuerscheins.
    „Pat, Frank und ...“ Ich zögerte.
    „Ann“, sagte Ann.
    Alle starrten uns einen Moment an, dann ließen sie von uns ab, und unterhielten sich zwanglos weiter. Ich führte Ann zu einem freien Platz. Pat und Frank beschleunigten ihre Schritte in Richtung Bierkasten. Ich schenkte einen Becher Wein für Ann ein und holte mir ein kühles Bier. Ich ließ mich neben Ann aus dem Stand in den Schneidersitz sinken. Eine meiner Spezialübungen. Sie zeigte sich unbeeindruckt.
    „Dein Wein“, sagte ich.
    „Danke. Dein Bizeps heute morgen. Jetzt die indische Schneidersitzübung. Du gibst dir alle Mühe.“ Sie lächelte und ich nickte.
    „Dein Bruder hat mich übrigens mal hängen lassen.“ Ich erzählte kurz die Geschichte und manchmal schaute ich aus den Augenwinkeln zu Wiebke, doch sie beachtete uns nicht und saß neben Christoph. Ann lachte über die Geschichte. Sie erzählte, dass Frank eines Tages einfach aus England aufgetaucht sei, und keiner wusste wieso, und dass er jetzt bei ihrem Bruder in der Wohnung wohnte. Ohne Übergang fragte sie, wieso ich Semme hieße. Ich fand Semme normal. Mein Nachname lautet Semmberg, und alle nannten mich seit ewigen Zeiten Semme. Bei Daisy lachte auch niemand mehr.
    „Lass uns auf diesen Tag trinken“, sagte sie. Sie hob ihren Plastikbecher mit einer gewissen Eleganz, also hob ich meine Bierflasche ebenfalls, wir stießen sachte an, der Plastikbecher beulte sich leicht ein, beulte sich ploppend wieder aus und etwas Wein schwappte über ihre Finger. Beim Trinken sahen wir uns in die Augen. Sie hatte schöne Augen, und ich musste ewig weiter trinken. Sie waren etwas schräg gestellt, mit dichten dunklen Augenbrauen darüber, glatt wie Fell. Ich setzte endlich die Flasche ab und hätte gerne ausprobiert, ob ihre Augenbrauen wirklich so glatt wie Fell waren.
    Sie stellte ihren Becher ab und setzte sich aufrecht in den Sand, die Beine angezogen, die Arme darum geschlungen. Sie sah anmutig und bezaubernd aus, wie jemand, in den man sich sofort verlieben musste, und das tat ich wohl auch.

 
    Als ich mir ein neues Bier aus dem See holte, stand Frank, der zuverlässige Kabeltrommelträger, wie aus dem Nichts neben mir. Wir sahen beide hinaus aufs Wasser hinaus, und ich wartete ab, weshalb er heran gekommen war. Nach einer Weile sagte er: „Alles ist mir wieder eingefallen.“
    „Ja“, sagte ich. Ich sagte immer ‚Ja‘, wenn ich nicht wusste, was ich sagen sollte, oder wenn die Leute einfach erwarteten, dass etwas gesagt wird und ich an der Reihe war.
    „Du wolltest dich doch nie verändern, weißt du noch?“
    „Wir hatten ein Gespräch“, sagte ich. Das war alles so lange her. Was sollte ich groß dazu sagen? Der Typ sah völlig fertig aus.
    „Unser Gespräch damals in dem Geografieraum, als wir die Instrumente abgeholt haben.“
    „Pat war nicht dabei, weil er eine Wohnung besichtigt hat, in der du jetzt auch wohnst.“
    „Du hast gesagt, du wolltest dich nicht verändern, wenn es nicht unbedingt erforderlich wäre. Und ich wollte mich immer verändern.“
    „Du siehst älter aus als damals.“ In Wahrheit sah er abgewrackt aus. Er sah aus, als ob er dem Tod begegnete war.
    „Ich war in England. Dort sind Sachen passiert. Ich war plötzlich mit dem Gefühl unterwegs, ich sei erwachsen. Blödes Gefühl.“
    „Ziemlich blöd. Achtzehn und erwachsen sein.“
    „Weißt du, dass ich mal an unser Gespräch denken musste, als ich in England war? Ich hatte mir immer gedacht, wir sind die erste Generation, die nie erwachsen zu werden braucht, und wenn, dann würden wir es so machen, wie wir es wollen und viel besser als unsere Eltern. Doch dann passiert es so, wie irgendjemand anderes es will, und ich weiß nicht, ob es nicht noch beschissener als bei unseren Eltern gelaufen ist.“
    „Euer Mofa-Auftritt. Meinen Eltern hat er

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