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Ackermann tanzt

Titel: Ackermann tanzt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hiltrud Leenders
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Bäume gefesselt waren.
    »Eigentlich sagte der, drei nackte Ausländer«, berichtete Flintrop.
    Schuster verschluckte sich vor Lachen und hickste. »Was für eine Nacht!«
    Schumacher hatte urplötzlich seinen Humor verloren. »Da verarscht uns doch jemand.« Grimmig warf er einen Blick auf seine Armbanduhr. »Los, komm schon, bringen wir es schnell hinter uns. Ich bin nach dem Dienst zum Frühstück eingeladen.«
    »Hört, hört«, gluckste Schuster. »Jemand lädt dich morgens um sechs zum Frühstück ein. Das kann sich eigentlich nur um Liebe handeln. Was gibt’s denn Feines? Gekochte Landeier?«
    Die ganze Fahrt über versuchte er, Schumacher aus der Reserve zu locken, aber der schwieg beharrlich.
    »Ein feiner Freund bist du«, beschwerte Schuster sich schließlich vorwurfsvoll.
    »Ach ja? Und du?« Schumacher platzte die Hutschnur. »Du willst dich doch bloß über mich lustig machen. Das würde ich nicht gerade einen Freund nennen. Hör endlich damit auf und sag mir lieber, wo ich abbiegen muss.«
    Es wurde langsam hell und sie konnten schon von weitem den Zeitungsboten mit seinem Mofa am Sportplatz stehen sehen. Es war ein alter Mann, sicher über siebzig, der wohl mit dem Zeitungsaustragen seine Rente aufbesserte. Er nickte einen knappen Gruß und wies mit dem Finger zum Wald auf der anderen Straßenseite.
    Die drei Männer waren leicht auszumachen; ihre weißen Körper hoben sich deutlich von den nassen, schwarzen Baumstämmen ab, an denen sie standen.
    Die beiden Polizisten überquerten die Straße und gingen langsam hinüber zu den großen Buchen, die ein paar Meter vom Waldrand entfernt standen.
    Als sie näher kamen, sahen sie, dass es sich nicht um Männer handelte, sondern um Jugendliche, höchstens achtzehn Jahre alt. Ihre Beine waren mit Stricken an die Baumstämme gebunden, die Handgelenke über dem Kopf gefesselt und ebenfalls am Baum fixiert. Neben ihren Füßen lagen Kleiderbündel. Ihre Körper glänzten vor Nässe, zweien klebten die Haare am Schädel, der Dritte war kahlrasiert. Dass ihnen kalt war, konnte man nicht übersehen.
    »Прикатили! Менты поганые!!!«, schmetterte ihnen der am rechten Baum entgegen.
    »Ja, mir auch drei«, knurrte Schuster.
    »Du, ich glaube, das war Russisch!« Schumacher flüsterte.
    »Was du nicht sagst! Hast du ein Messer bei dir?«
    Schumacher zog sein Schweizer Offiziersmesser aus der Hosentasche.
    »Guten Morgen, die Herren. Was ist denn mit Ihnen passiert?«
    »Лучше заткнись. Мы все равно не понимаем по немецки«, bellte der mittlere.
    »Ты думаешь я тупой«, schnauzte der rechte zurück.
    Der Kahlköpfige am linken Baum guckte auf seine Füße und mahlte mit den Zähnen.
    Schumacher schnitt einen Jungen nach dem anderen ab und sammelte die Stricke ein. Möglicherweise brauchte man die als Beweismaterial.
    Die drei begannen hastig, sich anzuziehen, was bei den nassen Körpern und den durchweichten Kleidern gar nicht so einfach war. Ihre Springerstiefel ließen sie stehen. Man konnte riechen, warum. Jemand hatte hineingepinkelt.
    Schuster wartete, bis sie ihre Hosen zugeknöpft hatten. »So, und jetzt erzählen Sie mal«, meinte er dann.
    »Wir nix sprechen Deutsch!« Der rechte schien der Boss zu sein.
    »Das ist nicht so schlimm.« Schumacher lächelte aufmunternd. »Wir nehmen Sie mit zur Wache und dort bekommen Sie einen Dolmetscher. Das ist kein Problem.«
    »Теперь ты можешь говорить! Мы не хотим и не будем никаких заявлений писать. Мы хотим уехать«, zischte der mittlere dem Kahlkopf zu.
    Der sah die Polizisten endlich an. »Wir nix machen Anzeige. War Scherz von Freunde.«
    »Ist das Ihr Ernst? Schöne Freunde müssen das sein! Wie lange haben Sie hier schon gestanden?«
    »Nix verstehen.«
    »Ach, auf einmal? Interessant!«
    »Nix verstehen.«
    »Freundchen!« Schuster trat dicht an den Jungen heran. »Hör auf, uns zu verarschen, verstanden!«
    »Nix verstehen.«
    »Jetzt reicht’s mir aber!«, rief Schuster. »Los, haut schon ab. Macht, dass ihr Land gewinnt, aber dalli! Und nehmt eure bepissten Schuhe mit.«
    Diese Sprache verstanden sie. In null Komma nichts hatten sie ihre Jacken und ihre Stiefel zusammengerafft und waren losgerannt. Die beiden Polizisten standen da und schauten ihnen nach.
    »Hier ist was los!«, meinte Schuster kopfschüttelnd. »Von wegen beschauliche Provinz. Drei nackte

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