Alex Benedict 03: Die Suche
unpatriotisch.
Peter McCovey ist klein und stämmig, hat einen schwarzen Bart und ein Lächeln, das nie verschwindet und sich auch nie verändert. Er trug sein typisches blaues Jackett mit einem weißen Halstuch und einer weißen Schärpe. Etwas pompös, wie er mir gegenüber zugab, aber das Publikum erwartete es von ihm.
Es gab noch zwei weitere Diskussionsteilnehmer. Dr. Emily Clark, die bezweifelte, dass es den margolianischen Kolonisten je gelungen war, auf ihrer erwählten Welt Fuß zu fassen, wo immer sie auch gewesen sein mochte. Und dann war da noch ein Jerry Rhino, der darauf beharrte, dass Margolia nicht nur die Anfangszeit überstanden hätte, sondern sich auf unser alltägliches Leben durch unterschwellige Einflussnahme und magnetische Manipulation auswirkte. »Das ist die Quelle unserer spirituellen Kraft«, sagte er. Rhino hatte mehrere Bücher über das Thema verfasst und war mit seinem okkulten Wirrwarr ziemlich bekannt geworden.
Die Show fand in einer Kulisse statt, die einen von Büchern beherrschten Wohnraum darstellen sollte. McCovey stellte seine Gäste vor und eröffnete den Abend, indem er Alex fragte, was wirklich aus den Margolianern geworden sei.
Was Alex natürlich nicht wusste. »Das weiß niemand«, sagte er.
Rhino behauptete, es sehr wohl zu wissen, und die Show entwickelte sich sehr schnell zu einem offenen Schlagabtausch. McCovey hatte gern Gäste, die sich miteinander stritten. Er war und ist einer der am meisten geschätzten Gastgeber im Medienzirkus.
Clark lächelte während der ganzen Vorstellung unentwegt, was erfolgreich vermittelte, dass jeder, der irgendetwas davon ernst nahm, ein Idiot sein musste. Als Alex argumentieren wollte, dass die Margolianer, nach allem, was wir derzeit wussten, wohl immer noch irgendwo da draußen glücklich und zufrieden lebten, verdrehte sie die Augen und fragte sich laut, was bloß aus dem gesunden Menschenverstand geworden war. Rhino brachte sie keinerlei Toleranz entgegen. Ihn ließ sie nur mit eisigem Sarkasmus abblitzen.
Aber Jerry bohrte unbeeindruckt weiter. Die Margolianer waren dem spirituellen Fluss des Kosmos gefolgt. Abgeschnitten von den alltäglichen Aktivitäten ihrer Heimatwelt, hatten sie eine Art Nirwana gefunden. Und so weiter. Dann und wann sah er Alex um Bestätigung heischend an. Ich hatte den Eindruck, Alex versuchte, sich zu verstecken.
McCovey nahm beständig für sich in Anspruch, neutral zu sein. Aber er hatte keine Skrupel, seine Gäste zu beschimpfen. Einmal forderte er Alex auf, er möge erklären, warum er kein Vandale sei, und Rhino sagte er ohne Umschweife, er sei geistesgestört. Inzwischen ist mir aufgefallen, dass er darauf achtet, bevorzugt Leute einzuladen, die leicht angreifbar sind, weil es ihnen besonders schwerfällt, zurückzuschlagen. Das habe ich Alex gegenüber allerdings nie erwähnt.
Auf jeden Fall verließ Alex das Studio in düsterer Stimmung. Er fluchte und schwor, er würde sich nie wieder derart einfangen lassen. Wir machten am Silver Cane Halt, und er kippte drei oder vier Drinks hinunter, was weit über sein übliches Maß hinausging.
Der wirkliche Angriff erfolgte erst am nächsten Tag, als Casmir Kolchevsky bei Jennifer am Morgen auftauchte. »Es sollte Gesetze geben, um Leute wie Benedict aus dem Geschäft zu verjagen«, beharrte er. »Das sind Diebe. Sie erheben Anspruch auf Schätze, die uns allen gehören, und verkaufen sie an den Meistbietenden. Das ist verachtenswert.«
In dieser Weise fuhr er noch fast fünfzehn Minuten lang fort. Zum Abschluss dieses Themenbereichs lud Jennifer Alex ein, in ihre Show zu kommen und sich selbst gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Alex gab zu, bereits eine Einladung erhalten zu haben. »Sie haben mir gesagt, ich würde das sehen wollen.«
»Was wirst du tun?«
»Ich weiß es nicht«, sagte er. »Ich bin nicht sicher, ob ich, wenn ich hingehe, nicht alles nur noch schlimmer mache.« Er seufzte. »Ich bin es leid. Diese Typen sind nie zufrieden. Leute wie Kolchevsky, die nie aus eigener Kraft irgendetwas finden könnten, gehen los und behaupten, wir würden Dinge stehlen, die der Allgemeinheit gehören. Aber nichts davon gehört irgendjemandem. Es gehört nur dem, der bereit ist, ein bisschen Ehrgeiz zu zeigen und die Drecksarbeit selbst zu erledigen. Gäbe es uns nicht, würde ein ganzer Haufen von dem Zeug noch irgendwo da draußen rumliegen.«
»Schön«, sagte ich, »aber du wirst hingehen und das dort sagen müssen, Alex. Du
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