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Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Titel: Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gerhard Henschel
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denn mal endlich Fußball?« fragte ich, und statt mir zu antworten, setzte der Weiler eine blöde Grimasse auf und äffte mich nach: »Ma pinnema demma emmich Puppall?«
    Was ein Arsch. Als ob ich ein Baby wäre und noch nicht richtig sprechen könnte. Und solche Mistpakete wurden als Pädagogen auf die Menschheit losgelassen.
    Mit dem Weiler war ich fertig. Aus. Begraben. Bei dem Langlauf am Kanal lief ich extra lahm und kam als allerletzter in der verkackten Turnhalle an. Sollte der Holzkopf mir doch ’ne Sechs dafür geben.
    Ooh I need your love babe, guess you know it’s true ...
    Jetzt konnte ich auch Franz Beckenbauer verstehen, wenn der für viel Geld von Bayern München zu Cosmos New York wechseln wollte, in die amerikanische Operettenliga, gegen den Widerstand von Typen, die im DFB das Sagen hatten und womöglich ganz genauso dämlich und borniert waren wie der blöde alte Sabbersack Weiler.
    »Enrichissez-vous!« hieß die Parole, die der französische Bürgerkönig Louis Philippe 1830 ausgegeben hatte: Bereichert euch! Der hätte mich mal sehen sollen, wie ich beim Nachhausefahren im Gegenwind meine Kapuze festhalten mußte, mit einer Hand, weil der eine Senkel weggerutscht war, so daß ich die Kapuze nicht mehr strammziehen konnte.
    Im Rückspiel gegen Kiew räumte Wittkamp Gladbach in der 82. Minute mit dem 2:0 den Weg zur Titelverteidigung auf europäischer Vereinsebene frei, und das gleiche galt für den HSV, der Atletico Madrid mit 3:0 geschlagen hatte.
    Nicht mehr lange, und ich würde selbst ganz oben mitspielen, und dann würde sich auch Michael Gerlach eines größeren Respekts vor mir befleißigen als auf seiner neuesten Postkarte:
    Als medizinischer Experte stelle ich fest, daß der GMS sich in seine Bestandteile auflöst. Einwandfreie Beweise dafür hat der GMS in seinem letzten Brief geliefert. Der Fußnagel war nur der Anfang vom Ende. Ein klares Zeichen der Überlegenheit des DMGS! Hurra! Hurra! Hurra!
    Vorschlag für die Übersendung des GMS-Kopfes: einfach unter die Briefmarke kleben! Aber Vorsicht: Bei Vakuum kann durch zu starken Druck eine Implosion stattfinden!
    Ich mußte im Garten helfen, aber zur nächsten Nachrichtensendung ging ich wieder ins Haus. »Du hast doch gerade eben erst die Nachrichten gekuckt!« sagte Papa. Der verstand es eben nicht, daß ich rund um die Uhr informiert sein wollte. Mit meinem Anspruch auf das Recht, jederzeit die neuesten Nachrichten zu hören, würde ich wahrscheinlich irgendwann auch als Erwachsener auf Unverständnis stoßen. Als Partygast müßte ich mich eben einmal stündlich oder so entschuldigen und in ein Nebenzimmer mit Fernseher oder Radio gehen. Die wichtigste Sendung von allen war abends um sechs Uhr das Echo des Tages im NDR. Wenn man die nicht mitbekam, weil man seine Fahrradkette einfetten oder seine Stiefel putzen mußte, war man weg vom Fenster.
    Mama kaufte einen neuen Terrassentisch, einen weißen, zum Draußensitzen, aber dann herrschte fast eine ganze Woche lang Kackwetter, und obwohl es jetzt auf jeden Punkt ankam, verschenkte Gladbach einen an Hamburg. Es war ein kleiner Trost, daß auch Braunschweig 0:0 gespielt hatte, in Dortmund. In der Partie gegen Essen hatte dagegen Gerd Müller mal wieder gezeigt, was er auf der Pfanne hatte, und vier Tore zum 5:1 der Bayern beigesteuert.
    Bei uns standen die Kellerräume unter Wasser. Der Kellerbodensohle lag unter dem Grundwasserspiegel. Die Wände waren undicht, und selbst oben auf dem Dachboden war ’ne Regenpfütze. Die Ziegel, sagte Papa, seien »noch vom Konstruktionsstand 1939«. Nach seinem Dafürhalten müsse das ganze Dach neu eingedeckt werden.
    In Sport war jetzt wieder mal Basketball dran, reiher, und in Düsseldorf standen ehemalige Aufseher des Vernichtungslagers Majdanek vor Gericht. Wieso hatten die denn eigentlich zweiunddreißig Jahre lang frei herumlaufen dürfen? In Majdanek waren zweihundertfünfzigtausend Häftlinge ermordet worden. Vor allem Juden. Vergast, erschossen, gehenkt, ertränkt oder zu Tode geprügelt.
    Auf Antrag der Verteidigung mußte ein Sachverständiger versichern, daß er »arischer Abstammung« sei.
    »Daß die sich nicht schämen, heutzutage noch mit ihrem Arierfimmel anzukommen«, sagte Mama. »Und das auch noch in so ’nem Prozeß! Nach allem, was diese Großschnauzen da angerichtet haben!«
    Der DFB war sauer auf den Vaterlandsverräter Beckenbauer, weil der nach Amerika gehen wollte, und gegen Nordirland durfte er schon nicht mehr

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