Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)

Titel: Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gerhard Henschel
Vom Netzwerk:
antreten. Wir gewannen zwar 5:0, aber mit Beckenbauer und Gerd Müller hätten wir wahrscheinlich 16:0 gewonnen. Da hätte mal jemand mit der Faust auf den Tisch hauen müssen beim DFB, doch dafür war Helmut Schön offensichtlich nicht Manns genug.
    Danach kam ein Film mit dem moppeligen Schauspieler Fritz Muliar, der als braver Soldat Schwejk in einer Szene mit ein paar nackerten Weibern herumalberte. Busen kriegte man im Spätprogramm des öfteren zu sehen.
    »Putz dir mal die Nase«, sagte Papa, dem es auf die Nerven ging, wenn man den Schnött hochzog.
    Das Hauptgeschenk zu meinem fünfzehnten Geburtstag war ein sogenanntes Hollandrad, Marke Noblesse. »Behandle das pfleglich!« ermahnte mich Mama, aber mein erster Gedanke war, wie ich es vermeiden könne, mit dem neuen Rad auf dem Schulweg und auf dem Schulhof aufzufallen.
    »Ey Schlosser, wie kommst’n zu dem neuen Düsenklipper? Ist der nicht ’n paar Nummern zu groß für dich? Haste die geklaut, die Mühle? Haben deine Eltern im Lotto gewonnen?« Solche Sprüche wollte ich mir nicht anhören, und in der Schule brauchte sowieso keiner zu wissen, daß ich Geburtstag hatte. Deswegen wollte ich auch den neuen Parka nicht gleich anziehen, sondern erst mit ein paar Tagen Verspätung.
    Tante Dagmar hatte mir ein Doppelalbum von den Beatles geschenkt, Onkel Dietrich einen Bildband über das Dritte Reich und Oma Schlosser den Roman »Momo« von Michael Ende. Aus Jever und von Tante Gertrud aus Bielefeld waren jeweils zwanzig Mark eingetroffen, und dann eröffnete mir Mama noch, daß Papa und sie eine Erhöhung des Taschengelds auf dreißig Pfennig pro Woche und Lebensjahr beschlossen hätten. Das wären für mich also fortan vier Mark fuffzig in der Woche beziehungsweise achtzehn Mark im Monat oder aufs Jahr gerechnet zwölf mal achtzehn Mark gleich, äh, zehn mal achtzehn macht 180, plus zwei mal achtzehn gleich sechsunddreißig, plus 180 macht – rechne, rechne – 216 Mark bis zu meinem nächsten Geburtstag.
    Stark.
    Mein neues Rad konnte ich unbemerkt abstellen, aber auf meiner Schulbank warteten zwei unangenehme Überraschungen auf mich – ein Blumentöpfchen mit einem kleinen Kaktus und ein mit Blümchen bemalener und mit Unterschriften verzierter Zettel.
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Von uns allen!
    Ach du Kacke. Was hatte denn das zu bedeuten? Unterschrieben worden war der Wisch tatsächlich von allen aus der ganzen Klasse, kreuz und quer, auch von Michaela Vogt, an zentraler Stelle, und jetzt starrten mich alle an, um zu sehen, wie ich auf diese unverhoffte Gabe reagierte.
    Am besten wohl so, wie Papa das an meiner Stelle getan hätte, mit Stirnrunzeln und Kopfschütteln.
    »Ey, Schlosser«, rief der Harms, »man ist so alt, wie man sich fühlt!«
    Ich dachte, es wäre das beste, lässig abzuwinken und dabei noch irgendwie verächtlich auszuschnauben. Dabei senkten sich, wie ich merkte, zwei Rotzglocken aus meinen Nasenlöchern. Ich schniefte die Dinger zwar sofort wieder hoch, aber als ich aufsah, traf mein Blick genau auf den von Michaela Vogt, und die kuckte dann lieber woandershin.
    Besser wäre es doch, nie geboren worden zu sein.
    Wessen Idee war das bloß gewesen? Auf dem Zettel hatte sich auch Hermann mit seiner Unterschrift verewigt, und ich fragte ihn in der Pause, wer ihm den hingeschoben habe.
    »Der ging einfach so rum, ohne Absender«, sagte Hermann.
    Zuhause schmiß ich den Kaktus weg und lief hoch in mein Zimmer, um meine neue Beatles-Doppel-LP aufzulegen, und dann sah ich mir den Zettel mit den Unterschriften genauer an.
    Let me take you down,
    ’cos I’m going to Strawberry Fields ...
    Michaela Vogt. Der Name stand in der Mitte, aber in anderer Handschrift als der Glückwunsch. Tja. Was sollte ich damit anfangen? Und was hatte der verdammte Kaktus zu bedeuten? Daß ich ein Ekelpaket sei? Aber wozu dann der Aufwand mit der Unterschriftensammlung?
    Climb in the back with your head in the clouds,
    and you’re gone.
    Diese Unterschriftenliste war das eine, und das andere waren die Songs. Da gab es einen mit einem irren Orchesterorkan. Und dann meldete sich die Stimme von George Harrison:
    I look at the world and I notice it’s turning ...
    Als Beatle hätte ich keine schöneren Liebeslieder für Michaela Vogt schreiben können.
    Something in the way she moves
    attracts me like no other lover ...
    John Lennon fungierte irgendwie als Bandleader, Ringo Starr war der Clown am Schlagzeug, und Paul McCartney sang die Songs, die

Weitere Kostenlose Bücher