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Artus-Chroniken 1. Der Winterkönig

Artus-Chroniken 1. Der Winterkönig

Titel: Artus-Chroniken 1. Der Winterkönig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernard Cornwell
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uns nicht an, Lord, die Gedanken der Götter zu erraten. Wir müssen das uns zugemessene Schicksal einfach ausleben.«
    Bei diesen Worten schnitt er eine Grimasse, denn er zog es vor zu glauben, daß er sein Schicksal selbst in der Hand habe.
    »Ihr meint also, wir sollten den Wegen des Schicksals blindlings folgen.«
    »Ich glaube, Lord, daß man, wenn einen das Schicksal packt, gut daran tut, den Verstand beiseite zu legen.«
    »Und das habe ich getan«, sagte er leise und lächelte mich an. »Habt Ihr jemanden, den Ihr liebt, Derfel?« wollte er wissen.
    »Die Frauen, die ich liebe, Lord, sind nicht für mich«, antwortete ich voll Selbstmitleid.
    Er runzelte die Stirn und schüttelte mitfühlend den Kopf.
    »Armer Derfel«, sagte er leise, und irgend etwas in seinem Tonfall ließ mich aufmerken. Glaubte er womöglich, daß ich auch Guinevere zu diesen Frauen zählte? Ich errötete und überlegte, was ich darauf erwidern sollte, doch Arthur hatte sich bereits umgedreht, um Nimue entgegenzusehen, die aus der Halle herüberkam. »Wenn wir einmal Zeit haben«, sagte er, »müßt Ihr mir von der Toteninsel erzählen.«
    »Das werde ich, Lord - nach Eurem Sieg«, gab ich zurück,
    »wenn Ihr gute Geschichten braucht, um die langen Winterabende auszufüllen.«
    »Ja«, bestätigte er, »nach unserem Sieg.« Das klang allerdings nicht sehr hoffnungsvoll. Gorfyddyds Armee war so groß und unsere so klein.
    Aber bevor wir gegen Gorfyddyd zu Felde ziehen konnten, mußten wir mit Gottes Geld einen Sachsenfrieden erkaufen. Und so marschierten wir gen Lloegyr.

    Wir rochen Durocobrivis, lange bevor wir es erreichten. Der Geruch schlug uns am zweiten Tag entgegen, als wir noch anderthalb Tagesmärsche von der eroberten Stadt entfernt waren, aber der Wind kam von Osten und trug den üblen Gestank nach Tod und Rauch weit über das verlassene Ackerland. Die Felder waren erntebereit, aber die Menschen waren aus Angst vor den Sachsen geflohen. In Cunetio, einer kleinen, von den Römern erbauten Stadt, in der wir die Nacht verbrachten, wimmelten die Straßen von Flüchtlingen. Ihr Vieh war in hastig wiederaufgebauten Winterhürden
    zusammengetrieben worden. Niemand hatte Arthur in Cunetio zugejubelt, und das war kein Wunder, denn man gab ihm die Schuld sowohl an der Länge des Krieges als auch an seinen Schrecken. Männer murrten, unter Uther habe es Frieden gegeben, unter Arthur dagegen nichts als Krieg.
    Arthurs Reiter führten unsere schweigende Kolonne an. Sie trugen ihre Rüstung, sie trugen Speere und Schwerter, aber die Schilde hatten sie zum Zeichen, daß wir in Frieden kamen, verkehrt herum umgehängt und an die Speerspitzen grüne Zweige gebunden. Hinter der Vorhut marschierten Lanvals Speerkämpfer, dahinter folgten vierzig Packmulis, die mit Sansums Gold und den schweren Lederschilden beladen waren, die Arthurs Pferde in der Schlacht trugen. Ein zweites, kleineres Reiterkontingent bildete die Nachhut. Arthur selbst schritt mit meinen Wolfsruten-Speerkämpfern unmittelbar hinter seinem Bannerträger, der hinter der führenden Reitergruppe ritt. Arthurs schwarze Stute Llamrei wurde von seinem Schildknappen Hygwydd geführt, neben dem ein Fremder marschierte, den ich für einen weiteren Diener hielt. Nimue ging mit uns, und wie Arthur versuchte sie, von mir ein wenig Sächsisch zu lernen, doch gute Schüler waren sie alle beide nicht. Nimue fand die primitive Sprache schon bald langweilig, während Arthur zuviel im Kopf hatte, obwohl er pflichtschuldigst wenigstens einige Wörter lernte: Frieden, Land, Speer, Essen, Mutter, Vater. Ich wollte mich als sein Dolmetscher betätigen; es war das erste von zahllosen Malen, daß ich für Arthur sprach und die Worte seiner Feinde zurückgab.
    Mittags begegneten wir dem Feind. Wir marschierten gerade einen langen, sanften Hügel hinab. Zu beiden Seiten der Straße erstreckte sich dichter Wald. Plötzlich kam ein Pfeil aus den Bäumen geflogen und bohrte sich unmittelbar vor Sagramor, unserem Vorreiter, in den Boden. Er hob die Hand, und Arthur befahl den Männern in der Kolonne, Ruhe zu bewahren. »Keine Schwerter!« ordnete er an. »Einfach abwarten!«
    Die Sachsen mußten uns den ganzen Vormittag beobachtet haben, denn sie hatten eine kleine Kriegshorde
    zusammengestellt, die uns gegenübertreten sollte. Die Männer, sechzig oder siebzig an der Zahl, kamen hinter ihrem Anführer aus dem Wald. Er war ein Mann mit mächtigem Brustkasten und ging unter einem Häuptlingsbanner mit

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