BACCARA EXKLUSIV Band 52
Was auch immer sie tat, sie war im Einklang mit sich selbst. In einem Schneiderkostüm bewegte sie sich genauso selbstverständlich wie in Jeans und einem knappen Top. Ihr Restaurant war klein, lag aber direkt am Wasser. Und so kamen die Gäste nicht nur wegen des Essens, sondern auch wegen des fantastischen Blicks. Die Atmosphäre war elegant, aber gleichzeitig behaglich.
Momentan war das Restaurant geschlossen. Das war die Zeit, in der Lane Nallas neueste Kreationen probierte. Vor ihr stand ein Teller mit einer zarten Blätterteigfüllung.
„Sag mir ehrlich deine Meinung.“ Nalla warf ihren dicken roten Zopf über die Schulter.
„Zu viel Salz. Es unterstreicht nicht den Geschmack des Gebäcks, es tötet ihn.“
Nalla nickte und machte sich Notizen. „Und die Füllung?“
„Tut mir leid, alles schmeckt nach Salz.“
„Gut. Morgen musst du noch einmal probieren.“
Lane lachte. „Wenn das so weitergeht, rolle ich bald nur noch durch die Gegend.“
„Aber du bist die Einzige, die mir die Wahrheit sagt. Meine Angestellten haben Angst, gefeuert zu werden, wenn sie etwas Negatives über meine neuen Gerichte äußern.“ Nalla öffnete eine Flasche Wein, schenkte ein und reichte Lane ein Glas. „Komm, lass uns raufgehen. Um diese Tageszeit ist es oben besonders schön.“
Lane nickte und folgte ihr.
Sie hatten sich kaum auf den Balkon gesetzt, als Nalla fragte: „Was ist nun mit Tyler?“
„Und was ist mit Kyle?“
Nalla blickte nachdenklich in ihr Weinglas und legte dann die nackten Füße auf das Balkongeländer. „Lass uns darüber später sprechen, ja?“
Die Sache muss ihr wirklich zu schaffen machen, dachte Lane, denn normalerweise war Nalla sehr offen. „Tyler ist hinter mir her und will sich nicht abweisen lassen“, berichtete sie. „Er hat mich zum Winterball eingeladen.“
„Und willst du nicht mit ihm gehen?“
„Im Grunde schon. Aber zum einen ist er nicht an einer länger dauernden Beziehung interessiert. Außerdem kann ich es nicht riskieren, dass Dan Jacobs oder einer dieser anderen Bluthunde auf mich aufmerksam wird. Und da Tyler McKay mit seiner Begleitung am Tisch des Gouverneurs sitzen wird, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß. Hinzu kommt, dass Dan die Geschichte noch nicht beendet hat, für die er bereits bezahlt wurde. Das macht ihn so gefährlich. Mein Vater weiß als Einziger, unter welchem Namen ich mich hier aufhalte. Und ich habe ihn schwören lassen, dass er beides nicht weitergibt.“
„Warum willst du Tyler nicht einfach die Wahrheit sagen? Er wird dir bestimmt helfen.“
„Aber ich habe ihn bereits mehrfach belogen, und er hasst Lügen.“
„Das sind doch reine Notlügen. Wenn du Tyler erzählst, was Dan Jacobs dir angetan hat, dann wird er dich verstehen und sich für dich einsetzen.“
„Darauf kann ich mich nicht verlassen. Ich habe keine Ahnung, wie er reagieren wird, wenn er weiß, wer ich wirklich bin.“
„Du hast dich in den Mann verknallt, Elaina, oder?“
Es tat so gut, beim richtigen Namen genannt zu werden. „Ich vermute.“
„Möchtest du mit ihm schlafen?“
„Ja.“
„Vielleicht ist es gar nicht Dan und seine Meute, vor der du Angst hast. Du hast so lange allein gelebt, dass du dich mit niemandem einlassen willst.“
Lane seufzte leise und löste den Knoten. Der Wind spielte mit ihrem offenen Haar. „Du machst dir keine Vorstellungen, wie furchtbar es war.“ Die Mikrofone, die man ihr entgegenhielt, die Blitzlichter nachts vor ihrem Schlafzimmerfenster, die enthüllenden Fotos in der Zeitung …
„Du hast recht, das kann man sich wohl kaum vorstellen“, sagte Nalla liebevoll. „Du hast alles verloren. Den Mann, den du liebtest, deinen guten Ruf, deine Karriere, es muss entsetzlich gewesen sein. Aber darfst du dich deshalb für den Rest deines Lebens von der ganzen Welt abschotten? Wenn du das tust, haben Dan Jacobs und die anderen miesen Schreiberlinge gewonnen. Du musst dich verteidigen. Du musst kämpfen.“
„Das habe ich ja versucht.“ Aber alles, was sie der Presse gegenüber geäußert hatte, wurde verdreht dargestellt. Man glaubte Dan als Kollegen mehr als ihr. Und die Tatsache, dass das FBI die Bücher des väterlichen Unternehmens überprüft hatte, ohne etwas beanstanden zu können, war in den Zeitungen nie erwähnt worden.
„Nein, ich meine, du sollst für dich selbst kämpfen, nicht mehr für die Familie. Du bist jetzt für dich selbst verantwortlich. Wenn Dan auftaucht, hetz Tyler auf ihn.“
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