BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)
mit Freunden eine Nacht durchgezecht und sich tags darauf absolut miserabel, zum Sterben elend gefühlt hatte.
Er versuchte an etwas anderes zu denken, aber Ronas Stimme unterbrach ihn dabei.
»Wenn er mich verraten hat«, flüsterte sie, »werden sie wahrscheinlich herüberkommen, um sich zu vergewissern, wer bei Jeb Holski eingezogen ist. Heaven kennt mich. Falls Holski mich ausreichend beschrieben hat, wird sie ganz bestimmt kommen. Was auf dem Bett liegt, wird sie ablenken. Solange, bis sich die Kugel in ihren Schädel gebohrt hat. Ich muss sorgfältig zielen. Wenn ich nicht beim ersten Mal genau treffe, habe ich verloren. Und wenn sie
zu zweit
kommen – auch...«
Dass sie immer noch den Karabiner in ihren Händen hielt, fiel Caleb erst nach diesem Monolog auf.
Von wem redete sie überhaupt? Wessen Erscheinen fürchtete sie?
Er erhielt keine Antworten auf die Fragen, die er nicht stellen konnte, die nur unaufhörlich in seinem Kopf kreisten, bis...
... er trotz der misslichen Lage in einen tiefen Schlaf fiel.
Esben Storm kam zurück.
Die Wirklichkeit, die Wyando wahrzunehmen imstande war, schien beim »Wiedereintritt« des Aboriginal regelrecht aufzuseufzen. Ein seltsamer Klang wehte durch das Tal. Als wäre das, das Esben Storms Platz vorübergehend eingenommen hatte, nun wieder von ihm verdrängt worden.
»Du warst länger weg, als ich es mir vorstellte. Über eine Stunde.«
»Dort, wo ich wandere, unterliegt die Zeit anderen Gesetzen.«
Wyando überlegte kurz, was der australische Ureinwohner damit zum Ausdruck bringen wollte – dass er aus seiner Sicht
länger
oder
kürzer
unterwegs gewesen war?
Letztlich spielte es keine Rolle.
»Hast du etwas... herausfinden können?«, Der Arapaho-Vampir war in Storms Abwesenheit hin und her gewandert, nun stand er wieder still und aufs höchste angespannt.
»Das habe ich.« Die Mimik des Schamanen, der mit überkreuzten Beinen dasaß, als hätte er sich nie auch nur einen Schritt weit entfernt, gab Hidden Moon keinen Anhaltspunkt über die Art der Entdeckung, die er gemacht hatte.
»Dann sag es mir!«
»Das würde ich – wenn ich es selbst verstanden hätte.«
»Du hast es nicht verstanden?«
»Nein.«
Wyando beugte sich nach vorn und nötigte Esben Storm förmlich, sich zu erheben und ihm Auge in Auge gegenüberzustehen. »Was ist das? Eine billige Ausrede, weil du mir gar nicht sagen
willst
, was du
drüben
gesehen hast?«
Ein nachsichtiger, fast mitleidsvoller Ausdruck fiel wie ein Schatten über Esben Storms Gesicht, der keinen Versuch unternahm, die Berührung seines Gegenübers abzustreifen. »Ich sah«, sagte er, »einen Anfang.«
»Was meinst du mit Anfang?«
Hidden Moon war drauf und dran, sich umzudrehen, ins Sanktuarium zurückzukehren und Esben Storm nie wieder mit einer Bitte wie dieser zu belästigen. Im Grunde war der Versuch, Niemandes Freund um einen Gefallen zu bitten, schon gescheitert gewesen, bevor Wyando seine Bitte überhaupt formuliert hatte.
»Den Anfang von etwas, was ich nur einmal, und da auch nur ähnlich, sah«, fuhr Esben Storm stoisch ruhig fort.
»Wann und wo war das?«
»Als die Schöpferwesen auf dem Grund und Boden von Heavens Edens magischem Geburtshaus entarteten.«
Verblüfft und am Ende seiner Geduld starrte Wyando den Eingeborenen an. »Darüber weiß ich nichts... Ich will wissen, was du
gesehen
hast!«
Esben Storm blickte zu ihm auf. »Ich sah, dass der Flaum entartet ist. Seine Wurzeln halten ihn nicht nur unmittelbar unter der Hautoberfläche fest, sondern...«
»Sondern?«
»Sie dringen tief in deinen Körper ein. In dein Rückenmark und von dort aus noch weiter. Nach oben.«
»Wie weit – nach oben?«, Der Arapaho schluckte. Zugleich beschlich ihn eine nie dagewesene dumpfe Furcht. Und in seine Züge brannte sich ein Ausdruck, der sagte:
Hätte ich nur nie gefragt! Ich hätte es auf sich beruhen lassen sollen...
»Bis in dein Gehirn«, sagte Oodgeroo Noonuccal.
Wyandos Hand fuhr in den Nacken. Seine Finger gruben sich in den zarten weißen Flaum und formten eine Faust.
Einen Augenblick war er versucht, sich das Büschel mit Brachialgewalt herauszureißen.
Nur der Gedanke an das, was er
noch
– und ungewollt – mit herausreißen könnte, von ganz weit oben, ließ ihn die Faust wieder öffnen. Er beschloss, Makootemane aufzusuchen. Auch Makootemane trug dieses Stigma, das der innigen Verbindung der Arapaho-Vampire mit ihren Seelentieren, den Adlern, entsprossen war.
»Kannst und
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