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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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willst du mir mehr darüber sagen?«, fragte er Esben Storm mit bebender Stimme.
    »Nein«, lautete die unbefriedigende Antwort.
    »Kannst du oder willst du nicht?«
    Esben Storm lächelte ein Lächeln, das Wyando für einen kurzen Moment noch größeres Grauen einflößte als die Frage, was in ihm zu wachsen begonnen
,
und was Storm einen Anfang genannt hatte.
    Den Anfang
wovon
...?
     
     
    Die Nacht war vergangen, ohne dass Jeb Holskis Haus ein Besuch abgestattet worden wäre. Rona begann daran zu glauben, dass das Verschwinden von Calebs Onkel für sie selbst folgenlos bleiben würde.
    Nachdenklich schaute sie auf den jungen Juden, der mit geschlossenen Augen auf dem Bett lag und den Anschein zu erwecken versuchte, dass er noch schlafe. Doch vor ein paar Minuten hatte sich seine Atemfrequenz verändert, lag er stocksteif da, und Rona, die es gelernt hatte, auf Kleinigkeiten zu achten, war überzeugt, dass er nach knapp drei Stunden wieder aus unruhigen Träumen aufgewacht war.
    Beim Gemüseladen hatte sich seit Jeb Holskis und dem Verschwinden einer Unbekannten nichts mehr getan. Die ganze Nacht hindurch hatte kein noch so schwacher Lichtschimmer verraten, dass sich zwei Ungeheuer darin eingenistet hatten.
    Ungeheuer...
    In Anbetracht der eigenen Übeltaten hätte Rona die Verwendung solcher Bezeichnungen eigentlich scheuen müssen. Dass sie es nicht tat, bewies nur, wie vielschichtig ihre Moral- und Wertvorstellungen waren. Ein Mensch ohne »Leichen im Keller« hätte dies nicht verstanden, und der Einzige, der sich je in ihr facettenreiches Ich hatte hineinversetzen und es akzeptieren können, war nun tot.
    In der Stille der Nacht hatte Rona sich wieder und wieder gefragt, ob auch Sardons Seele von seinen Mördern ausgelöscht worden war. Oder ob sie aufgestiegen war in Gefilde, in denen sie ihren Frieden gefunden hatte – nach einer kleinen Ewigkeit irdischen Seins.
    Eine Antwort hatte sie nicht gefunden.
    Nicht einmal Trost.
    Was bin ich bloß für ein Janusgesicht,
dachte sie, als der Muezzin wieder zu rufen begann.
Was pflege ich für eine heuchlerische Doppelmoral?
    Auch der junge Mann auf dem Bett, Caleb, war auf ihre mächtigste Waffe zwischen den Monden hereingefallen: Auf die liebreizende Unschuld, die sie vorzugaukeln vermochte...
    Sie verließ ihren Fensterplatz und trat neben den Dunkelhaarigen. Als sie sich an dem Band zu schaffen machte, das den Knebel festhielt, schlug er die Augen auf.
    Obwohl Rona damit gerechnet hatte, zuckte sie unter dem brennenden Blick des Mannes leicht zusammen. Dennoch machte sie unbeirrt weiter.
    Das Band fiel zu Boden. Danach befreite sie Caleb mit spitzen Fingern von dem Knebel.
    »Warum tust du das?«, fragte er, die Stimme rau, kaum verständlich. Er räusperte sich. Hustete.
    »Du darfst nicht schreien. Du darfst mein Entgegenkommen nicht enttäuschen«, sagte sie langsam, »sonst...«
    »Sonst bringst du mich für immer zum Schweigen?«
    Rona ging zum Fenster zurück, und ihr Blick heftete sich wieder an die Fassade von Gershom Chaims Ladengeschäft.
    »Ich wollte ein wenig plaudern«, sagte sie. »Die Zeit totschlagen.«
    Er lächelte.
    Sie sah nicht hin, und trotzdem spürte sie die in ein falsches Lächeln verpackte Verachtung, mit der er zu ihr herüber starrte.
    Als er nichts sagte, löste sie den Blick vom Haus der Chaims und fand ihren Verdacht bestätigt. »Hör auf, mich so anzusehen!«
    Er gehorchte. Schloss Augen
und
Mund. Danach erinnerte er trotz der Fesselung an einen aufgebahrten Toten.
    Er schwieg auch die nächsten Stunden und strafte sie mit ihren eigenen Mitteln. Mit Nichtachtung.
    Rona hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Sie wartete darauf, dass Anum und Heaven endlich die Initiative ergriffen. Dass sie ihren Unterschlupf verließen.
    Urplötzlich überkam sie dieses Gefühl, in Richtung des Ölbergs blicken zu müssen.
    Sie tat es.
    Der fahle Mond stand dort im Blau des Himmels. Die Sonne, die über die Altstadtmauer gekrochen war, schaffte es nicht, ihn gänzlich zu überstrahlen.
    Zum vollen Rund fehlte ihm noch gut ein Viertel.
    So lang wie diesmal war Rona die Zeit zwischen den Nächten ihrer persönlichen Verdammnis noch nie erschienen.
    In diesem Moment – veränderte sich das bleiche Auge am Himmel, verhüllte der Mond sein bleiches Antlitz in blutiger Röte.
    Später würde sich Rona fragen, ob nur sie und Wesen ihrer Art diese Veränderung hatten wahrnehmen können, oder ob sie jedem zufällig zum Mond aufblickenden

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